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WORLD BAND FESTIVAL: Startrompeterin zehnmal verstärkt

Gibt es eine weibliche Art von Humor? Die Startrompeterin Tine Thing Helseth und ihre Frauen-Brassband trumpften am Blasmusik-Festival mit doppelter Spielfreude auf.
Tine Thing Helseth begeisterte am World Band Festival. (Bild: Colin Bell/Warner Classics)

Tine Thing Helseth begeisterte am World Band Festival. (Bild: Colin Bell/Warner Classics)

Bei ihrem Debüt am Lucerne Festival vor zwei Jahren zeigte die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth, welch faszinierende Bandbreite an Klängen in einer Trompete steckt. Am Mittwoch konnte man sie im Konzertsaal des KKL, passend noch zum «Primadonna»-Thema des Sommer-Festivals, zehnfach verstärkt erleben: mit ihrem Frauen-Ensemble «tenThing» am World Band Festival.

Vorgeschmack auf die Virtuosität

«brass & humor» war das Programm überschrieben, und der Humor zeigte sich in einer unbändigen Spielfreude, in den teils deutsch, teils englisch gesprochenen Zwischentexten von Tine Thing Helseth und in feinsinnigen Choreografien. Besonders die auswendig gespielten Werke gaben da ungeahnte Möglichkeiten. Und da zeigte sich auch, dass dieser weibliche Humor völlig ohne Derbheiten auskommt, eher hintersinnig als vordergründig aufscheint und sich in der Körpersprache und natürlich in den Klängen findet.

«Wir spielten Präludium aus der, die, das Holberg-Suite», sagte Tine Thing Helseth nach dem fulminanten Beginn, in dem die raschen Tonwiederholungen schon einen Vorgeschmack auf die unglaubliche Virtuosität der zehn Bläserinnen gaben. Drei weitere Stücke von Edvard Grieg wurden tänzerisch in Szene gesetzt.

In «Omas Tuba» gruppierten sich die vier Trompeterinnen, die vier Posaunistinnen und die Hornistin um die sitzende Tubaspielerin, glitten wie von unsichtbaren Fäden gezogen über die Bühne, schwebend fast, und spielten dabei präzise wie aus einem Instrument. Sanft immer leiser werdend gestalteten sie ein Wiegenlied, in dem sie weit auseinanderdrifteten, um sich dann schnell zum aberwitzig rasch gespielten «Trolltog»-Marsch zu formieren.

Dieser bestach durch aberwitziges Tempo ebenso wie durch die klug durchdachte Choreografie, in der sich die Bläserinnen über die ganze Bühne verstreut um sich selbst drehten, mal alle in eine Richtung marschierten und wieder gegeneinander liefen. Dabei kam die Musik mühelos und makellos über die Rampe.

Glasklar und gestochen scharf

Dann wurde von Noten gespielt, und ob es sich um Gitarrenmusik von Albéniz, Barockmusik von Händel oder Musik aus Kurt Weills «Dreigroschenoper» handelte, authentischer und passender für Blechbläser kann man all das wohl wirklich nicht interpretieren.

Wer hätte gedacht, dass die virtuosen und dann wieder elegischen Passagen aus dem «Sommer» aus Vivaldis Jahreszeiten ausser von Streichern derartig glasklar, gestochen scharf und dennoch weich gespielt werden können? Und als sich die zehn Frauen dann mit Mozarts berühmten «Rondo alla Turca» im Parkett verteilten und die Musik nicht nur von der Bühne, sondern von allen Seiten kam, war das einer der Höhepunkte des Abends.

Neben einem Medley aus Bernsteins «West Side Story», in dem die Charaktere der beiden Banden kraftvoll gegen die schmelzenden Liebesthemen ausgereizt wurden, nach gefühlvollem Tschaikowsky und einem köstlich langsam «ausgesungenen» Tango von Piazzolla wurde dann noch eine Oper präsentiert: «Keine Angst, alles Wichtige in 6,5 Minuten!»

Und so verabschiedeten sich die «tenThing»-Brassband mit «Carmen» von Bizet, mit herrlich ausgefeilter Choreografie, charakteristisch gespielten Themen und sichtbarem Schalk im Nacken. Stehende Ovationen zwangen zu einer Zugabe, vor der die Trompeterin sagte: «Vielen Dank, und dann geht nach Hause und habt einen schönen Abend.» Den hatte man da bereits gehabt.

Gerda Neunhoeffer
kultur@luzernerzeitung.ch

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