Zentralschweizer Filme aus der Region, für die Region: Am 1. April startet ein neues Gratis-Angebot

Zentralschweizer Filmschaffende stellen ihre Werke auf filmstream.ch zur Verfügung. Und das gratis und sehr unkompliziert.

Regina Grüter
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In der Nähe der Valsainte: Rinderhirt Alfons Bachmann in «Die weisse Arche» von Edwin Beeler.

In der Nähe der Valsainte: Rinderhirt Alfons Bachmann in «Die weisse Arche» von Edwin Beeler.

Bild: Calypso Film

«Wir möchten unseren Beitrag leisten und mit den Menschen, die zurzeit in ihren vier Wänden bleiben müssen, unsere Geschichten aus der Region und aus der weiten Welt teilen.» Dieser Gedanke, formuliert von Sara Stäuble, steht hinter einer Aktion von «Film Zentralschweiz».

Stäuble ist Co-Präsidentin des Vereins, der sich für eine stärkere Wahrnehmung des Zentralschweizer Filmschaffens durch Wirtschaft, Politik und Kultur einsetzt. «Film Zentralschweiz» hat nun als Reaktion auf die Coronakrise ein einmaliges Projekt lanciert: 30 Zentralschweizer Filmschaffende zeigen ihre Filme auf filmstream.ch, eine in wenigen Tagen aus dem Boden gestampfte Streaming-Seite. Ab dem Tag, an dem die Filme aufgeschaltet werden, stehen sie der Bevölkerung 30 Tage kostenlos zur Verfügung. Heute erfolgt der laute Paukenschlag mit fünf Filmen auf einmal (siehe Box). Danach geht es im Tagesrhythmus weiter, ein neuer Film pro Tag, der vorher nicht angekündigt wird. Ein tägliches Filmüberraschungsei über die Osterfeiertage.

Ab 1. April im ­Gratis-Streaming

«Die Kinder von Babel»: Dokumentarfilm von Lena Mäder (2017, 49’) über das BaBeL-Strings Orchester Luzern, ein Integrationsprojekt, das Kinder aus Migrationsfamilien mit klassischer Musik vertraut macht.
«Tôt ou tard»: Animationsfilm von Jadwiga Kowalska (2008, 5’), in dem Welten und Tageszeiten aufeinandertreffen. Die Einzelgänger Eichhörnchen und Fledermaus beginnen eine gemeinsame Reise.
«All Inclusive»: Dokumentarfilm von Corina Schwingruber Ilić (2018, 10’) über das Massenphänomen Kreuzfahrttourismus; ohne Dialog, mit Musik von Heidi Happy.
«Der kleine Vogel und die Raupe»: Animationsfilm von Lena von Döhren (2017, 5’) über einen kleinen Vogel und eine hungrige Raupe und deren abenteuerliche Reise.
«Das Mädchen vom Änziloch»: Kinodokumentarfilm von Alice Schmid (2016, 87’). Die Romooser Köhlertochter Laura will in diesem Sommer endlich dem Geheimnis um die Jungfrau vom Änziloch auf die Spur kommen. (reg)

Auch Klassiker wie ­ «Der schwarze Tanner»

«Wir wollen damit nicht die Gratismentalität fördern, sondern einen Solidaritätsbeitrag leisten», sagt der Geschäftsführer vom Filmbüro Zentralschweiz, Simon Koenig. Auch sind die Filme zwei Jahre und älter, haben also die Filmauswertungskette schon hinter sich. Die Bereitschaft unter den über 150 Filmschaffenden war dementsprechend gross, zumal auf diese Weise auch dem Vereinsziel, auf die Vielfalt und die Wichtigkeit des regionalen Filmschaffens aufmerksam zu machen, Genüge getan wird.

«Wir wollen einen Solidaritätsbeitrag leisten, nicht die Gratismentalität ­fördern.»

In dieser Hinsicht kommt auch dem 2017 zum ersten Mal vergebenen Innerschweizer Filmpreis der Albert Koechlin Stiftung eine wichtige Rolle zu. Mit «Die weisse Arche» gehörte Edwin Beeler damals zu den Gewinnern – wie die meisten, die hier mitmachen. Der Kinodokumentarfilm handelt vom Sterben und vom Umgang mit dem Tod und findet zwischen Naturmystik und Alltagsnähe unerwarteten Trost. «Die weisse Arche» wurde bewusst auf den 2. April angesetzt, den Tag, an dem Beelers neuer Film «Hexenkinder» über weggesperrte Heimkinder in den Kinos hätte anlaufen sollen. Wegen der Coronapandemie musste der Start auf den 17. September verschoben werden. Für Beeler, Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Verleiher in Personalunion, ist das besonders einschneidend.

«Die weisse Arche», «Die Kinder von Babel», «Das Mädchen vom Änziloch» und «Köhlernächte» stehen für filmstream.ch zum ersten Mal überhaupt online zur Verfügung. Letzteren, Robert Müllers Kinodokumentarfilm über die uralte Entlebucher Handwerkstradition kann man ab dem 4. April sehen; «Ins Holz», den dreizehnminütigen Dok von Thomas Horat und Corina Schwingruber Ilić über die Flösser vom Ägerisee ab dem 5. April. In so kurzer Zeit ein Programm aus preisgekrönten Kurzfilmen – wozu auch «Timber» oder «Rewind Forward» gehören –, erfolgreichen Dokumentarfilmen und Klassikern, wie der zweiminütige «Grüezi» (ab 3. April) des Trickfilmers Jonas Raeber aus dem Jahr 1995 oder Xavier Kollers «Der schwarze Tanner», zusammenzustellen, ist eine grosse Leistung. Und die Nutzung so einfach: Ein Klick auf die Website, ein weiterer auf den Film, den man gucken will, und los geht’s.

Ab heute stehen auf www.filmstream.ch fünf Filme zur freien Verfügung, ab dem 2. April kommt bis zum 26. April jeden Tag ein neuer hinzu. Wir präsentieren jeweils am Samstag eine Übersicht für die kommende Woche. Weitere Infos zum Verein Film Zentralschweiz: www.filmzentralschweiz.ch.