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Luzerner Autor: Wunderbare Geschichten über die Fiesheiten des Lebens

Bereitet diese Lektüre Vergnügen? Texte, die von menschlicher Gestörtheit und der brutalen Endlichkeit des Lebens handeln? Wenn sie der Luzerner Dominik Riedo verfasst hat, dann schon. Und es steckt sogar eine positive Botschaft drin.
Arno Renggli
Der Luzerner Autor Dominik Riedo: "Die Faszination für das Morbide habe ich schon lange." (Bild: PD)

Der Luzerner Autor Dominik Riedo: "Die Faszination für das Morbide habe ich schon lange." (Bild: PD)

«Nach der ersten Liebesnacht. Ein warmer, ruhiger Morgen. Er aber kommt ins Zimmer und sagt, sie werden diese Wohnung niemals mehr verlassen. Er habe über Nacht die Fenster und die Türe zugemauert. Sie aber zieht den Vorhang weg und sieht die Strasse draussen, die Menschen, die Autos. Das habe er getreu nachgemalt, ihm gefalle dieses wie eingefrorene Bild des Daseins draussen. Nein, sie solle das nicht weiter berühren, die Farbe brauche noch etwas Zeit, um ganz zu trocknen. Morgen dann sei es wunderbar. Aber er habe ihr Frühstück gemacht, Müsli und Kaffee. Sie geht und legt sich ins Bett.»

So geht eine der 52 Geschichten im Buch des Luzerners Dominik Riedo (44). Einige sind noch kürzer, die meisten etwas länger. Und irgendwie laufen alle auf das jeweils Schlimmste hinaus. Oder zumindest auf etwas Verstörendes, wie auch der Buchtitel warnt. Eine unangenehme Lektüre? Irgendwie schon. Aber auch nicht, denn die Storys sind auch überraschend, provokativ, erfrischend schräg. Sie handeln von den Fiesheiten, welche einem der Mitmensch, aber auch das Leben an sich beschert. Zu denen gehört das Altern, wenn alles in die Sinnlosigkeit driftet und etwa das Zähneputzen absurd wird. Denn was nützen schöne Zähne, wenn der Rest des Körpers zerfällt.

Woher kommt diese Faszination für das Morbide und die Fragilität des Lebens? Dominik Riedo: «Die habe ich schon lange und wurde wohl von Leuten wie Edgar Allan Poe oder Peter Green­away inspiriert. Und seit Schopenhauer sind mir die Menschen eigentlich Skelette mit etwas Haut, die es nie sehr lange machen und viel länger tot als lebendig sein werden. Mit meinen Texten zeige ich auch, dass wir alles dransetzen sollten, einander das Leben nicht noch schwieriger zu machen, als es eh schon ist.»

Gerade Autoren haben es auch nicht leicht im Buch. In einer Geschichte werden sie hingerichtet, wenn ihre Storys beim Vortrag dem Pöbel nicht gefallen. Und der allerkürzeste Text geht so:

«Der Schriftsteller darf in die Zukunft reisen. Was macht er zuerst? Er geht in eine Buchhandlung (die gibt es noch) und sieht nach, ob seine Bücher im Regal stehen. Er findet nicht eines. Er kehrt zurück und scheidet aus dem Leben.»

Dominik Riedo indes darf zuversichtlich sein, dass dieses Buch auch künftig gelesen wird.

Verstörende Geschichten. Münster-Verlag, 119 S., Fr. 24.–.

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