KKL Luzern
Luzerner Sinfonieorchester und Kammerorchester Basel: Adventskonzerte der Extraklasse

Mehr als Weihnachtskonzerte: Das Luzerner Sinfonieorchester machte mit Gautier Capucon ein Dvorak-Fest in eigener Sache. René Jacobs dirigierte Bach ohne Kompromisse.

Urs Mattenberger
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Gautier Capuçon im Konzert Anfang 2022 mit dem Luzerner Sinfonieorchester.

Gautier Capuçon im Konzert Anfang 2022 mit dem Luzerner Sinfonieorchester.

Nicht nur Schweizer Firmen amerikanisieren zunehmend die Weihnachtsfeier, indem sie auf Santa Claus statt den Samichlaus setzen (siehe Ausgabe vom Freitag). Auch im KKL sind neben diversen «Christmas»-Veranstaltungen klassische Konzerte inzwischen die Ausnahme. Den Anfang machte am Freitag mit Pauken und Trompeten ein Konzert unter der Leitung von René Jacobs, das Bach Ensemble Luzern gibt sein Weihnachtskonzert zum Schluss am 23. Dezember.

Das Luzerner Sinfonieorchester steuert dazu mit dem Weihnachtssingen zwar ein weiteres Konzert bei. Aber gestern bestätigte es den Trend zur Säkularisierung mit seinem Antonin Dvořák gewidmeten Extrakonzert, das freilich in jeder Hinsicht Extraklasse war.

Sinfonieorchester wächst mit Dvořák über sich hinaus

Das Cellokonzert und die achte Sinfonie wirkten als filmreife Grosssinfonik mit Choralton, Folklore und beseelten Emotionen wie eine Synthese der musikalischen Adventsstimmungen, die das KKL in diesen Tagen bietet. Aber der Abschluss des dreiteiligen «Dvořák-Fest» demonstrierte vor allem, wie sehr das Orchester inzwischen im grossen romantischen Repertoire zu Hause ist. Im Cellokonzert führte die Grossbesetzung zwar zu massigen, auch mal knalligen Klangwirkungen. Aber Chefdirigent Michael Sanderling schuf auch viel Raum für den Solisten Gautier Capuçon, der sich energisch gegen das Orchester behauptete und sich – betörend im Dialog mit der Geige von Lisa Schatzman – innig mit ihm verwob.

Vor ein paar Jahren wäre das als Höhepunkt nicht zu toppen gewesen. Dass zum eigentlichen Ereignis nach der Pause Dvořáks achte Sinfonie wurde, war umso bemerkenswerter, als das Orchester dieses Werk schon wiederholt gespielt hat. Am Sonntag hörte man, wie es an diesem Komponisten und dabei auch über sich selbst hinaus gewachsen ist. Die voluminös singenden Streicher, das machtvoll strahlende Blech und wunderbare Soli der Holzbläser verbanden sich zu einem satt aufgefächerten Klang, der sich aus Pianissimo-Magie zu grandiosen Höhepunkten steigerte. Bis hin zum tumultuösen, aber nie lärmigen Volksfest des Finales war das beste Werbung für die auf diese Besetzung (mit 14 ersten Geigen, acht Celli und sieben Kontrabässen) angestrebte Orchestervergrösserung.

Jubeln ohne Kompromisse mit Bach

Dass selbst Werke von Bach heute in säkularisierter Form aufgeführt werden, stellte am Freitag das Programmheft zum Konzert des Lucerne Chamber Circle klar – mit dem Hinweis, dass Bachs Kantaten ursprünglich im Rahmen mehrstündiger Gottesdienste aufgeführt wurden. Davon abgesehen machte die Aufführung unter Originalklang-Pionier René Jacobs keine Kompromisse. Das Kammerorchester Basel und die Zürcher Sing-Akademie entfalteten schon in der Kantate «Herz und Mund und Tat und Leben» eine aus raschen und kristallklar artikulierten Bewegungsimpulsen entfaltete Klangfülle. Die hochkarätigen Solisten trugen den Schwung der Chorsätze auch in die Besinnlichkeit der Arien hinein. Und wenn in den Jubelsätzen des «Magnificat» Trompeten, Chor und Solisten um die Wette züngelten, summierte sich auch dieses Originalklang-Musizieren zu einer barocken Grossbesetzung auf.

Weitere Weihnachtskonzerte im KKL

  • Weihnachtssingen mit Chören und dem Luzerner Sinfonieorchester: Mi., 21. Dezember, 18.00 (Familienkonzert)/19.30.
  • Weihnachtskonzert des Bach Ensembles Luzern: Fr., 23. Dezember, 18.00 (Bach, Corelli).
  • Nächstes Konzert des Lucerne Chamber Circles: Fr, 30. Dezember, 19.30; TangoSeasons (Jahreszeiten von Vivaldi und Piazzolla)