Lucerne Festival
Intendant Michael Haefliger kündigt Rücktritt nach 26 Jahren an

Michael Haefliger beendet seine Intendanz von Lucerne Festival Ende 2025. Stiftungsratspräsident Markus Hongler über die Kriterien für die Suche nach einem Nachfolger, die jetzt beginnt.

Urs Mattenberger
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Lucerne-Festival-Präsident Markus Hongler und Intendant Michael Haefliger, der seinen Vertrag nicht über 2025 hinaus verlängert.

Lucerne-Festival-Präsident Markus Hongler und Intendant Michael Haefliger, der seinen Vertrag nicht über 2025 hinaus verlängert.

Bild: Manuela Jans-Koch / Lucerne Festival

Michael Haefliger (61) wird seinen bis Ende 2025 laufenden Vertrag als Intendant bei Lucerne Festival nicht verlängern. «Ende 2025 werde ich Lucerne Festival 26 Jahre geleitet haben», begründet er den Entscheid, der ihm nicht leichtgefallen sei: «Das ist eine sehr lange Zeit, in der ich das Privileg hatte, dieses einzigartige Festival zu gestalten. Ich bin sehr stolz und dankbar, was wir in dieser Zeit zusammen mit unseren Partnern sowie der Unterstützung von Stadt und Kanton Luzern erreichen konnten.» Auch wenn es der richtige Zeitpunkt sei, dieses «Juwel in neue Hände zu legen», werde er sich «in den kommenden drei Jahren mit unverändert grosser Leidenschaft und Energie für das Festival einsetzen».

In der Findungskommission sind Wirtschaft und Kunst vereint

Der Stiftungsrat hat für die Lösung der Nachfolge eine Findungskommission eingesetzt. Deren Zusammensetzung aus Mitgliedern des Stiftungsrats und zwei externen Vertretern mit Markus Hongler als Präsident widerspiegelt die Kriterien für die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. Die öffentliche Hand ist vertreten mit Regierungsrat Marcel Schwerzmann, die Sponsorenkreise mit Christian Casal, Christoph Franz und Anne Schwöbel, die Kunst mit Elisabeth Sobotka (Intendantin der Bregenzer Festspiele) und Stefan Dohr (Solohornist der Berliner Philharmoniker). Bis im vierten Quartal 2023 soll über die Nachfolge entschieden werden.

Seit seiner Gründung 1938 verbindet sich beim Festival der künstlerische Anspruch mit wirtschaftlich-touristischen Interessen. An diesem doppelten Anspruch wird sich nichts ändern. So verlangt das Stelleninserat neben «höchster künstlerischer Qualität, Vielfalt und Offenheit» explizit die «Sicherung einer hohen Eigenwirtschaftlichkeit (zurzeit rund 95 Prozent)».

Anforderungen auf einem veränderten Festivalmarkt

«Michael Haefliger hat in den letzten 23 Jahren eine hervorragende Arbeit geleistet», sagt dazu Markus Hongler. Und weiter: «Wir erwarten von der neuen Intendanz nicht, dass sie das Festival konzeptionell neu erfindet. Es geht vielmehr darum, die drei bestehenden, von Michael Haefliger begründeten Pfeiler, den Bereich ‹Symphony› mit dem Lucerne Festival Orchestra, den Bereich ‹Contemporary› mit der Academy und die Talentförderung in der Sparte ‹Music for Future›, weiterzuentwickeln.»

Das schliesst «neue Projekte» nicht aus: «Ein Ziel wird sein, die Einzigartigkeit des Festivals noch zu stärken, weil sich der Festivalmarkt stark verändert hat. Vor 20 Jahren war ein Gastspiel der Berliner Philharmoniker in Luzern ein exklusives Ereignis. Heute sind sie am Festival nach wie vor ein Höhepunkt, aber spielen im Rahmen einer Tournee auch bei anderen Festivals und Veranstaltern. Deshalb braucht es vermehrt Projekte, die man ausschliesslich in Luzern erleben kann. Sie sichern uns die Aufmerksamkeit in internationalen Medien und bringen auch Publikum hierher.»

Erwartet wird von der Nachfolge auch, dass sie die starke Präsenz des Festivals über den Sommer hinaus weiterverfolgt – über digitale Formate und die «Satellitenfestivals»: «Es reicht im Zeitalter der sozialen Medien nicht mehr, ein grosses Festival durchzuführen und dann für den Rest des Jahres abzutauchen.» Solche Kriterien sind für Hongler von höchster Wichtigkeit. Um gezielte Bestrebungen, ein neues Publikum für die Klassik zu gewinnen, macht er sich weniger Sorgen: «Ich bin überzeugt, wenn das Produkt stimmt, findet dieses, über verschiedene Altersgruppen verstreut, sein Publikum.»

International vernetzte Schweizer Kandidaten

Neben der Kommunikationsfähigkeit gegenüber Künstlern und Sponsoren, die man, so Hongler, auch von Projekten begeistern können muss, die «nicht Mainstream» sind, verlangt die Ausschreibung, dass der oder die Neue in Luzern leben und wohnen wird. Damit rücken zwei potenzielle Kandidaten aus der Schweiz in den Fokus, die gleichermassen international vernetzt und regional und national verankert sind: Christoph Müller, Festivalintendant unter anderem in Gstaad, und Numa Bischof, Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters. Wie wichtig ist die Vertrautheit mit dem Sponsorenplatz Schweiz, die beide mitbringen, für die Wahl?

«Der Pass spielt heute natürlich keine Rolle mehr», sagt Hongler mit Blick darauf, dass bisher alle Lucerne-Festival-Intendanten Schweizer waren. «Das gilt nicht nur im künstlerischen Bereich. Auch der Kontakt mit Sponsoren funktioniert überall gleich.» Entscheidend werde sein, ob sich die neue Person für die Art internationaler «Leistungsschau» interessiere, die Lucerne Festival als eines der führenden Klassikfestivals sei: «Die Verbindung von Internationalität mit regionaler Verankerung mit Wohnsitz in Luzern sollte kein Problem sein», so Hongler, «weil Luzern ja eine schöne Stadt ist.»