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WORLD BAND: Grosse Oper im Pop-Design

Blasorchester-Pop für alle Generationen: Das Christoph Walter Orches­tra bot in seinem bewährten Entertainment-Mix gleich zwei Entdeckungen.
Eine Stimme so gross wie die Leinwand: der «Italian Tenor» Sabino Gaita beim Auftritt mit dem Christoph Walter Orchestra im KKL. (Bild: Pius Amrein)

Eine Stimme so gross wie die Leinwand: der «Italian Tenor» Sabino Gaita beim Auftritt mit dem Christoph Walter Orchestra im KKL. (Bild: Pius Amrein)

Urs Mattenberger

Es sei ein Jammer, dass selbst in der Musik nichts mehr gehe ohne «Computer». In der Entertainment-Gala des Christoph Walter Orchestra meinte das bedauernd ein Konzertbesucher, als er das Mischpult passierte, das wie üblich bei verstärkten Konzerten auf dem Logenplatz mitten im Konzertsaal installiert war. Und er sollte mehr recht behalten, als ihm lieb sein konnte.

Da war zwar alles live gespielt, wie Bandleader Christoph Walter in seinen Moderationen beteuerte. Aber es war eben auch alles so verstärkt, dass akustisch der Eindruck einer Konserve ab Band aufkommen konnte. Blasmusik im Sounddesign eines Popkonzerts: Das Stichwort «Pop» hatte schon Kilian Rosenbergs geliefert. Und der Dezibelpegel, den die Crew an den Reglern, abgestimmt auf die jeweils lautesten Instrumente, nach oben drückte, unterstützte diesen Eindruck. Auch über Gebühr, wie sich ganz am Schluss zeigte.

Caruso trifft Piaf

Ein grosses Unterhaltungsorchester in der Tradition eines James Last, im Sound aufgepeppt für ein Programm, das von Volksmusik über fetzige Latin-Rhythmen bis zu Pop-Balladen und ein paar rockigen Nummern mit kreischender E-Gitarre alle Geschmacksgenerationen bedient: Damit gelang der Entertainment-Gala des World Band Festivals wiederum die Quadratur des Kreises. Auch traditionelle Blasmusikfans fanden das Konzert «etwas speziell, aber gut». Und das, obwohl Showelemente (mit einem Trompeter-Duell als Höhepunkt) sparsam eingeflochten wurden und Walters Moderationen – wegen ausländischer Gäste auf Hochdeutsch – den bubenhaften Charme früherer Ausgaben etwas vermissen liessen.

Den Kontrast zum angereicherten Big-Band-Pop, mit dem das Orchester gleich zu Beginn das Volkslied «Nimm dir chli Zyt» hochpeitschte, setzten die Sänger. Restlos ging das Konzept im Fall von Sabino Gaita auf. Das Mitglied des Trios «The Italian Tenors» liess seine baritonal gefärbte Stimme in Lucio Dallas «Caruso» vibrieren, strömen und auch ein bisschen schluchzen wie in grosser Oper. Und setzte sich damit gegen die vom Blech geschärften Klangwellen des Orchesters durch – ein Höhe­punkt des ganzen Programms. Dafür hatte zwar – auch im Duett mit Gaita – ebenfalls die Stimme der Stammsolistin Nelly Patti die nötige Kraft. Aber der Hang zum Hochdruckmusizieren, das die Dynamik nach oben nivellierte, liess ihr etwa im Piaf-Chanson «Hymne a l’amour» wenig Raum für atmosphärische Zwischentöne.

Schwyzerörgeli-Groove

Gleich zwei Entdeckungen boten die Schweizer Spezialgäste, die Christoph Walter erstmals in diesem Programm präsentierte. Erstaunlich war schon, wie sich der Sehnsuchtston von Jonas Gross’ Panflöte – jetzt ideal verstärkt – in einer Eigenkomposition von Walter und im James-Last-Klassiker vom «Einsamen Hirten» vom Orchester nach oben und in endlose Weiten tragen liess. Und der virtuose Schwyzerörgelispieler Robin Marc bewies mit einer Eigenkomposition, die in den perkussiven Groove seines Schwyzerörgelis selbst die Streicher passend mit einbezog, wie nahtlos neue Schweizer Volksmusik in ein solches Unterhaltungsprogramm passt.

War hier der «Computer», also die Verstärkung des Sounds, unverzichtbarer Bestandteil des musikalischen Konzepts, zeigte er andernorts seine Tücken. Bloss eine Panne war, dass ein Titel wiederholt werden musste, weil der solistische Flötist – vor dem falsch ausgerichteten Mikrofon – praktisch nicht zu hören war. Ein Augen- und Ohrenöffner aber war erst recht die Zugabe zum Schluss. Christoph Walter selbst hatte ihn als «etwas besonders Schönes» angekündigt. Und tatsächlich: Im romanischen Lied «La sera sper il lag» liess sich Walter, der an diesem Abend als «Einspringer» wahlweise zum Akkordeon, zum Guiro oder zur Trompete griff, nur von solistischen Streichern und der akustischen Gitarre begleiten. Ganz unverstärkt hörte man erstmals, wie wunderbar auch dieses Streicherensemble klingen und spielen kann. Da raunte eine Konzertbesucherin beim hinausgehen zu Recht: «Das war der Hammer.»

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