Lucerne Festival 2022
Lucerne Festival Orchestra: Grandioser Rachmaninow trotz Umbesetzung wegen des Kriegs

Das Lucerne Festival Orchestra zeigte bei seinem zweiten Auftritt am Samstag: Riccardo Chaillys Rachmaninow-Zyklus wird zu einem Gegengewicht zum Abbado-Erbe des Orchesters. Und das wegen Putins Krieg mit einem anderen Solisten so schwelgerisch wie modern.

Urs Mattenberger
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Das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly mit Mao Fujita als Solisten in Rachmaninows zweitem Klavierkonzert.

Das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly mit Mao Fujita als Solisten in Rachmaninows zweitem Klavierkonzert.

Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival Orchestra (13. August 2022)

Putins Krieg hinterliess auch im zweiten Konzert des Lucerne Festival Orchestra am Samstag seine Spuren. Statt des regimetreuen Denis Matsuev hatte Riccardo Chailly kurzfristig den japanischen Pianisten Mao Fujita als Solisten in Rachmaninows zweitem Klavierkonzert engagiert. Und dieser setzte auch künstlerisch andere Akzente.

Denn Fujita verfügt nicht über Matsuevs Rachmaninow-Pranke und deutete den Solopart über alle Virtuosität hinaus erstaunlich licht und filigran aus. Wo sich das Orchester kammermusikalisch mit dem Solisten verwob, fand das Breitwandformat zu ganz persönlichen Nahaufnahmen. Das Publikum erhob sich demonstrativ zur Standing Ovation.

Selbst die Riesenbesetzung klingt wie ein Instrument

Wohl auch deshalb, weil das Orchester dennoch mit machtvollen Klanglandschaften auftrumpfte. Wie im voluminösen Steicherklang die Stimmen plastisch hervortraten und feinnervig ausgesungen wurden – quasi wie von einem einzigen Instrument, stand stellvertretend für die angestammten Qualitäten dieses Klangkörpers.

Die zweite Sinfonie bestätigte diesen Eindruck wie schon im Eröffnungskonzert (Link unten). Da zeigten sich traumwandlerisch die solistischen Qualitäten, die in diesem Orchester versammelt sind. Aber Chailly beleuchtete mit gespenstischen Farben und kantigen Konturen auch die überraschend modernen Züge dieser schwelgerischen Partitur. Eine grandiose Wiedergabe, die zeigt, dass Chaillys Rachmaninow-Zyklus zu einem Gegengewicht zu dem von Abbado geprägten Mahler-Erbe des Orchesters werden dürfte.

Weitere Konzerte des Lucerne Festival Orchestra

  • Dienstag, 16. August, 19.30: Solisten des Lucerne Festival Orchestra, mit Reinhold Friedrich (Trompete), Kit Armstrong (Klavier) u. a.
  • Mittwoch, 17. August, 19.30, Leitung Riccardo Chailly: Mahler (Lieder eines fahrenden Gesellen, Sinfonie Nr. 1).
  • Freitag, 19. August, 19.30, Leitung Jakub Hrusa: Suk, Dvořák (Violinkonzert, Sinfonie aus der neuen Welt).
  • Sonntag, 21. August, 19.30, Leitung: Konzertmeister Raphael Christ: Vivaldi (Mandolinenkonzert), Beethoven (Prometheus, 4. Sinfonie), Bartok.