Zentralschweizer Kulturbranche: Viele Weichen wurden 2019 neu gestellt

Orchester-Aufschwung, Theater-Schub, Konflikte beim Lucerne Festival: 2019 brachte Bewegung in die Luzerner Kulturinstitute.

Urs Mattenberger
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Neuer Chefdirigent für das Luzerner Sinfonieorchester: Michael Sanderling.

Neuer Chefdirigent für das Luzerner Sinfonieorchester: Michael Sanderling.

Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 21. November 2019

Der Erfolg des Luzerner Sinfonieorchesters ging auch in diesem Jahr weiter. Dazu gehörte ein neuerlicher Rekord von 65'000 Besuchern. Und mit Michael Sanderling wurde im November ein prominenter neuer Chefdirigent (ab Mitte 2021) gewählt, der das Ziel umsetzen will, das sich das Orchester Ende 2018 gesetzt hatte: Den Aufstieg in die oberste Liga der internationalen Orchester, für den der Mäzen Michael Pieper dem Orchester 15 Millionen Franken gestiftet hatte – die grösste Spende, die ein Schweizer Orchester jemals erhielt.

Neuer Schwung für ein neues Theater

Dass Sanderling diesen Erfolg ins Theater hineintragen will, indem er anbietet, da Opern zu dirigieren, passt zu dessen Zukunftsplänen. Mit der Wahl der künftigen Intendantin Ina Karr wurden im April auch im Theater die Weichen neu gestellt im Hinblick auf ein neues, zur Stadt hin offenes Luzerner Theater. In die Konzeptarbeiten dafür wird sich die deutsche «Mehrspartenaktivistin» stärker einbringen können, weil sie nicht Regie führt.

Und auch wenn die Diskussionen über künftige Inhalte eines neuen Theaters und den Umgang mit dem historischen Gebäude längst nicht abgeschlossen sind: Der Luzerner Mäzen Arthur Waser gab dem Unternehmen Neues Luzerner Theater eine erste Anschubfinanzierung, indem er im Dezember eine Million Franken zur Finanzierung des künftigen Architekturwettbewerbs spendete.

Lucerne Festival in den Schlagzeilen

Von vielen Seiten wird betont, dass im neuen Haus die Oper eine zentrale Rolle spielen soll – unter anderem in der Zusammenarbeit mit Lucerne Festival. Dieses freilich machte 2019 für einmal negative Schlagzeilen. Die im Frühjahr bekanntgegebene Streichung der Nebenfestivals an Ostern und am Piano war bereits ein Alarmsignal, auch wenn das erste Ersatzwochenende (mit Teodor Currentzis im April 2020) alle Erwartungen übertrifft.

Dass parallel zu den Umstrukturierungen ein Machtkampf zwischen Intendant Michael Haefliger und Stiftungspräsident Hubert Achermann einherging, machte unsere Zeitung im Zusammenhang mit den Vorwürfen eines Kadermanns an Haefliger publik. Bei diesen ging es um Kompetenzbeschneidungen, die als angeblicher «Mobbing»-Fall national für Schlagzeilen sorgte.

Mit dem Rücktritt Achermanns und der Wahl von Mark Hongler zum neuen Präsidenten durch den Stiftungsrat, der einstimmig auch dem Intendanten das Vertrauen aussprach, ist ein wichtiges Kapitel in diesem Streit abgeschlossen. Ein nächstes dürfte folgen, wenn Hongler wie angekündigt die «Entwicklungen der letzten Wochen sorgfältig analysieren» wird.

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