Klassik
Wie zwei unterschiedliche Chöre die Luzerner Konzertlandschaft bereichern

Ein halbes Jahrhundert Chorgeschichte: Der Konzertchor Luzern und das Collegium Vocale zu Franziskanern verkörpern ­ zwei verschiedene Ausprägungen.

Urs Mattenberger
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Von der Coronakrise waren Chöre in besonderem Mass betroffen, weil sie als Virenschleudern galten. Aber jetzt ­melden sie sich der Reihe nach unbeschadet wieder zurück. Dirigentin ­Moana N. Labbate hatte im Gespräch zur Luzerner Chornacht im September gar bemerkt, die coronabedingten ­Abgänge hätten bei einzelnen Chören zu einer Verjüngung geführt, weil die Abgänge durch neue Mitglieder kompensiert werden konnten.

Ältester und grösster ­ Luzerner Laienchor

Wie sieht das beim ältesten und grössten Laienchor in Luzern aus? Der vor 50 Jahren von Peter Sigrist gegründete Konzertchor Luzern wird im Jubiläumskonzert erst zum zweiten Mal von Peter Klahm geleitet und hat damit eine weitere Zäsur erfolgreich gemeistert. «Bei uns sind auch während Corona nicht viele abgesprungen», sagt Präsident Markus Wehrli.

«Abgänge und Neuzugänge halten sich in etwa die Waage, der Nachwuchs zeigte sich aber ausserordentlich interessiert.»

Doch Wehrli relativiert die Verjüngung auch: «Engagements in einem klassisch ausgerichteten Chor wie dem unseren sind auch wegen der Familien- und Karriereplanung vor allem für Leute ab 40 Jahren attraktiv.»

Damit kann der Konzertchor allerdings auch im Jubiläumskonzert mit 100 Sängerinnen und Sängern aufwarten. Wehrli schätzt an dieser Grösse, dass man damit nicht nur auftrumpfen, sondern diese differenziert einsetzen kann. Zum Beispiel mit einer Piano­magie, die von ganz anderer Qualität ist als bei kleinen Besetzungen.

All das wird im Jubiläumskonzert gefordert, in Brahms’ «Schicksalslied» und in Donizettis Requiem: «Bei letzterem Werk spürt man, dass ein Opernkomponist alle Register zieht», lacht Wehrli. «Das zu singen, macht unglaublich Spass.» Auch wenn erfahrungs­gemäss die meisten Konzertbesucher jeweils kommen, um den Chor zu hören, tragen auch die übrigen Mitwirkenden zum grossen Effekt bei. So wirken in Donizettis Requiem fünf Solisten mit, für die glanzvolle Begleitung sorgt das Symphonische Orchester Zürich.

Collegium Vocale singt von Heimatlosigkeit und Fremde

Repräsentiert der Konzertchor das Urmodell eines grossen Konzertlaienchors, steht das Collegium Vocale zu Franziskanern für die jüngere Entwicklung hin zu professionalisierten, kleineren Ensembles. Das ermöglicht eine Stil- und Repertoirevielfalt, mit der sich thematische Programme gestalten lassen. Mit solchen hat sich der von Ulrike Grosch gegründete, vorwiegend aus Musikstudenten zusammengesetzte Qualitätschor seit 2005 einen Namen gemacht.

Das zeigt ebenfalls ganz aktuell das Herbstkonzert unter dem Titel «Neues Uferland».

Es handelt von den Hoffnungen und Träumen von Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, deren Gewissheiten zerbrochen sind. Von Menschen auch, die sich in ihrer Welt nicht daheim fühlen oder sich selbst fremd geworden sind.

Auf dem Programm steht geistliche wie weltliche Musik, in der solche Erfahrungen der Heimatlosigkeit ihren Niederschlag gefunden haben – von Komponisten der Renaissance wie Palestrina und Victoria, aber auch von Romantikern wie Robert Schumann bis hin zu Gustav Mahler.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden Chorwerke der drei jüdischen Komponisten Tzvi Avni, Victor Ullmann und Arnold Schönberg, die sich unterschiedlich auf jüdische Volkslieder beziehen. Schon in der Kostprobe an der Chornacht hatte man gehört, dass die hebräischen Gesänge von Ullmann mit ihrer Melancholie und ihrem rhythmischen Schwung nicht nur klassische Chorfans ansprechen dürften. Freddie James, Hauptorganist an der Luzerner Franziskanerkirche, ergänzt das Programm mit der 1. Orgelsonate von Paul Hindemith. Sie entstand 1937 in den USA, wo der Komponist neues Uferland fand.

Collegium Vocale: Samstag, 22. Oktober, 19.30, Franziskanerkirche, Luzern; www.collegiumvocale.ch.

Konzertchor Luzern: Sonntag, 23. Oktober, 11.00, Konzertsaal, KKL, Luzern; www.konzertchor-luzern.ch.