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ZEITZEUGIN: «Die Stars waren unkomplizierte Gäste»

Schon mit sechs war sie mittendrin: Ursula Jones, Tochter des Festival- Begründers Walter Strebi, über Begegnungen mit Stars, als das Festival noch familiär war.
Kurt Beck
Ursula Jones-Strebi. (Bild: Keystone)

Ursula Jones-Strebi. (Bild: Keystone)

Nur wenige lebende Personen in Luzern haben das Lucerne Festival seit seinen Anfängen erlebt, als Arturo Toscanini 1938 mit seinem Festivalorchester auf Tribschen mit einem legendären Konzert den Auftakt zu einem der ­bedeutendsten internationalen Musikfestivals machte. Die Luzerner Familie Strebi gehört zu ihnen.

Walter Strebi (1903–1981) wirkte massgeblich an der Entstehung des Festivals mit. Seine Tochter Ursula erlebte die Anfänge als Kind. Denn während der Festwochen ging es bei Strebis sehr turbulent zu und her. Hier trafen sich Musiker zu Hauskonzerten, assen im Familienkreis, wurden zu Freunden.

Wilhelm Furtwängler spricht 1944 in Luzern während einer Konzertpause mit einer unbekannten Dame. (Bild: Keystone)

Wilhelm Furtwängler spricht 1944 in Luzern während einer Konzertpause mit einer unbekannten Dame. (Bild: Keystone)

Illustre Gäste

Ursula Jones-Strebi hat die Gäste­bücher ihrer Eltern, die schon durch die Anzahl der illustren Gäste beeindrucken. Alles, was Rang und Namen hatte in der Konzertszene, scheint in den Büchern auf. Stardirigenten wie Wilhelm Furtwängler, Yehudi Menuhin, Daniel Barenboim oder Herbert von Karajan, weltbekannte Solisten wie der Pianist Arthur Rubinstein, die Pianistin Clara Haskil, der Geiger Georg Kulenkampff oder der Cellist Mstislaw Rostropowitsch, Komponisten wie Benjamin Britten und Witold Lutoslawski haben sich in die Gästebücher eingetragen.

Eingeladen war jeweils auch «Onkel Hans». «Meine Mutter wollte, dass die Gästebücher auch optisch was hermachten», erklärt Ursula Jones-Strebi. So sind denn unzählige schöne Skizzen in den Büchern, welche die Hauskonzerte und Essen mit flinkem sicherem Strich festgehalten haben. Onkel Hans ist ja nicht irgendein verwandter Hobbyzeichner, sondern der Luzerner Künstler Hans Erni.

Herbert von Karajan versucht sich 1954 in Luzern am Alphorn. (Bild: PD)

Herbert von Karajan versucht sich 1954 in Luzern am Alphorn. (Bild: PD)

Dirigieren im Garten

Auf einer Zeichnung ist Ursula Jones-Strebi zu sehen, wie sie die Gäste bedient. «Ich habe bei diesen Einladungen immer mitgeholfen, erst servierte ich, später habe ich auch gekocht. «Meist gab es ein einfaches Mahl, kein grossartiges Diner», erinnert sie sich. Die Musiker, so berühmt sie auch waren, waren alles andere als formell. Es herrschte immer «eine sehr familiäre, entspannte Atmosphäre. Die Stars waren unkomplizierte Gäste.» So gingen sie bei schönem Wetter mit der Familie Strebi ins Lido, schwammen dort und assen im Restaurant zu Mittag, unbeachtet von den übrigen Badegästen.

Einer der Lidogäste war auch Wilhelm Furtwängler, an den sich Ursula Jones besonders gut erinnert. Furtwängler, der öfters bei Strebis übernachtete, be­eindruckte das Mädchen besonders: «Manchmal sass er da, war aber nicht anwesend, so sehr war er in seine Arbeitsgedanken vertieft. Manchmal bereitete er sich in unserem Garten auf sein Konzert vor, was ziemlich surreal wirkte, weil er das Konzert ohne Musiker und ohne Partitur dirigierte.»

Arthur Rubinstein am Flügel in Luzern im Jahre 1964. (Bild: Archiv Neue LZ)

Arthur Rubinstein am Flügel in Luzern im Jahre 1964. (Bild: Archiv Neue LZ)

«Ein rassiger Mann»

Auch Herbert von Karajan, der erste Popstar unter den Dirigenten, verkehrte im Hause Strebi. «Er war ein schöner, rassiger Mann», sagt Ursula Jones-Strebi, die ihn als Künstler sehr bewunderte, jedoch nicht für ihn schwärmte. «Mir gefielen hochgewachsene Männer besser», sagt sie heute. Dass die Stars auch Spass hatten, beweist ein Bild aus ihrem Fotoalbum, das ihren Vater und Herbert von Karajan im Konzertsaal des alten Kunsthauses zeigt. Die beiden Männer amüsieren sich prächtig beim Alphornwettbewerb, den Walter Strebi 1954 für Karajans Musiker im London Philharmonic Orchestera veranstaltet hatte.

Ursula Jones-Strebi erinnert sich gerne an die Anfangszeiten des Festivals, vor allem weil sie so spontane und persönliche Begegnungen ermöglichten. «Heute werden die Künstler abgeschirmt, nach dem Konzert reden sie nicht mit Konzertbesuchern, sondern müssen ihre Termine bei Sponsorenanlässen wahrnehmen.» Das war früher anders: Sie erinnert sich an Arthur Rubinstein: «Er ist nach seinem Rezital im Restaurant von Tisch zu Tisch gegangen, hat die Leute persönlich begrüsst und mit ihnen über das Konzert gesprochen.» Oder an genussreiche Diners nach Konzerten mit Dirigenten und Musikern in privatem Rahmen in Wohnungen oder Häusern von Luzerner Musikfreunden.

Das Festival hat Ursula Jones-Strebis Leben nachhaltig beeinflusst. Musik spielte in ihrer Familie eine wichtige Rolle. Der Vater spielte Geige, die Tochter Klavier, und am Sonntagmorgen spielten sie zusammen Opernarien – zum Leidwesen der Mutter, die noch gerne ausgeschlafen hätte. Ursula Jones- Strebi, 1932 in Luzern geboren, studierte Sprachen in Genf und Heidelberg und wollte als 22-Jährige für ein Ausland­semester nach London. Doch statt zu studieren, jobbte sie einige Jahre als Orchestersekretärin beim Philharmonic Orchestra und später beim Golds­borough Orchestra, das sie 1960 als English Chamber Orchestra neu gründete und während vieler Jahre administrativ leitete. Sie war auch langjährige Managerin des Philip Jones Brass Ensemble, der Formation ihres Mannes, den sie in London kennen lernte. Statt eines Semesters wie geplant, lebt sie nun schon 59 Jahren in London.

«Festival ist lockerer geworden»

Dank des Festivals hatte sie viele persönliche Kontakte zu Musikern, was ihr bei ihrer Arbeit als Orchestermanagerin in London zugutekam. Andererseits konnte sie immer wieder junge Musiker ans Festival bringen. Eine Tradition, die sie bis heute fortführt.

Das Studium hatte sie erst aufgegeben. Doch mit 50 belegte sie in London Archäologie, eigentlich bereits mit 20 ihr Wunschfach, und promovierte mit 60. Inzwischen ist sie pensioniert, doch immer noch im Musikbereich aktiv. «Ich habe mir die Förderung von jungen Londoner Musikern zum Hobby gemacht.» So vermittelt sie alljährlich zum Start der Konzertreihe im Marianischen Saal in Luzern ein ausserordentlich talentiertes englisches Ensemble. Mehre von diesen erfreuen sich inzwischen einer internationalen Karriere. Für ihr fast lebenslanges Engagement für die Musik ist sie mit einem königlichen Orden ausgezeichnet worden. Seit drei Jahren ist sie OBE, Officer of the Order of the British Empire.

Ursula Jones-Strebi ist auch dieses Jahr wieder aus London für das Lucerne Festival angereist. Die vitale, aktive 81-jährige Frau ist dem Festival nach wie vor eng verbunden. Sie fungiert als Stiftungsrat des Festivals und hört sich – oft vom vierten Balkon – die Konzerte im KKL an. «Früher haftete dem Festival etwas Elitäres an, aber seit dem einjährigen Exil im Stahlwerk in Emmenbrücke hat es sich positiv verändert und ist lockerer geworden», freut sie sich.

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