Humorist in Ebikon
Piet Klocke gibt sich im Gespräch so wie auf der Bühne – als verzettelter «Gedankenausschweifer»

Der deutsche Kabarettist Piet Klocke ist mit seinem Programm «Gründeljahre einer Königsforelle» zu Gast in der Zentralschweiz. Es ist heuer sein einziger Gig hierzulande.

Interview: Stefan Welzel
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Vereint intelligenten Humor mit groteskem Klamauk: Piet Klocke.

Vereint intelligenten Humor mit groteskem Klamauk: Piet Klocke.

Piet Klocke ist der Meister des sogenannten Anakoluths – des Nicht-zu-Ende-Bringens von Sätzen und Ausschweifens in andere Gedankengänge. Dies stets innerhalb der Bandbreite von Slapstick bis intellektuell anspruchsvoller Satire. Der genuine Musiker und Autor ist seit über zwei Jahrzehnten vor allem als Kabarettist bekannt und erfolgreich.

Oft tritt der inzwischen 64-jährige Norddeutsche als skurriler «Typ verpeilter Professor» auf. Am Freitagabend präsentiert er beim Comedy Festival Ebikon das Programm «Gründeljahre einer Königsforelle». Auch im Kurzinterview mit unserer Zeitung bleibt Klocke seinem Humor mit zuweilen kryptischen, verzettelten und verspielten Antworten treu.

Das Gastspiel in Ebikon ist heuer Ihr einziger Gig in der Schweiz. Warum so selten zu Besuch bei uns?

Piet Klocke: Sie haben recht, die Bühne des Kulturwerks Ebikon bleibt für das viral noch immer unsicher einzuschätzende 2022 ein von mir mit grosser Freude erwarteter Einzelfall. Meine geliebte Schweiz, die ich über viele Jahre beinahe flächendeckend und begeistert mit Auftritten besucht hatte, blieb mir zuletzt coronabedingt verwehrt, eine seit Jahren absente Agentur tat ihr Übriges.

Also hat die Pandemie in vielerlei Hinsicht Spuren bei Ihnen und Ihrer Kunst hinterlassen...

Die Planungen der «Gründeljahre einer Königsforelle» wurden vom weltweit agierenden Virus und dessen Nachfolgegenerationen mit Wucht attackiert, die Vorstellung in Ebikon musste, wenn nicht gar dreimal, verschoben werden. Sehr schnell wich der Titel – mit Handkuss und erheblichem Gewinn an ein der österreichischen Marine nahe stehendes Start-up veräussert – dem Untertitel der aktuellen Buchveröffentlichung «Notiertes Nichtwissen».

Was erwartet das Publikum? Den «typischen» Klocke mit seinen Anakoluths oder geht es auch in Richtung «seriöse» Lesung samt musikalischen Beiträgen?

Nicht nur der Mensch neigt zur Häutung. Als gelernter klassischer Gitarrist, Filmmusiker und Autor sind auch mir Lebensphasen vertraut. Der zufällige Erfolg als Komödiant wurde neugierig, aber entspannt in diese Sammlung integriert. In Ebikon prägen Inhalt und Affekte meines fünften Buches – das zweite schrieb ich komplett bei den Schwestern Monika und Theresita im Tessiner Kloster Ca del Sole – den Abend: ein Potpourri, eine Mixture aus Romantik, Melancholie, Freude, Humor, Liebesgedicht trifft Tech-Giganten-Kritik. Die Musik spielt dazu mit King-Crimson-Bearbeitungen und einem DJ-Set. Ebenso greife ich ganz kurz zur Blues-Mundharmonika.

Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Pfarreiheim Ebikon; Tickets: www.kulturwerk-ebikon.com / www.eventfrog.ch

Klockes Auftritt bei Giacobbo/Müller vor rund sechs Jahren.

Quelle: Youtube

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