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Zappas Geist flattert über den Sonnenberg

Das Luzerner Theater zeigt auf dem Gelände des B-Sides-Festival «Zappa On The Hill». Es ist eine Huldigung für Frank Zappa, die irgendwie alles und doch nichts ist. Dafür aber ziemlich gut.
Michael Graber
Faber im Bademantel bei «Zappa On The Hill». (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Faber im Bademantel bei «Zappa On The Hill». (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Nun, was war es eigentlich, fragen wir uns, als das Bähnchen wieder gen Kriens runterrumpelt. War’s ein Konzert? War’s ein Theater? War’s eine Hommage? War’s alles von dem? War’s nichts davon? Die Scheiben des Sonnenbergbähnlis sind beschlagen, es herrscht eine zufriedene Stille. Vielleicht, so denken wir uns, ist auch gar nicht so wichtig, was es denn war, und nehmen einen Biss von der Banane, die zuvor von der Bühne geflogen ist. Warum die von der Bühne geflogen ist? Keine Ahnung. Irgendwie fahren eine ganze Menge Fragen mit uns zurück durch die Nacht.

Klar ist: All diese Unklarheiten haben ihren Ursprung auf dem Sonnenberg. Dort, auf dem Gelände des B-Sides-Festivals, findet noch bis am Samstag (und Sonntagmorgen) das Theater/Konzert/Hommage/Projekt «Zappa On The Hill» des Luzerner Theaters statt. Es gehe darum, den Geist Frank Zappas auf den Hügel zu holen, sagen die Macher. Und es weht viel Zappa über das Areal. Manchmal sind mehrere Frank Zappas gleichzeitig auf der Bühne. Darunter auch solche, die dann sagen, sie seien gar nicht Zappa, sondern eben nur so kostümiert wie er. Zappa ist auch mal eine Puppe. Und manchmal kommt Zappa himself auch ab Band über die Boxen. Zappa, Zappa, Zappa.

Live angeklebter Schnauz

Frank Zappa ist Musiker, Genie, Exzentriker, Komponist, Zyniker, Ikone. Geboren 1940, gestorben viel zu früh an Krebs 1993. Ikonisch ist er geworden als Posterboy, wie er mit heruntergelassenen Hosen auf einer Toilette sitzt. Ihm selber war es stets wichtiger, dass seine Musik im Zentrum seines Wirkens stand. Dass er dafür auch mal die Hosen herunterlassen musste, war ihm mehr Beispiel dafür, was in der Musikwelt alles schiefläuft.

Und ja: Es geht an diesem Abend viel um Musik. Eigentlich sogar immer. Herzstück des Stücks, das ja eben Konzert/Theater/Projekt ist, ist die Faber-Band auf der Bühne. Faber, das ist der Zürcher Julian Pollina, der im gesamten deutschsprachigen Raum Hallen für zwei- bis dreitausend Leute füllt. Seine Band ist sanft erweitert worden und steht unter der Leitung von Tillmann Ostendarp, der trommelt, posaunt und am Ende als Pierre Boulez auch noch zum Dirigat schreitet.

Dazu kommen mit Sarah Alexandra Hudarew noch eine Opernsängerin und mit Aaron Hitz und Ingo Ospelt zwei Schauspieler. Hitz und Ospelt spielen in wechselnden Rollen Episoden, Dialoge und Einwürfe aus Zappas Leben. Es ist alles ein bisschen Theater im Theater. So erleben wir live, wie aus Ospelt Zappa wird. Die Maskenbildnerin klebt ihm den Schnauzer und die Haare an, während Ospelt über die Scheinheiligkeit der Musikindustrie sinniert. Man muss nicht Zappa sein, um wie Zappa zu denken, könnte uns das sagen wollen.

Mal passiert viel, dann passiert wieder wenig

Und auch Faber reagiert auf diesen Dialog. Als Faber. Es geht dabei darum, dass sich das Geschäft Musik für die Musiker nicht lohne. So verdiene er zwar «immer noch mehr als all die Leute am Luzerner Theater», aber halt auch nicht wahnsinnig viel. Alben mache er vor allem noch, um die aktuelle Tour zu promoten. Das Livegeschäft werde immer wichtiger, weil ja niemand, auch all jene im Publikum, keine Musik mehr kaufen. «Plattenspieler habt ihr keine, und CD kauft ihr keine mehr, weil eure Computer kein solches Laufwerk mehr haben», sagt er. Auch darum sei es wichtig, sagt er und wird dann politisch, «dass wir bald ein bedingungsloses Grundeinkommen haben.» Sagt’s und steht im goldglitzernden Bademantel auf der B-Sides-Bühne.

Regisseur Max Merker, Dramaturgin Julia Jordà Stoppelhaar und der musikalische Leiter Tillmann Ostendarp verzichten ansonsten oft auf Erklärendes und Einordnendes. «Zappa On The Hill» ist im steten Fluss. Manchmal passiert furchtbar wenig, manchmal furchtbar viel. Harzig wird es aber zum Glück selten, viele der plätschernden Momente dienen dem Innehalten.

Es ist ein musikalischer Abend. Rund zwei Drittel wird gespielt, gejammt, gesungen. Meist Zappa-Songs, mal auch Faber-Lieder und dazwischen sogar «Ewigi Liebi». Währenddessen läuft Hitz als Zappa durch das Publikum und sinniert darüber, dass viele Menschen wegen Liebesliedern depressiv seien. Weil diese etwas Falsches vorgaukeln würden. Obwohl ja eigentlich niemand genau wisse, was «Ich tanke mich grad a dir uf» sei, was da im Lied besungen werde. Dann töten Band, Opernsängerin und Schauspieler die Kitschpoesiealbum-Romantik, indem sie zur Melodie von «Ewigi Liebi» allerlei Synonyme für Sex singen. Das Publikum darf ins Mikrofon sagen, wie es den Akt nennt. Dabei erfährt man Dinge, die man nicht unbedingt wissen wollte. Aber wenn Faber dann «Dröber rötsche» oder «Kräftig vögle» intoniert, ist dies herrlich absurd.

Schräg, chaotisch und wild

Aufgerundet zwei Stunden dauert das Ganze. Das Publikum sitzt zuerst und am Ende stehen alle. Die Bar hat durchgehend geöffnet. Der Geist Zappas flattert immer mal wieder durch und klopft ein paar Weisheiten in die Köpfe. Vielleicht wird man Zappa am gerechtesten, wenn man ihm gar nicht gerecht wird. Dass Fragen bleiben, ist durchaus gewollt. Es ist eine Hommage, ein Konzert, ein Theater, es ist alles von dem und doch nichts. Es ist schräg, chaotisch und wild. Zappa hätte es gefallen.

Tickets: www.luzernertheater.ch

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