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WORLD BAND FESTIVAL: «Let it be» tanzt in der Karibik

«Spanish Eyes» und Beatles – was auf dem Papier aussieht wie ein langweiliger Abend von Evergreens, entpuppt sich mit dem Christoph Walter Orchestra als Wunderkiste toller Arrangements.
Roman Kühne
Sänger David Morell (links) und Bandleader Christoph Walter am World Band Festival. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 26. September 2017))

Sänger David Morell (links) und Bandleader Christoph Walter am World Band Festival. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 26. September 2017))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Christoph Walter hat sich einen Traum erfüllt. Seit 2009 ist sein grosses Unterhaltungsorchester unterwegs. «Ich bin halt so aufgewachsen», erklärt er. «Kompositionen von Bert Kaempfert wie ‹Strangers in the Night› oder die Grossband von James Last haben mich stark beeinflusst. Aber auch die amerikanischen Treppenshows mit ihren grossen Orchestern oder die Tommy Dorsey Swing Band.» Wichtige Erfahrungen sammeln durfte er beim Aufbau der Swiss Army Concert Band, dem Showorchester unserer Armee.

In Luzern sind es am Dienstag im Konzertsaal des KKL 24 Musiker, die auf der Bühne stehen. Eine grosse Herausforderung ist hier natürlich das Finanzielle. «Ja, das ist so», stimmt dem Walter zu. «Die Zeiten, wo ein Udo Jürgens fix auf die Pepe Lienhard Band setzte, sind vorbei. Heute wird weniger das Live- Moment gefördert, sondern leider mehr ab Band eingespielt. Wir sind gar nicht subventioniert. Da muss man die Proben und Arrangements gut einplanen.» Und wenn es dann mal ein grosses Orchester ist, dann kommt es oft aus dem Osten, wie im März beim Auftritt von Ennio Morricone in Zürich. Christoph Walter hat damit leben gelernt: «Ich will aber nicht jammern. Neben vielen kleineren Konzerten haben wir regelmässige Auftritte mit der Grossformation, beispielsweise auch im Hallenstadion.»

Heulende Saxofone

Dabei, dies zeigt der Auftritt am World Band Festival klar, ist Unterhaltungsmusik im Grossformat etwas vom Besten und Abwechslungsreichsten, was diese Sparte zu bieten hat. Hier ist alles möglich. Von der Klassik zum Swing, vom Volkslied zum Rock. Entsprechend vielfältig ist das Programm. Auf ein Beatles-Medley mit «Let it be» und «A Hard Day’s Night» folgen Mani Matters Mundartklassiker «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama» und später der Ungarische Tanz von Brahms oder ein rockiges «Best of Queen».

Alle sind bekannte Stücke, Ohrwürmer gar. Dies könnte rasch die Gähn-Muskeln strapazieren. Doch die Arrangements sind genügend raffiniert, um die Kompositionen mit neuem Licht zu bestrahlen. In der Eröffnungsnummer «Spanish Eyes» kehrt das Arrangement jede Patina mit einem Wisch beiseite, wandelt sich ein grooviger 5/4-Rhythmus bald in einen Salsa. Der «Sidi» startet mit einer geheimnisvollen Sopransax-Einleitung, um nachher viel Rock und Drive zu entwickeln, unterbrochen vom Witz der «heulenden» Holzbläser.

Heute arrangiert Walter nur noch wenige Stücke selber. «Ich habe die musikalische Gesamtleitung beim Tattoo in Basel oder bei der Eröffnungsfeier der Swiss Indoors», erklärt er. «Die Zeit, die mir noch bleibt, verwende ich fürs Komponieren. Neue Kreationen mach ich hingegen immer noch gerne. ‹Müeti, liebs Müeti› des Glarners Louis Menard (1939– 2014) habe ich vom langsamen Walzer zu einem partymässigen Stimmungssong umfunktioniert. Das macht mir Spass.»

Mehrere tolle Solisten

Teilweise wird gar dick aufgetragen. «Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung» (James Last) wirkt schnulzig, schmalzig gar. Die Projektion von regnenden Rosen ist mehr Kitsch denn erhellendes Detail. Romantik mit dem Vorschlaghammer. Wenn dann die ganze Big Band und der Streichersatz auch noch richtig fett aufspielen, ist es zu viel.

Zum Glück ist dies selten. Es werden überwiegend Stücke wie «Gang übers Mätteli» neu interpretiert, denen ein jazziger Touch Leben schenkt. Ebenfalls toll ist «Black and Gold», wo ein funkiger Gegentakt das Stück aufmischt. Die Arrangements sind das Eine. In Szene gesetzt werden sie von einer bestens gelaunten Musikergruppe. Schneidende Big-Band-Einsätze und ein stampfender Puls reissen das Publikum mit. Die Solisten sind teils exzellent. Der Flötist Amin Mokdad glänzt mehrmals mit quirligen Improvisationen. Mitreissend ist der wilde Ritt im Ungarischen Tanz von Trompete, Posaune und Saxofon, und Fabian Capaldi verzaubert «Moon River» mit seinen Holzblaskünsten.

Ein weiteres Stück der Festtorte sind die Gesangssolisten. Nelly Patty singt mit weiter, voller Stimme. Locker steigt sie in die lautesten Lagen. Fast schwerelos, geheimnisvoll schafft sie eine spezielle Atmosphäre, angelehnt an die Erotik eines James Bond. David Morell verfügt über eine perfekte Musicalstimme, interpretiert mit viel Witz und Thea­tralik – teils zu verhaspelt – und gibt eine grossartige Interpretation des Queen-Medleys.

Sängerin Franziska Wigger jodelt wunderschön im Lied «Abschied von den Bergen» und «Än Tag zum Fiire», geschrieben für den Geburtstag von Walters Vater. Fazit: Es ist ein Abend, wo Solisten, bunt gemischte Stücke und eine begeisternd aufspielende Band exzellente Unterhaltung bieten.

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