Sounds
Die Psych-Rock-Band Yet No Yokai zeigt im Südpol viel Spielwitz und Raffinesse

Die Luzerner spielen ihr Residenzkonzert und fördern dabei auch Überraschendes zutage.

Stefan Welzel
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Zeigte sein gewohnt virtuoses und hypnotisierendes Gitarrenspiel natürlich auch am Residenzkonzert im Südpol: Frontmann Thomas Seidmann.

Zeigte sein gewohnt virtuoses und hypnotisierendes Gitarrenspiel natürlich auch am Residenzkonzert im Südpol: Frontmann Thomas Seidmann.

Bild: Sam Aebi (Luzern/Kriens, 4. November 2021)

Es war der Höhe- und Schlusspunkt einer einwöchigen Künstlerresidenz im Südpol: Die Luzerner Band Yet No Yokai gab am Donnerstagabend im gut gefüllten Club vor Heimpublikum ein verspieltes und auch etwas überraschendes Konzert. Letzteres vor allem deshalb, weil neben Frontmann, Sänger und Gitarrist Thomas Seidmann, Samuel Birrer (Schlagzeug) und Simon Pfister (Bass) plötzlich noch ein weiterer Mitstreiter auf der Bühne stand: Percussionist Luca Staffelbach machte aus dem Trio ein Quartett. Sein umfangreiches Repertoire floss nahtlos in den eklektischen Sound der jungen Psych-Rock-Band ein. Ein durchaus gelungenes Experiment, das zum Dauerzustand werden könnte. Aber dazu später mehr.

Dieses Setting funktionierte nicht nur in den drei neuen Stücken, welche die Band während ihrer Residenz erarbeitete, sondern auch in den zu Beginn des Gigs vorgetragenen «alten» Stücken. So zum Beispiel in «Kosmos», diesem Klangsammelsurium und verdichteten Archetypen aus dem Song-Pool von Yet No Yokai.

Neu mit an Bord: Percussionist Luca Staffelbach.

Neu mit an Bord: Percussionist Luca Staffelbach.

Bild: Sam Aebi (Luzern/Kriens, 4. November 2021)

Bis hin zum tanzbaren Dark Wave

Seidmanns hypnotisierendes Saitenspiel geht in erstaunliche Korrespondenz mit den Percussionskünsten Staffelbachs. Und die zahlreichen Tempi-Wechsel bieten sich für raffinierte Übergänge an. Die Band zeigte sich nicht zuletzt in diesen Sequenzen in Spiellaune. Dabei oszillierte sie ständig zwischen den Genres. Mal war es der gewohnte Psychedelic Rock, der phasenweise an die kanadische Kultband Black Mountain erinnerte. In den härteren Momenten, die den Soundteppich schön treibend und harmonisch voranbrachten, kam diese Basis-Stilrichtung gut zur Geltung. Leider waren solche Episoden an dem Abend etwas rar gesät.

Bassist Simon Pfister und Schlagzeuger Samuel Birrer.

Bassist Simon Pfister und Schlagzeuger Samuel Birrer.

Bild: Sam Aebi (Luzern/Kriens, 4. November 2021)

Das ist mit Bestimmtheit dem intellektuellen Anspruch Seidmanns und seiner Bandkollegen «geschuldet». Die vier können gar nicht anders, als mit Brechungen und neu auch mit exotischen Elementen zu experimentieren. Das liegt in ihrer DNA.

Neues Album in Planung

Spannend ist das allemal. Vor allem dann, wenn sich Crossover-Elemente wie bei Hardcore-Bands der Neunziger mit orientalischen Einflüssen vermengen und das Ganze dann sogar in tanzbare Dark-Wave-Passagen mündet. Letzteres zum Beispiel im neuen, mitreissenden Stück «Haraban». Das alles gibt einen guten Eindruck davon, wohin die Reise dieser aussergewöhnlichen Band künftig hinführen könnte. Gut möglich, dass dabei Staffelbach als vierter Musiker fix mit von der Partie bleibt, wie Frontmann Seidmann nach dem Gig andeutet. Das gilt auch für das angepeilte Erarbeiten eines neuen Albums – wir sind gespannt.

Die nun vierköpfigen Band zeigte sein vielseitiges Können.

Die nun vierköpfigen Band zeigte sein vielseitiges Können.

Bild: Sam Aebi (Luzern/Kriens, 4. November 2021)

So klingt Yet No Yokai - hier während einer Live-Session von Radio 3Fach.

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