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ZAUBERSEE-FESTIVAL: «Wir träumten von den Opernbühnen»

Die Starsopranistin Marina Rebeka ist erstaunlich vielseitig. Vor ihrem Auftritt in Luzern erklärt sie, wie sie ihren Rollen Tiefe zu verleihen sucht.
Interview Simon Bordier
«Ich möchte nicht auf bestimmte Rollen oder Stilrichtungen festgelegt werden», sagt Marina Rebeka (36) aus Lettland. (Bild: PD/Janis Deinats)

«Ich möchte nicht auf bestimmte Rollen oder Stilrichtungen festgelegt werden», sagt Marina Rebeka (36) aus Lettland. (Bild: PD/Janis Deinats)

Interview Simon Bordier

Ab heute dreht sich beim Luzerner Sinfonieorchester wieder alles um russische Musik. Ein Höhepunkt des fünften Zaubersee-Festivals ist am Samstag das Galakonzert des Luzerner Sinfonieorchesters zum Thema «Verdis Opern im Spiegel von ‹Eugen Onegin›». Weiblicher Star bei dem Opernkonzert unter der Leitung von Marco Armiliato ist die lettische Sopranistin Marina Rebeka (Jahrgang 1980). Sie tritt unter anderem an der New Yorker Metropolitan Opera und der Wiener Staatsoper auf. Doch auch kleinere Häuser lässt sie nicht links liegen.

Marina Rebeka, 2007 haben Sie in Salzburg in einer Rossini-Rolle den internationalen Durchbruch geschafft. Heute werden Sie auch als Interpretin von Mozart, Verdi und Puccini gefeiert. Und nun sind Sie in Lausanne in einer Barockoper aufgetreten. Wechseln Sie schon wieder das Fach?

Marina Rebeka: Ich halte schon länger Ausschau nach spannenden Rollen im Barockrepertoire. Die Suche gestaltet sich aber nicht ganz einfach. Denn der Klassikmarkt ist nicht frei von Schubladisierungen: Wer Belcanto singt, singt nicht Mozart, wer Mozart singt, singt nicht Puccini und so weiter. Doch ich möchte nicht auf bestimmte Rollen oder Stilrichtungen festgelegt werden. Die Einladung aus Lausanne, die Rolle der Ginevra in Händels «Ariodante» zu übernehmen, kam daher sehr gelegen.

Dann fühlen Sie sich also als Barocksängerin wohl?

Rebeka: Das Rollendebüt war eine grosse Herausforderung. So musste ich mich beispielsweise mit der Koloraturtechnik von Händels Musik vertraut machen. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Denn ich habe nicht nur für das Barockrepertoire dazugelernt. Ich bin überzeugt, dass ich die gewonnenen Erfahrungen auch bei Rollen etwa von Mozart oder Verdi einbringen kann. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Stimme ständig verändert. Man muss ein Repertoire wählen, das für die Stimme zum jeweiligen Zeitpunkt das richtige ist.

Am Samstag singen Sie im KKL unter anderem Stücke aus der Tschaikowsky-Oper «Eugen Onegin», darunter die Arie der Tatjana aus der berühmten «Briefszene». In dem Brief gesteht die junge Frau ihre Gefühle gegenüber ihrem geliebten Eugen Onegin, einem Dandy und Wichtigtuer.

Rebeka: Damals, im 19. Jahrhundert, war es unerhört, dass eine Frau so offen über ihre Gefühle spricht beziehungsweise schreibt. Insofern ist Tatjana eine äusserst mutige und ehrliche Figur. Andererseits ist sie naiv, denn es ist nicht anders zu erwarten, als dass der ehrbewusste Onegin sie schmählich abweisen würde. Viel später, als Tatjana mit Prinz Gremin verheiratet ist, kehrt Onegin zurück: Nun erklärt er sich in Tatjana verliebt und wünscht, dass sie ihren Mann verlässt, um mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Doch Tatjana weist Onegin ab, obwohl sie ihn immer noch liebt.

Wie erklären Sie sich das?

Rebeka: Wenn Tatjana im 21. Jahrhundert leben würde, so würde sie sich wohl von ihrem Mann, den sie nicht wirklich liebt, scheiden lassen und Onegin folgen. Doch hinter ihrer Entscheidung stecken die Ehrbegriffe des 19. Jahrhunderts: Tatjana leugnet ihre Gefühle für Onegin nicht. Doch sie will auch gegenüber ihrem Ehemann ehrlich sein – ehrlich in dem Sinne, dass sie ihr Eheversprechen halten will. Man könnte vielleicht sagen, dass der Mut und die Ehrlichkeit der jungen Frau geblieben sind, während die Naivität einem Realitätssinn Platz gemacht hat.

Aus Lettland kommen erstaunlich viele international erfolgreiche Musiker: die Dirigenten Mariss Jansons und An­dris Nelsons, der Geiger Gidon Kremer, die Mezzosopranistin Elina Garanca – und nicht zuletzt Sie. Das kann doch bei einem Land mit 2 Millionen Einwohnern kein Zufall sein?

Rebeka: Die Dichte an internationalen Musikern fällt tatsächlich auf. Meines Erachtens ist diese in erster Linie auf die Ausbildung an den Musikhochschulen zurückzuführen. Ich selbst habe in Riga und Rom studiert. Dabei ist mir aufgefallen, wie umfassend meine Ausbildung in Lettland war. Das fing bei den Repertoirekenntnissen an: In Italien begnügte man sich oft mit lexikalischem Wissen um Komponisten und Werke. In Riga mussten wir uns hingegen mit unzähligen Werken auseinandersetzen – auch mit solchen, die gar nicht direkt mit dem Gesangsstudium zusammenhängen. Dabei wurden anspruchsvolle Analysen und historisches Hintergrundwissen verlangt. Ich meine, dass es neben den rein gesanglichen Qualitäten solche Kenntnisse sind, die einer Bühnenfigur Tiefe verleihen.

Sie haben noch zu Sowjetzeiten mit der Gesangsausbildung angefangen.

Rebeka: Wir träumten damals von den grossen Opernbühnen dieser Welt. Doch wir hatten kaum Möglichkeiten, im Westen Vorstellungen zu besuchen, sondern ausschliesslich Schallplattenaufnahmen etwa von Maria Callas oder Elisabeth Schwarzkopf zu hören. Die Messlatte war entsprechend hoch gesetzt: Wir konnten uns kaum vorstellen, dass vielleicht nicht alles plattenreif war, was die westlichen Sängerinnen Abend für Abend boten.

Bringt auch die grosse Chortradition in den baltischen Ländern klassische Musiker hervor?

Rebeka: Das ist sehr wahrscheinlich. Denn die Chortradition umfasst noch heute weite Teile der Gesellschaft. Ich selbst bin schon als Vierjährige einem Chor beigetreten. So konnte ich früh ein musikalisches Grundgespür entwickeln. Allerdings unterscheidet sich das professionelle Gesangsstudium dann doch sehr von den Erfahrungen in einem Laienchor.

Hinweis

Das Zaubersee-Festival wird heute im Hotel Schweizerhof eröffnet und dauert bis Sonntag. Galakonzert des Luzerner Sinfonieorchesters: Samstag, 7. Mai, 19.30, Konzertsaal KKL Luzern. VV: Tel. 041 226 05 15 www.zaubersee.ch

Verlosung: Für dieses Konzert verlosen wir 3-mal 2 Tickets. Wählen Sie die Nummer 0901 83 30 25 (Fr. 1.50 pro Anruf) oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil.

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