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ZENTRALSCHWEIZ: Überlebenstricks für Festivals: Klotzen oder spezialisieren

Mit dem «Allmend rockt» startet die Festivalsaison bei uns. Ein so grosser Anlass fehlte im Angebot, das in letzter Zeit Abgänge zu beklagen hatte.
Alles beginnt mit Iron Maiden (hier 2008 in Göteborg): Die britischen Hardrocker sind Headliner des ersten «Allmend rockt»-Abends und läuten somit die Zentralschweizer Open-Air-Saison ein. Yeah! (Bild: John McMurtrie/PD)

Alles beginnt mit Iron Maiden (hier 2008 in Göteborg): Die britischen Hardrocker sind Headliner des ersten «Allmend rockt»-Abends und läuten somit die Zentralschweizer Open-Air-Saison ein. Yeah! (Bild: John McMurtrie/PD)

Sie gehört zum Sommer, wie das Gemotze über das Wetter: die Festivalsaison. Kaum zeigt das Ther­mometer durchschnittlich über 18 Grad, finden praktisch jedes Wochenende Open Airs statt. Dieses Jahr mischt ein neuer, gigantischer Player mit: das «Allmend rockt». Zwar gab es dieses Festival schon einmal (2014 mit Gölä in der Swissporarena vor rund 10 000 Zuschauern), aber durch die Partnerschaft mit dem Konzertveranstalter Good News bekommt der Anlass eine komplett neue Dimension: Knapp 70 000 Personen werden an zwei Tagen auf der Luzerner Allmend erwartet – auf dem Zirkusplatz. Das Stadion auf der anderen Strassenseite ist schlicht zu klein, um Bands wie Rammstein und Iron Maiden gerecht zu werden.

Derzeit ausverkauft

Das «Allmend rockt» ist die eine Bewegung, die man derzeit in der Festivallandschaft beobachten kann: das Klotzen. Richtig grosse Namen, für richtig grosse Gagen, die ein richtig grosses Publikum anziehen – für ein stolzes Eintrittsgeld. Der Plan scheint aufzugehen: Derzeit kann man keine Tickets mehr kaufen (möglich, dass noch einmal Kontingente frei werden). Damit ist der Veranstalter schon ziemlich auf der sicheren Seite, und ein finanzielles Debakel ist praktisch ausgeschlossen.

Davon hatte die Zentralschweizer Festivallandschaft genügend. Das Open Air Emmen (es hiess ursprünglich mal Open Air Eschenbach) musste bereits 2002 trotz eines Auftritts der Ärzte die Segel streichen. Das Open Air Ebikon verkraftete es 2006 nicht, dass 1500 Leute zu wenig kamen, um Deep Purple zu sehen. Das Summer Sound Festival in Sursee musste 2013 sogar noch kurzfristig wegen Zahlungsunfähigkeit des Veranstalters abgesagt werden – 2011 war da noch Bob Dylan aufgetreten.

Neben diesen grösseren Festivals hat es aber auch zahlreiche kleinere erwischt: der Soundcheck in Neuenkirch und das Bachrausch in Inwil etwa. Das Lakeside Festival in Hergiswil, das Open Quer in Zell, die Stanser Musiktage und das Funk am See in Luzern hatten auch allesamt schon mit finanziellen Problemen zu kämpfen, dieses Jahr fanden und finden aber alle vier statt. Auch ohne rote Zahlen gingen viele Festivals ein: Oftmals ist es schwierig, neue Leute für die meist ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand zu gewinnen.

Gesundgeschrumpft

Etwas böse könnte man nun sagen, die Zentralschweizer Festivallandschaft habe sich in den letzten Jahren gesundgeschrumpft. Längst nicht mehr in jedem Dorf findet ein Open Air statt. Bei den meisten anderen noch aktiven Festivals kann man neben dem Klotzen die zweite Tendenz in der Festivallandschaft beobachten: die Spezialisierung.

Das B-Sides auf dem Sonnenberg richtet sich explizit an Indie-Fans und wartet mit einem Mix aus unbekannten Bands und Geheimtipps auf – mit Erfolg: Das Festival ist beinahe ausverkauft. Das Funk am See in Luzern und das Rock the Docks in Zug setzen auf Gratiseintritt. Ein Ereignis für alle Sinne, inklusive Filmvorführungen, ist das Waldstock in Steinhausen. Das Volkskulturfestival Obwald spricht seit Jahren World-Music-Freunde an und solche, die es werden wollen. Auch das grosse Blue Balls Festival Lucerne bewegt sich immer mehr weg von den grossen Namen zu einer Plattform für Newcomer.

Grosse Namen bedeuten nämlich vor allem eines: grosses Risiko. Die Konkurrenzsituation unter den Festivals (europaweit) und die sinkenden Plattenverkäufe haben die Gagen konstant ansteigen lassen – selbst grosse Player haben mittlerweile Mühe. Kürzlich gab das Festival Live at Sunset in Zürich bekannt, aus diesem Grund eine Pause einzulegen.

Über die Grenzen

Eine Prognose zu wagen, wie es in den nächsten Jahren in der Festivallandschaft Zentralschweiz ausschauen wird, ist ungefähr gleich schwierig, wie jetzt eine Wetterprognose für den August zu liefern. Generell ist eine leichte Entspannung zu beobachten. Die ganz grossen Gewitterwolken über den Open Airs scheinen sich verzogen zu haben – die meisten Veranstalter haben mittlerweile ihre Linie gefunden oder sind am Feinschliff. Auch sind die Wackelkandidaten so aufgestellt, dass sie auch mal einen kleineren Wettereinbruch überleben würden.

Aber ganz ehrlich: Das leichte Wettern über das Wetter gehört bei vielen Festivalveranstaltern mittlerweile zum guten Ton. Mal ist es zu heiss, mal zu nass. Ganz zufrieden sind Konzertveranstalter eigentlich nie. Da unterscheiden sie sich von uns Normalbürgern also nicht im Geringsten.

Michael Graber

Allmend rockt

Das grösste Zentralschweizer Musikfestival wartet mit grossen Namen auf.
3./4. Juni, Allmend, Luzern;
www.allmend-rockt.ch


B-Sides

Alternative Musik, Indie-Rock, Experimental Rock in wunderbarem Ambiente.
16. bis 18. Juni, Sonnenberg, Kriens; www.b-sides.ch


Obwald

Die Mongolei ist am Volkskulturfest ebenso musikalisch vertreten wie das Muotatal.
30. Juni bis 3. Juli, Giswil; www.obwald.ch

Lakeside

Nationale und internationale Bands stehen auf der Bühne am Ufer des Vierwaldstättersees.
7. bis 9. Juli, Hergiswil NW, am See; www.lakesidefestival.ch

Blue Balls

Blues, Jazz, Soul, Rock/Pop und Singer-Songwriter rund ums Luzerner Seebecken.
22. bis 30. Juli, KKL, Pavillon, Schweizerhof, Luzern; www.blueballs.ch

Waldstock

Das «Open-Air-Spektakel» bietet musikalische Vielfalt, umgeben von Holzbauten am Waldrand.
29. bis 31. Juli, am Waldrand von Steinhausen; www.waldstock.ch

Funk am See

Eine Reise durch die schweizerische Musiklandschaft und drei internationale Acts.
19./20. August, Lidowiese, Luzern; www.funkamsee.ch


Rock the Docks

Zuger Musiker, internationale Headliner und nationale Chartstürmer an idyllischem Fleck.
2. bis 4. September, beim Hafen, Zug; www.rock-the-docks.ch

red

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