Kulturstiftung
Der Innerschweizer Kulturpreis 2021 geht an den Schauspieler und Regisseur Walter Sigi Arnold

Die Innerschweizer Kulturstiftung verleiht ihren Kulturpreis 2021 in der Höhe von 25'000 Franken an Walter Sigi Arnold. Damit würdigt der Stiftungsrat einen «aussergewöhnlichen Schauspieler, Sprecher und Regisseur, der zu den markantesten Stimmen der Zentralschweiz gehört».

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Der Urner Schauspieler Walter Sigi Arnold, frischgebackener Träger des Innerschweizer Kulturpreises.

Der Urner Schauspieler Walter Sigi Arnold, frischgebackener Träger des Innerschweizer Kulturpreises.

Bild: Markus Zwyssig, (Altdorf, 1. Oktober 2019)

(are) Schon früh habe sich der Preisträger mit der archaischen Bergwelt seiner Heimat Uri auseinandergesetzt und deren Sagenlandschaft schweizweit bekannt gemacht, schreibt die Stiftung in ihrer Mitteilung.

Walter Sigi Arnold wurde 1959 in Altdorf geboren und wuchs auf dem elterlichen Bauernhof auf. Nach dem Abschluss des Lehrerseminars besuchte er von 1981 bis 1985 die Schauspielschule in Bern. Es folgten verschiedene Engagements an Theatern in Deutschland und in der Schweiz, unter anderem in Pforzheim, Stuttgart, Bad Hersfeld, Bern und Zürich. Von 1990 bis 1999 spielte er regelmässig als Gast am Luzerner Theater.

Eine schweizweit bekannte Stimme

Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet Walter Sigi Arnold als freier Schauspieler und Sprecher in der ganzen Schweiz, realisierte viele eigene Theaterprojekte und war mehrmals in Stücken bei den Freilichtaufführungen auf Tribschen in Luzern zu sehen. Als Regisseur hat er bereits mit zahlreichen Innerschweizer Theatergruppen zusammengearbeitet, unter anderem mit «Momänt&Co» in Altdorf, mit dem Theater Malters oder mit dem Theater Aeternam in Luzern.

Geschichten erzählen, Klassiker vermitteln

Eines der Markenzeichen des Urner Kulturschaffenden sind die mehrteiligen Vorleseprojekte, mit denen er in den vergangenen Jahren mehrere mythenbehaftete Weltklassiker auf die Zentralschweizer und Schweizer Bühnen brachte, darunter die «Odyssee», «Michael Kohlhaas», «Moby Dick» oder zuletzt «Olympischer Frühling» von Carl Spitteler. «Wir werden täglich in immer schnellerem Tempo mit Tausenden von Bildern konfrontiert», führte Walter Sigi Arnold in einem Interview aus. «Bei einer Lesung aber kann jede und jeder seine ganz eigenen Bilder im eigenen Tempo kreieren, welche, so vermute ich, um einiges spektakulärer sind als viele noch so aufwendig produzierte Filmsequenzen.» Die markante Stimme und das Gespür für das gesprochene Wort haben dazu beigetragen, dass Walter Sigi Arnold in den vergangenen dreissig Jahren unzählige Menschen in Lesungen, auf Tonträgern und Hörbüchern sowie in Hörspielen am Radio erreichte.

Faszination für Mythen und Sagen

Walter Sigi Arnold widmete sich schon früh auch den Erzählungen seines eigenen Lebensumfelds. Er erforschte die urchig-archaische Welt der Sagen, enthüllte ihre tiefere, religiös-pädagogische Funktion und machte die konstanten Erzähllinien dieses Volkskulturguts sichtbar. In über 120 Aufführungen brachte er zusammen mit dem Musiker Beat Föllmi die einheimische Sagenwelt im träfen Urner Dialekt einem schweizweiten Publikum näher. «Er hat damit auch die vielseitige Beschäftigung der zeitgenössischen Kulturschaffenden mit dem volkskulturellen Erbe in der Zentralschweiz wesentlich mitgeprägt», führt Regierungsrat Beat Jörg, Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Uri, aus. Wenig erstaunlich, dass sich Walter Sigi Arnold auch mit dem Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell beschäftigte – und dies auf ebenso tiefgründige wie humorvolle Art. Auf vielen Kleintheaterbühnen der Schweiz präsentierte er etwa «FRISCH’S TELL – wie es wirklich war» oder «Ab dr Stangä» – ein Werk, das die Tellsgeschichte und die Mythologisierung aus der Sicht der beiden Hutwächter erzählt.

Sprache steht im Mittelpunkt

Der Stiftungsrat der Innerschweizer Kulturstiftung, bestehend aus den Bildungs- und Kulturdirektoren der Zentralschweizer Kantone, würdigt Walter Sigi Arnold mit dieser Preisvergabe und einem Preisgeld von 25'000 Franken für «sein Gespür für die Feinheiten des Wortes und die Gewalt der Sprache, für sein Streben danach, dies in unterschiedlichsten Formen einem Publikum näherzubringen, und für sein eigenständiges und erfolgreiches Wirken als Sprecher, Schauspieler und Regisseur».

Die Übergabefeier des Innerschweizer Kulturpreises an Walter Sigi Arnold soll am Samstag, 4. September 2021, 11.00 Uhr, im Theater Uri in Altdorf stattfinden.

Preisträger seit 2003

2003: Daniele Marques, Andi Scheitlin, Marc Syfrig, alle Luzern

2004: Josef Maria Odermatt, Stans

2005: Martin Stadler, Uri

2006: Guido Baselgia, Baar/Zug

2007: Werner Oechslin, Einsiedeln/Schwyz

2008: Pirmin Meier, Rickenbach/Luzern

2009: Martin Wallimann, Alpnach

2010: Annette Windlin, Luzern

2011: Dani Häusler und Markus Flückiger, Schwyz

2012: Urs Sibler, Stans

2013: Maria Zgraggen, Bürgeln

2014: Michael Haefliger, Luzern

2015: Graziella Contratto, Schwyz

2016: Judith Albert, Alpnach

2017: Edwin Beeler, Rothenturm

2018: Hans Hassler, Zug

2019: Rochus Lussi, Stans

2020: Fabian Römer, München/Freienbach

2021: Walter Sigi Arnold, Altdorf