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Klub der jungen Dichter:
Endlich ein richtiges Abenteuer

Yela Oswald aus Luzern erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie ein Keller sich als abenteuerlicher Ort entpuppt.
Yela Oswald

Nachts um halb vier schreckte ich hoch, und mir wurde klar, dass ich tief im Schlamassel steckte. Ich hörte ein Flüstern im Keller! Sollte ich runtergehen? Meine innere Stimme sagte, ich sollte es lassen, doch meine Neugierde war stärker. Ich mag Abenteuer.

Yela Oswald, Luzern, 5. Primar.

Yela Oswald, Luzern, 5. Primar.

Also stieg ich aus dem Bett und tapste runter in den Keller. Hoffentlich hört mich meine Schwester nicht! Sehr wahrscheinlich nicht, denn sie schläft immer wie ein Stein ... Als ich im Keller angekommen war, wurde das Flüstern stärker. Doch da erstarrte ich. Das Etwas oder der Jemand flüsterte meinen Namen: «Anna.»

Mein Name ist Anna, und ich bin zehn Jahre alt! Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, im Bett zu bleiben. Ich konnte ja immer noch umkehren. Doch ich entschied mich hierzubleiben. Ich schlich in den Raum, aus dem heraus mein Name geflüstert wurde. Hier stank es nach Schimmel. Überall waren Ratten und Spinnweben. Ich hörte sogar noch das Trippeln der Ratten! Trotz der Dunkelheit sah ich ein schwaches Licht. «Jetzt oder nie», dachte ich mutig. Ich schlich noch leiser als vorhin dem Lichtschein entgegen. Es war eine Uhr – eine stinknormale Uhr! Ich war enttäuscht. Doch das hielt nicht lange an, denn schliesslich flüstert keine Uhr, und normalerweise leuchtet sie auch nicht.

Also drehte ich ein paar Mal an der Uhr her­um, um den Grund für das Leuchten und Flüstern herauszufinden. Doch das bereute ich schon nach ein paar Sekunden, denn ich war plötzlich nicht mehr im Keller, sondern in einer Art Turmzimmer. Ich schaute aus dem Fenster und erblickte lauter tanzende Leute. «Ich finde schon noch heraus, wo ich bin», flüsterte ich mir selber zu. Das Zimmer, in dem ich stand, sah aus, als ob es von einer Prinzessin höchstpersönlich bewohnt wurde. Das Himmelbett war rosa angestrichen und ebenso die Kommode.

Ich trat auf den Flur und tapste den Gang entlang. Ich schlich an dem Esssaal vorbei und kam in den Keller. Ich erkundete ihn und entdeckte haufenweise Porträts. Da war eine Prinzessin, da waren Königinnen, Könige und ein Graf. Ich ging weiter. Doch plötzlich glitt an den Wänden etwas vorüber. Ich erstarrte. Mir dämmerte etwas – ich war im Mittelalter! Darum der Esssaal und das Prinzessinnenzimmer. Doch eine Gestalt kam oder besser glitt plötzlich auf mich zu. Da erkannte ich ihr Gesicht. Es war eine hässliche Fratze. Sie hatte riesige und spitzige Reisszähne. «Anna», zischte sie, «Anna.» Ich rannte zurück, doch der Schatten oder etwas Ähnliches verfolgte mich. In meinen Augenwinkeln erfasste ich ein Leuchten, das gleiche Leuchten wie bei mir zu Hause.

Ich bog ab und erreichte das Licht. Es war die Uhr. Dann war das also mein Weg zurück. Inzwischen war die Gestalt immer näher gekommen, ich drehte an der Uhr wie verrückt. Die Gestalt wollte gerade ihre Reisszähne in meinen Arm graben – da war ich wieder im Keller! Ich zitterte am ganzen Körper, doch die Gefahr war vorüber. Das war knapp ... Und jetzt ab ins Bett.

Noch nie hatte ich mich so gefreut, zu Hause zu sein. Als ich im Bett war, dachte ich zufrieden: «Endlich ein richtiges Abenteuer erlebt.» Doch da entdeckte ich grün leuchtende Augen. Sie kamen auf mich zu. Ein Etwas, das schnurrte! Es war meine Katze. «Hast du mir aber einen Schrecken eingejagt», flüsterte ich ihr ins Ohr, und damit sprang die Katze auf mein Bett und ich war gerade am Einschlafen, als ich, ganz nah, meinen Namen flüstern hörte: «Anna» ...

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