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ZAUBERSEE: Kammermusik trifft grosse Oper

Die Tage russischer Musik bleiben 2016 trotz grosser Oper im KKL ein Entdeckerfestival: mit Jungstars, Wolga-Virtuosen und einer Pianistenlegende.
Russische Solistin in der Opern-Gala mit Musik von Tschaikowsky und Verdi: Die Sopranistin Marina Rebeka singt an grossen Häusern und Festivals zwischen Salzburg, Wien (Bild), Zürich und New York. (Bild: PD/Janis Deinats)

Russische Solistin in der Opern-Gala mit Musik von Tschaikowsky und Verdi: Die Sopranistin Marina Rebeka singt an grossen Häusern und Festivals zwischen Salzburg, Wien (Bild), Zürich und New York. (Bild: PD/Janis Deinats)

Urs Mattenberger

Die Tage russischer Musik Luzern finden 2016 bereits zum fünften Mal statt. Damit habe sich das Kammermusikfestival des Luzerner Sinfonieorchesters definitiv etabliert, sagte dessen Intendant Numa Bischof bei der gestrigen Präsentation des Programms.

Möglich machen es private Sponsoren mit russischem Hintergrund, die die Konzerte im «Schweizerhof» oder in der St. Charles Hall Meggen mitfinanzieren. Möglich macht es aber auch die internationale Ausstrahlung, die das «Zaubersee»-Festival erlangt hat – unter anderem dank russischer Musik, die ansonsten kaum aufgeführt wird. «Veranstalter und Musiker in europäischen Metropolen attestieren uns, dass es Ähnliches in ihren Städten nicht gibt», begründet Bischof den relativ hohen Anteil an auswärtigen Gästen.

Nicht nur grosse Namen: Das gilt vom 4. bis zum 8. Mai 2016 zum einen für die Komponisten. Zwar sind Rachmaninow, Strawinski oder Skrjabin wieder prominent vertreten. Dass sie wichtige Jahre in der Schweiz verbrachten und Rachmaninow in Hertenstein seine Villa Senar baute, lieferte einst die Idee zu einem russischen Festival am Vierwaldstättersee. Das Luzerner Sinfonieorchester steuert zudem eine prominente konzertante Opern-Gala bei: Auszüge aus Tschaikowskys «Eugen Onegin» werden mit Arien von Verdi kombiniert und zeigen den Einfluss der italienischen Oper im Russland des 19. Jahrhunderts.

Bezüge zwischen Ost und West

Aber solche Bezüge zeigt das Programm ansonsten mit Namen auf, die in unseren Konzertprogrammen nur am Rand anzutreffen sind. Ins Umfeld von Rachmaninow gehört etwa Anton Arensky, der nach Russland emigrierte Franzose Georgi Catoire repräsentiert biografisch die Wechselwirkung zwischen Ost und West. Solche Bezüge sind Bischof wichtig: «In Werken von Arensky oder Alexander Borodin hört man Einflüsse von Schubert oder gar Boccherini», war er selber erstaunt.

Keine Fixierung auf Stars wie Gidon Kremer, der etwa am «Zaubersee» zu Gast war – das gilt dieses Jahr auch für die auftretenden Künstler. «Wir stellen eine jüngere Generation von russischen Musikern in den Vordergrund», sagt Bischof. Dass das LSO eine gute Spürnase für künftige Jungstars hat, bewies etwa der «Zaubersee»-Auftritt der Pianistin Olga Scheps, die jetzt erst, kommende Woche am Piano-Festival, ihr Debüt beim Lucerne Festival gibt.

Gerade mit jungen, aufstrebenden Musikern lassen sich inhaltlich verknüpfte Programme in unterschiedlichen personellen Konstellationen machen. So tritt der amerikanisch-russische Geiger Philippe Quint in drei Formationen auf: Einmal spielt er unter anderem mit Musikern aus der Region – dem Cellisten Christian Poltéra und dem LSO-Bratscher Alexander Besa – Werke von Borodin und Arensky. Im Schlusskonzert führt er mit dem Ausnahme-Pianisten Marc-André Hamelin und weiteren Festivalmusikern Werke mit Bezügen zur Schweiz auf. Mit den Wolga-Virtuosen und russischer Volksmusik beschwört er den «Klangraum russischer Märchen».

Kinderkonzert mit Aeschbacher

Neben den Konzerten bezieht das Zaubersee-Festival damit wiederum andere Formen mit ein. In einem Nachtkonzert im «Schweizerhof» rezitiert die russische Schauspielerin Xenija Rappoport – auf Russisch! – Gedichte von Dichtern wie Alexander Puschkin (Akkordeon: Xenia Sidorova). Ein Kinderkonzert bringt Prokofjews «Peter und der Wolf» mit Kurt Aeschbacher als Erzähler. Einen Bogen über Musikergenerationen hinweg schlägt der legendäre russische Pianist und Klavierpädagoge Gary Graffman, aus dessen Schule zuletzt chinesische Stars wie Lang Lang und Yuja Wang hervorgegangen sind. Er gibt einen Meisterkurs und spricht darüber, was von der legendären «russischen Klavierschule» im Zeitalter der Globalisierung geblieben ist.

Durch die Dunkelheit zu Puschkin

Zum Konzept des Kammermusikfestivals gehört, dass man die Künstler in kleinen Sälen erleben kann. Aber verstärken Salons nicht auch den Anstrich, den Ruf des Elitären, der Kammermusik anhaftet? Dem soll, so Bischof, die jeweils individuelle Programmierung entgegenwirken. Das Paradebeispiel dafür ist ein Abend, an dem das Jerusalem-Quartett Dvoráks überschäumendes amerikanisches Streichquartett dem letzten von Schostakowitsch gegenüberstellt. Das Motto «Bright and Dark Night» gilt hier wörtlich. Im ersten Werk wird der «Schweizerhof»-Saal hell erleuchtet, im zweiten dagegen abgedunkelt als stimmungsvoller Auftakt zum literarischen Nachtkonzert mit Puschkin.

Programm: www.zaubersee.ch

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