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ZENTRALSCHWEIZ: «Das ist nur in unserer Region möglich»

Präsident Adelbert Bütler zieht eine positive Bilanz des Gästivals – nimmt aber auch Stellung zu Kritik. Und er sagt, warum der Tourismus in unserer Region davon profitiert hat.
Feierten gestern in Vitznau den Abschluss des Gästivals (von links): Präsident Adelbert Bütler und die Projektleiter Beat Heuberger, Christoph Risi und Jost Huwyler. (Bild Corinne Glanzmann)

Feierten gestern in Vitznau den Abschluss des Gästivals (von links): Präsident Adelbert Bütler und die Projektleiter Beat Heuberger, Christoph Risi und Jost Huwyler. (Bild Corinne Glanzmann)

Interview Jérôme Martinu

Adelbert Bütler, das zentrale Motto des Gästivals war die Stärkung der touristischen Gastfreundschaft in unserer Region. Sie sagten unserer Zeitung in der Startphase, dass die Zentralschweiz diesbezüglich nur «Durchschnitt» sei. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wo steht unsere Region nun nach dem Gästival-Sommer?

Adelbert Bütler*: (schmunzelt) Das Bewusstsein für die Gastfreundschaft zu erhöhen, ist natürlich ein langfristiger Prozess. Eine quantitative Bewertung wäre daher wie Kaffeesatzlesen. Aber es gibt drei zentrale Feststellungen. Erstens stellen wir aufgrund von wiederholten Reaktionen fest, dass das Thema die Aufmerksamkeit von touristischen Akteuren und der Bevölkerung erlangt hat. Es braucht ja oft gar nicht viel, ein nettes Lächeln kann schon reichen.

Ihre zweite Feststellung?

Bütler: Die Kantone arbeiten nun besser zusammen im Tourismus, der Austausch ist lanciert worden und funktioniert einwandfrei. Hier haben wir das Ziel ebenso zu 100 Prozent erreicht wie im dritten Punkt: Es sind Projekte lanciert worden wie der Waldstätterweg oder das ÖV-­Angebot Tell-Pass Plus, die nachhaltig sind und fortdauern.

Rund 67 000 Besucher haben die Seerose-Bühne an den Standorten Luzern, Stansstad, Brunnen, Alpnachstad, Flüelen und Vitznau zwischen Mai und gestern besucht. Sind Sie mit diesem Aufmarsch zufrieden?

Bütler: Auf jeden Fall! Der Aufmarsch liegt weit über Erwarten. Wir gingen von rund 45 000 verkauften Tickets aus. Natürlich hatten wir im Sommer auch extremes Wetterglück. Die Publikumsresonanz zeigt: Für ein Pilotprojekt dieser Grösse haben wir, glaube ich, einiges richtig gemacht.

Bei einem Gästival-Gesamtbudget von 8,2 Millionen Franken sollten mit Seerose-Eintritten 600 000 Franken an Einnahmen erwirtschaftet werden. Ziel erreicht?

Bütler: Nein. Und das ist eigentlich erstaunlich bei 50 Prozent über Budget liegenden Besucherzahlen. Grund dafür ist, dass die Publikumszusammensetzung ganz anders als erwartet war: Wir hatten sehr viel mehr Schulklassen und Jugendliche zu Besuch. Und wir stellten nach den ersten Tagen um und integrierten in den Tageseintrittspreis auch ein Gratisgetränk.

Was bedeutet dieses Defizit für die Gesamtrechnung?

Bütler: Unser 8,2-Millionen-Budget wird wohl eine Punktlandung, also eine schwarze Null, hinlegen.

Die schwimmende Seerose aus Stahl, rund 500 Tonnen schwer, ist eine originelle, spektakuläre, aber auch teure Konstruktion. Stimmt das Verhältnis zwischen dem gewaltigen logistischen Aufwand und dem Ertrag durch das Publikum?

Bütler: Wenn es nicht einfach nur ums Geld geht: ja, auf jeden Fall. Es hat sich gelohnt, dass wir 200 Jahre Tourismus mit einem ganz speziellen Projekt gefeiert haben. Wir wollten das ja ganz bewusst, es sollte nicht einfach «nur» Festhüttenromantik sein. Und besonders wertvoll ist die Tatsache, dass es mit der Seerose nun längerfristig weitergeht: mit dem Festival Muth für Jugend, Musik und Theater in Vitznau bis am 4. Oktober. Sicher bis 2018 ist das jährlich geplant.

Die Seerose kehrt nach dem Überwintern nach Vitznau zurück.

Bütler: Richtig. Und es liegen Anfragen von Kantonen vor, dass diese auch in den kommenden Jahren punktuell genutzt werden kann.

Auf der schwimmenden Bühne gabs Volksmusik, historisch-touristische Produktionen, Comedy, Klassik, Rock, Pop, Jazz – eine Programmierung, die fast schon die Quadratur des Kreises erreichen will: Ist die Mischung künstlerisch aufgegangen?

Bütler: Der Grundgedanke ging auf. Aber es gab auch Dinge, die nicht funktionierten. So hatten wir etwa von den Volksmusikanlässen mehr erwartet, eventuell war die Seerose nicht die richtige Bühne dafür. Hingegen hat Comedy, etwa mit dem Luzerner Johnny Burn, sehr gut funktioniert.

Die eigens kreierten Carte-blanche-Produktionen der fünf Kantone wurden aber teils sehr kontrovers diskutiert. Und: Sonntägliche DJ-Veranstaltungen haben offenbar überhaupt nicht funktioniert.

Bütler: Die inhaltlichen Diskussionen zu den Carte-blanche-Werken sind legitim, wie immer bei künstlerischen Inszenierungen. Das will ich nicht noch mal aufrollen. Zu den Sonntagen: Nicht die DJs waren das Problem. Die Sonntagabende waren offenbar generell kein idealer Termin, wahrscheinlich wegen des montäglichen Arbeitsstarts.

Kritik gabs auch wegen der Durchmischung von Eintritt zahlenden Gästen, die gleichzeitig mit geladenen Besuchern von Sponsorenanlässen auf der schwimmenden Bühne waren: Letztere hatten mehr Interesse am gesellschaftlich-kulinarischen Teil auf der Seerose als an den künstlerischen Darbietungen. War dieser Konflikt nicht voraussehbar?

Bütler: Ganz offen: Ich weiss nicht, wie man das gross ändern könnte. Dass Besucher nach der Pause nicht mehr zurückkehren, das gibts etwa auch an einem Lucerne-Festival-Konzert. In der Gesamtsicht war der von Ihnen angesprochene Konflikt aber nicht entscheidend, denn das gabs nur vereinzelt am Standort Luzern. Was die für uns wichtigen Sponsorenveranstaltungen angeht: Viele dieser Events wurden terminiert und verkauft, als das Programm noch gar nicht feststand.

200 Jahre Tourismus in unserer Region wurden nicht nur mit der Seerose gefeiert. Ein weiteres grosses Projekt ist der wieder in Stand gestellte Waldstätterweg. Er führt über 110 Kilometer rund um den Vierwaldstättersee und ist auf sieben Tagesetappen aufgeteilt. Wie gut ist die Resonanz auf dieses Projekt?

Bütler: Wirklich sehr gut. Dass dieser Wanderweg unter massgeblicher Beteiligung der Albert Koechlin Stiftung erstellt werden konnte, hat viele positive Reaktionen hervorgerufen. Die gute Signalisation als offizielle Wanderroute 98 und auch die Begleitmedien wie der Kulturlandschaftsführer «Rund um den Vierwaldstättersee» und die Smartphone-App finden breiten Anklang.

Weiter gibt es die sogenannten Friendly Hosts: Freiwillige, vor allem ältere Frauen und Männer, die mit spezieller Kleidung markiert den Touristen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Gästivals konnte deren Zahl auf 79 erhöht werden. Kann man dieses Angebot auf diesem Niveau weiterziehen?

Bütler: Die freiwilligen Touristenberater werden natürlich weiter im Einsatz stehen. Offen ist, wie das nun an den verschiedenen Orten ausserhalb der Stadt Luzern organisiert wird, da nun die Gästival-­Organisation nicht mehr eine Lead-Funktion ausübt.

Was wird für Sie als Gästival-Präsident besonders haften bleiben?

Bütler: Dass aus einer simplen Idee ein Projekt umgesetzt werden konnte, obwohl es zuerst quasi als nicht machbar bezeichnet wurde. Und dass wir dafür eine ganze Region zum Mitmachen bewegen konnten. Zur Erinnerung: Die Kantone Luzern, Nid-, Obwalden, Schwyz und Uri haben selber 1,5 Millionen Franken zum Gästival beigetragen, und der Bund hat nochmals den gleichen Beitrag gesprochen. Das ist nur in der Zentralschweiz möglich.

Hinweis

* Adelbert Bütler (68) ist Präsident des Gästivals. Von 2001 bis 2003 und von 2007 bis 2014 amtete er als Verwaltungsrat der Luzern Tourismus AG (davon 2009 bis 2014 als Präsident). Der Seetaler Bütler war CEO der Bucherer AG (1995 bis 2009). Seinen beruflichen Werdegang startete er als Kaufmann im Detailhandel; so arbeitete er 30 Jahre für Manor, etwa als Chefeinkäufer und Mitglied der Konzerndirektion.

Infos: www.gästival.ch, www.waldstaetterweg.ch

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