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ZEITZEUGEN: Seilbahnen: Drei Ausstellungen widmen sich dem bedrohten Kulturgut

Die Schweiz ist ein Land der Seilbahnen, darunter spektakuläre Neubauten, aber auch viele Oldtimer. Drei Ausstellungen wollen nun das Bewusstsein für dieses bedrohte historische Kulturgut wecken.
Urs Bader
Die komplett neu gebaute Luftseilbahn Kräbel–Rigi Scheidegg ist Ende des vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (23. Dezember 2017))

Die komplett neu gebaute Luftseilbahn Kräbel–Rigi Scheidegg ist Ende des vergangenen Jahres in Betrieb genommen worden. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (23. Dezember 2017))

Urs Bader

«Eine herrliche Talfahrt auf der Schwindel erregenden Bergbahn, die uns eine Wunderwelt gleich einer Reliefkarte zu unsern Füssen ausgebreitet sehen liess, bildete den würdigen Schluss unserer ereignisreichen Rigibesteigung . . .» Eine solche Talfahrt, wie sie der amerikanische Schriftsteller Mark Twain beschreibt – wer hat sie nicht schon erlebt? Grossartig. Ob von einer Sesselbahn, aus einer Gondel oder einer Standseilbahn – der Blick über Felswände, Tal- und Seenlandschaften, über Dörfer und Städte lässt einen immer wieder staunen. Das galt erst recht, als Mark Twain auf die Rigi stieg, war doch die Zahnradbahn von Vitznau auf den Berg erst wenige Jahre zuvor, 1871, eröffnet worden, als erste Bergbahn Europas.

Auch die Technik der Bergbahnen fasziniert uns heute noch genau so wie damals den Schriftsteller, der die Rigi aber zu Fuss erklomm: «Auf unsere Ellbogen gestützt, stierten wir das uns völlig neue Mirakel dieser Bergbahn an. Es erschien unglaublich, dass das Ding schnurgerade aufwärts kriechen konnte auf einer schiefen Ebene, steil wie ein Dach; es geschah aber vor unseren Augen: ein leibhaftiges Wunder.»

«Ein einzigartiges Schweizer Kulturgut»

Einem anderen, ebenso faszinierenden Typ Bergbahnen widmen sich zurzeit zwei – später drei – Ausstellungshäuser: Das Heimatschutzzentrum in Zürich, das Gelbe Haus Flims und schliesslich dann noch das Nidwaldner Museum in Stans zeigen Ausstellungen zum Thema Luftseilbahn: «Luft Seil Bahn Glück» (Kasten). Die kleinen Ausstellungen wollen das Bewusstsein wecken und schärfen für ein Kulturgut, das bisher eher vernachlässigt wurde. «Luftseilbahnen und Pioniergeist gehören zusammen, gestern wie heute», sagt Karin Artho, Leiterin des Heimatschutzzentrums, wo das Thema «Oldtimer und Newcomer» aufgegriffen wurde. «Sie sind ein einzigartiges Schweizer Kulturgut.» Historische Luftseilbahnen hätten als technische Denkmäler grosses touristisches Potenzial. Artho verweist damit in doppelter Perspektive auf den Tourismus: auf das Aufkommen der Seilbahnen im Zuge des sich entwickelnden Tourismus und auf den Wert historischer Bahnen für den Tourismus in Gegenwart und Zukunft.

In einem Begleittext zu dem vom Bund erstellten Inventar kulturhistorisch wertvoller Seilbahnen heisst es: «Die Schweiz ist das Seilbahnland par excellence. Dank der neuen Eisenbahnverbindungen erreichten Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Touristen die Alpen. Die Erschliessung der Berggipfel, ohne Anstrengung für den Besucher, wurde zuerst mit Zahnradbahnen angestrebt. Die Steigung, welche diese überwinden können, ist aus technischen Gründen jedoch begrenzt – was die Entwicklung der modernen Seilbahnen beschleunigte.»

– 1877 entstand eine erste schweizerische Schienenseilbahn zwischen Ouchy am Genfersee und dem Bahnhof von Lausanne.

– Die erste touristische Seilbahn der Welt, die Standseilbahn Giessbach zum gleichnamigen Hotel am Brienzersee, wurde 1879 eröffnet.

– Eine der ersten Luftseilbahnen für den Personentransport überhaupt und die erste in der Schweiz war der sogenannte Wetterhornaufzug in Grindelwald von 1908.

– 1934 wurde in Davos der erste Bügelskilift der Welt eröffnet.

– In Flims ging 1945 die weltweit erste kuppelbare Sesselbahn in Betrieb. Mit dem Abkuppeln des Sessels vom Förderseil in den Stationen war das bequeme Ein- und Aussteigen möglich geworden.

Neue Sicherheitsbestimmungen erschwerten in der Zwischenkriegszeit den Bau von Luftseilbahnen. Bis 1935 wurden nur jene zum Trübsee und auf den Säntis in Betrieb genommen. Nach 1945 dann wurden die Alpen mit neuen Seilbahnenanlagen boomartig für den Massentourismus erschlossen, wie Hans-Peter Bärtschi im «Historischen Lexikon der Schweiz» schreibt. Heute sind in der Schweiz über 800 solche Bahnen in Betrieb. Darunter laut Heimatschutzzentrum viele «schwebende Oldtimer».

«Jedes Jahr verschwinden wertvolle Anlagen»

Karin Artho betrachtet sie als «Zeitzeugen», die als Kulturgut immer noch verkannt seien. Oliver Martin, Leiter Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege des Bundesamtes für Kultur, sagt: «Das Seilbahninventar des Bundes definiert zwar die kulturgeschichtlich wertvollsten Bahnen, dennoch verschwinden jedes Jahr wertvolle Anlagen. Es braucht einen öffentlichen Diskurs zum Thema.» Deshalb unterstützte das Bundesamt die Ausstellungstrilogie auch finanziell. Anders als etwa in Deutschland ist in der Schweiz noch keine Luftseilbahn unter Denkmalschutz.

Bedroht sind die historischen Bahnen aus verschiedenen Gründen: höhere sicherheitstechnische Anforderungen, Forderungen nach höherer Kapazität oder mehr Wirtschaftlichkeit, bauliche Eingriffe. Die alten Bahnen müssen dann oft Neubauten weichen. Doch es gibt auch Beispiele, wie eine Bahn gerettet werden kann. Darunter ist die Palfriesbahn bei Sargans, die 1941 vom Militär für seine Zwecke gebaut wurde, dann abgerissen werden sollte und nun seit 2016 von einer Genossenschaft betrieben wird.

Es entstehen immer wieder auch spektakuläre neue, vom Zeitgeist geprägte Bahnen. Mitte Dezember wurde die Standseilbahn auf den Stoos im Kantons Schwyz eröffnet, die weltweit steilste Bahn dieser Art. Gleichzeitig ging die alte Bahn von 1933 in den Ruhestand.

Zudem wird im Ausland (Göteborg) und im Inland (Zürich) über den Bau von Seilbahnen als Element des städtischen öffentlichen Verkehrs diskutiert. Vorbild ist dabei die bolivianische Metropole La Paz mit ihrer Agglomeration, die mit fünf bisher gebauten Linien über das grösste städtische Seilbahnnetz verfügt.

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