«YVES SAINT LAURENT»: Der Mann, der die Frauen liebte

Der grosse französische Modeschöpfer Yves Saint Laurent ist 2008 gestorben. Das gleichnamige biografische Drama rückt dessen Beziehung zu seinem Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé in den Mittelpunkt.

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Nachwuchsschauspieler Pierre Niney in der Rolle des französischen Modeschöpfers.PD (Bild: PD)

Nachwuchsschauspieler Pierre Niney in der Rolle des französischen Modeschöpfers.PD (Bild: PD)

1936 in Algerien geboren und aufgewachsen, macht sich der talentierte Modedesigner Yves Saint Laurent (Pierre Niney) in Paris als rechte Hand des Modezaren Christian Dior einen Namen, und übernimmt nach dessen Tod 1957 mit 21 Jahren (!) die Leitung des weltbekannten Modehauses.

Bei einem Diner lernt der schüchterne Shooting-Star der Haute Couture den energischen Geschäftsmann Pierre Bergé (Guillaume Gallienne) kennen, der sich in den nachfolgenden Jahren als loyaler Partner erweisen wird. Mit ihm zusammen gründet Laurent 1961 unter seinem Namen ein eigenes Modelabel und überrascht die stilbewussten Frauen fortan jedes Frühjahr und jeden Herbst mit unvergleichlichen Kleidern.

Lange Krankheitsgeschichte

Bekanntlich ist das Zusammenleben mit einem Genie selten einfach, und das mit Pathos nicht sparende Drama von Jalil Lespert («Des vents contraires») verweist wiederholt auf den widersprüchlichen Charakter des bald sehr reichen Jungen aus Oran, der schon früh viel Verantwortung tragen muss.

Nach einem Nervenzusammenbruch attestieren die Ärzte dem 24-Jährigen eine manisch-depressive Störung, deren Folgen (unter anderem eine lebenslange Drogenabhängigkeit) auch seine Umgebung zu ertragen hat: Der zuvorkommende Saint Laurent kann auch machtbewusst und niederträchtig gegenüber Arbeitskolleginnen und Freunden sein.

Revolutionärer Modedesigner

Die filmische Umsetzung des schwierigen Verhältnisses zwischen dem kreativen Modeschöpfer und seiner Entourage zehrt massgeblich von zwei exzellenten Hauptdarstellern: Guillaume Gallienne («Les garçons et Guillaume, à table!») verkörpert souverän Laurents Partner Pierre Bergé, und der Nachwuchsschauspieler Pierre Niney scheint in der Titelrolle geradezu mit der realen Person zu verschmelzen.

Während das persönliche Auf und Ab in diesem Jetset-Leben zwischen Atelier und Nachtclub ausführlich umkreist wird (passend untermalt von der populären Musik der jeweiligen Dekade), erfährt der unbedarfte Mode-Betrachter wenig über das Erfolgsgeheimnis von Yves Saint Laurent. «Ich weiss, dass ich die Mode vorangebracht und den Frauen ein bisher verbotenes Universum eröffnet habe», sagte der Designer 2002 bei seinem offiziellen Rückzug aus dem Geschäft. Was aber macht dieses Universum aus?

Yves Saint Laurent, dem das New Yorker Metropolitan Museum of Art 1983 als erstem lebenden Modedesigner eine Retrospektive widmete (vielleicht auch als Dank dafür, dass er sich oft von Künstlern wie Matisse oder Mondrian für seine Entwürfe inspirieren liess), wird als revolutionärer Modeschöpfer bezeichnet.

In den 1960er-Jahren galten seine Kleider zum Teil als skandalös, etablierten sich aber – da sie Trends vorwegnahmen – schliesslich als Mode ihrer Zeit. Er befreite – so eine verbreitete Sicht – die Frauenkleidung vor allem von femininen Zwängen und lieferte 1966 mit seinem Hosenanzug (den er «Le Smoking» nannte) ein modisches Symbol für die Emanzipation der Frau.

Revolutionär waren auch seine Geschäftsideen. So bot das Unternehmen Yves Saint Laurent als erstes Haute-Couture-Haus zusätzlich eine preiswertere Konfektionslinie (Prêt-à-porter) an. Und in den 1980er-Jahren gehörte der Designer wiederum zu den Ersten, die (teilweise gegen den Widerstand von Modezeitschriften) schwarze Models (wie Naomi Campbell) engagierten.

Inhaltlich wenig ergiebig

Über diese Aspekte braucht ein biografischer Spielfilm natürlich nicht erschöpfend Auskunft zu geben, doch kommt die Arbeit des Modeschöpfers (und was sie auszeichnete) insgesamt doch zu kurz.

Die Produktion präsentiert sich in ihrer Bilderbogen-Ästhetik zwar als ein prächtig anzuschauendes, inhaltlich jedoch wenig ergiebiges Porträt, das den Mythos Yves Saint Laurent lieber kultiviert, als ihm auf die Spur zu kommen sucht.Peter Mosberger