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Zeit und Geld für coole Bücher: die Plattform «Buch und Literaturost+»

Mit viel Geld und ebenso viel Skepsis ist die neue Plattform «Buch und Literaturost+» gestartet. Die Zwischenbilanz nach zwei Jahren mit drei Projekten macht aber nun Lust auf mehr.
Hansruedi Kugler
Das Plakat zum Projekt von Anna Hilti zur verschwundenen Schlangen-Ragwurz-Orchidee. (Bild: PD)

Das Plakat zum Projekt von Anna Hilti zur verschwundenen Schlangen-Ragwurz-Orchidee. (Bild: PD)

400000 Franken, verteilt auf vier Jahre zwischen 2017 und 2020 – mit dieser stolzen Summe wollen die Kulturbeauftragten der Ostschweizer Kantone Freiraum schaffen für Buchprojekte abseits der gängigen Förderpfade. Gestärkt werden solle «das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteure im Buchwesen und in der Literaturlandschaft der Ostschweiz», hiess es bei der Lancierung. Der Fokus liege auf der «Weiterentwicklung bestehender Werke» und auf der Vermittlung. Das tönte allerdings wie eine Übung in einem Literaturinstitut. Die Skepsis war deshalb berechtigt, abwarten war die Devise. Die kürzliche Präsentation der Zwischenbilanz nach zwei Jahren in Rapperswil im kleinen Kreis der Beteiligten erfüllte das Ziel der Vermittlung zwar noch nicht. Diese soll nach der Präsentation der fertigen Bücher mit Vernissagen und Lesungen erfolgen. Aber die von der Steuergruppe ausgewählten ersten drei Projekte kommen überzeugend daher: Mit professionellen Autoren, Verlegern und Künstlern, die ambitionierte Bücher schaffen. Man stellt fest: Hier verbinden sich genaue Recherche, Tiefsinn und Enthusiasmus. Die Buchprojekte machen Lust auf Lesen.

Freiheit gegen Haftgenossen

Josef Felix Müller.

Josef Felix Müller.

Da wäre etwa der St. Galler Verleger Josef Felix Müller, der sich einen vergriffenen Text des berühmten, vor zwei Jahren verstorbenen Autors und Kunstkritikers John Berger vorgenommen hat: «Haftgenossen» beschreibt den Zustand der Menschheit als Gefängnis, im konkret gesellschaftlichen Sinne. Ausgehend von diesem pessimistischen Text hat er 15 Autorinnen und Künstler eingeladen, Aspekte einer «Geografie der Freiheit» zu beleuchten. Diese werden in einem Sammelband erscheinen. Zusätzlich zeigt Müller im Rahmen einer Ausstellung am 1. März in der Hauptpost St. Gallen Texte und Materialien zum neuen Buch. Als Verleger sei er unheimlich froh für diese Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturschaffenden. Er arbeite auch sonst in Netzwerken, die aber deutlich kleiner sind. «Buch und Literaturost+» ermögliche den finanziellen Freiraum, der im Verlagswesen fehle. «In diesem Projekt kann ich faire Honorare zahlen.»

Ohne Mäzene fast keine Kultur

Die Selbstausbeutung in der Buchbranche ist ein Dauerpro­blem, die Förderung meist auf einzelne Autoren zugeschnitten. Gross angelegte Projekte scheitern deshalb oft an der Finanzierung. Ausser man hat einen Verleger, der gleichzeitig Mäzen ist. Etwa den Kabarettisten und Verleger Patrick Frey, der für seinen unrentablen Kunstbuchverlag sein grosses Erbe einsetzt.

Das Verschwinden von Orchideen als Zeichen der Zeit

Anna Hilti

Anna Hilti

Ein originelles Projekt hat die Liechtensteiner Illustratorin Anna Hilti, die mit Künstlern und Wissenschaftern dem Verschwinden der Spinnen-Ragwurz nachspürt. Sie stützt sich auf ein Buch des Orchideenforschers Wilhelm Ganss aus dem Jahr 1954 und nimmt die landschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Region aus mehreren Perspektiven ins Visier.

Feministisches Weiterschreiben der Literatur

Annette Hug

Annette Hug

Die Zürcher Autorin Annette Hug schliesslich, die mit ihrem Roman «Wilhelm Tell in Manila» 2017 einen eidgenössischen Literaturpreis erhalten hat, schreibt mit einigen Autorinnen den feministischen Text «Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz» aus dem Jahr 1974 in die Gegenwart weiter. Das Buch soll im März erscheinen.

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