Kunst in der Löwengalerie
Der Mensch, das versehrte und schöne Wesen

Seltener Besuch aus Kuba. Der Künstler José Luis Diaz Ramirez ist in Luzern mit Malereien und Skulpturen vor Ort.

Susanne Holz Jetzt kommentieren
Drucken
Hoher Besuch direkt aus Kuba: Der Künstler José Luis Diaz Ramirez (41) stellt in der Löwengalerie Luzern Skulpturen und Malereien aus.

Hoher Besuch direkt aus Kuba: Der Künstler José Luis Diaz Ramirez (41) stellt in der Löwengalerie Luzern Skulpturen und Malereien aus.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 26. Oktober 2022)

Schon lange zeigt Galerist Andi Schnelli kubanische Kunst, doch diese Ausstellung in der Luzerner Löwengalerie ist noch exklusiver: Der kubanische Künstler José Luiz Diaz Ramirez hat ein Visum erhalten und ist vor Ort. Und auch die Kunst von Ramirez ist etwas Besonderes: Der 41-Jährige stellt Skulpturen und Malereien aus, die so originell wie tiefgründig sind und auf den ersten Blick erkennen lassen: Hier beherrscht einer sein Handwerk. Aus jedem von Ramirez` geschaffenen Gesicht blicken Augen, die einmalig scheinen. Galerist Andi Schnelli sagt:

«José Luis Diaz Ramirez verkörpert die junge kubanische Künstlergeneration wie kein Zweiter.»

José Luiz Diaz Ramirez kam im Mai 1981 in Kuba auf die Welt. Er studierte an der Akademie der Schönen Künste in Trinidad und schloss 2003 seine Spezialgebiete «Technik der Bildenden Kunst» sowie «Dreidimensionale Techniken und Holzschnitzen» mit Bravour ab. Schon früh gewann er nationale Preise und stellte in Kuba und Argentinien aus. José Luiz Diaz Ramirez malt bevorzugt mit resistenten Baumaterialien, die sich dick auftragen lassen. Diese «Impasto Technik» verleiht seinen Werken ihre Dreidimensionalität. Auch arbeitet Ramirez Dinge wie Wolle, Karton oder Lichtinstallationen in seine Werke ein.

Wie zwei Brüder, die sich unterhalten. Die spitzen Ohren setzt der Künstler als Symbol für ein gewisses Fremdsein in der Welt ein, unter Umständen auch in der eigenen Heimat.

Wie zwei Brüder, die sich unterhalten. Die spitzen Ohren setzt der Künstler als Symbol für ein gewisses Fremdsein in der Welt ein, unter Umständen auch in der eigenen Heimat.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 26. Oktober 2022)

Am Anfang von Ramirez` Kunst steht die Skizze. In der Ausführung folgt Konstruktionsmaterial, das der Künstler auf Baustellen findet: Farbreste, Gipsreste, Zementreste. Ramirez hielt sich während der Pandemie mit dem Herstellen von Möbeln über Wasser - hierzu entwickelte er einen Lack aus Benzin und Styropor, den er nun auch für seine Kunst benutzt. Und weil an kubanischen Kunsthochschulen Techniken wie Zeichnen und Malen, das Spiel mit Farbe, Licht und Schatten, von der Pike auf erlernt werden, verbinden sich bei diesem Künstler handwerkliches Können und Kreativität zu einem Werk, das den Betrachter spontan zu packen weiss.

Ramirez selbst erzählt, als Kind dem Grossvater oft beim Reparieren von Dingen zugeschaut zu haben: Diese frühkindlichen Erlebnisse hätten seinen Weg genauso geebnet wie die Ausbildung an der Kunsthochschule. In der Löwengalerie hängt ein eindrückliches Porträt, ein Gesicht mit den Ohren von Mickey Mouse, hier mischen sich USA und Kuba, Mickey Mouse und Che Guevara. Hier mischen sich auch metaphorische Aussage und technische Originalität, die zusätzliche Tiefe verleiht: Sind im Bild doch Metall, Erde, Gips, Kohle, Acryl- und Ölfarbe, Lack, Papier, Karton enthalten. Der Grossvater ist ebenso Teil dieses Bilds wie das Land Kuba.

Mickey Mouse und Che Guevara: Kuba und USA (Bild links). José Luis Diaz Ramirez thematisiert die Verbindung der beiden so unterschiedlichen Nationen.

Mickey Mouse und Che Guevara: Kuba und USA (Bild links). José Luis Diaz Ramirez thematisiert die Verbindung der beiden so unterschiedlichen Nationen.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 26. Oktober 2022)

Der Titel der Ausstellung, «Revolution», spielt - wie auch das grossformatige Werk «Papa Noé» - mit der kubanischen Lichtgestalt Che Guevara. Doch wie «Papa Noé» auch die Schattenseiten des Revolutionärs zeigen möchte, ist «Revolution» als Klammer der Ausstellung im Sinne von Metamorphose gemeint, und nicht im politischen Sinne. Andi Schnelli erklärt: So wie jeder von uns ein Universum aus Licht und Schatten in sich trage, müsse sich auch jeder ständig wandeln, um nicht aus der Zeit zu fallen - eine stete Revolutionierung der eigenen Person.

«El duende», der Kobold, so heisst eine Skulptur mit spitzen Ohren. Die Ohren stehen laut Ramirez für ein gewisses Fremdsein, auch in der Heimat, für eine Versehrtheit, für etwas, das fehlt, und wonach man sucht. José Luis Diaz Ramirez erklärt:

«Das menschliche Gesicht speichert Schläge, Missverständnisse, Überwindung. Die Körper behalten alle Wunden, die Farben der Strasse, und spiegeln die gefährlichen Wege, die man gegangen ist.»

Hinweis
Ausstellung «Revolution» mit José Luis Diaz Ramirez in der Löwengalerie Luzern, Löwenplatz 6. Bis 19. November. Geöffnet Do/Fr 14–18.30 Uhr sowie Sa 11–17 Uhr. Künstlernacht mit Live-Vorführung mit José Luis Diaz Ramirez am Mittwoch, 2. November, 18–21 Uhr. www.loewengalerie.ch

0 Kommentare