Zentralschweizer Kunstschaffende helfen sich gegenseitig – und zwar mit 133 Werken

Zentralschweizer Künstler helfen sich gegenseitig. Was alle im Lockdown mit dem gleichen Wachspapier gestalteten, wird nun versteigert.

Susanne Holz
Drucken
Teilen
133 Werke von über 100 Künstlerinnen und Künstlern der Zentralschweiz können ersteigert werden. Der Erlös ist für Kunstschaffende in Not.

133 Werke von über 100 Künstlerinnen und Künstlern der Zentralschweiz können ersteigert werden. Der Erlös ist für Kunstschaffende in Not.

Bild: PD

Corona ist überall. Dass die Pandemie auch den Kulturbereich massiv treffen würde, war früh klar. Weshalb Visarte Zentralschweiz, der Berufsverband der Bildenden Künstlerinnen und Künstler, Ende März die Solidaritätsaktion «Skizzen aus dem Lockdown» lancierte. 260 Aktivmitglieder erhielten per Post ein gefaltetes rosa Wachspapier im Format 50 x 70 cm, einen sogenannten Fleischwickler, mit der Bitte, diesen speziellen Bildträger allein oder zu mehreren zu gestalten. Und das geschaffene Werk am Ende des Lockdowns zurückzuschicken.

Wie Andreas Weber von Visarte Zentralschweiz, Kunstschaffender und Initiant der Aktion, mitteilt, war die Resonanz der Kunstschaffenden überwältigend: Über 100 Künstlerinnen und Künstler schufen 133 Werke – jedes ein Unikat aus einer ausserordentlichen Zeit. Alle diese Arbeiten können nun online angesehen und es können Gebote auf der Website skizzen.visarte-zentralschweiz.ch abgegeben werden. Eine Auktion unter Leitung von Achim Schroeteler am Samstag in der Kornschütte Luzern macht das Ganze komplett (siehe Hinweis am Ende des Texts). Der Verkaufserlös kommt vollumfänglich der 1995 gegründeten Stiftung zur Unterstützung von bildenden Künstlerinnen und Künstlern der Zentralschweiz zugute.

Wenn plötzlich das Geld für die Miete fehlt

Deren Mitbegründer und langjähriger Präsident, Hans Stricker, freut sich sehr, dass seit Beginn des Lockdowns bereits 25 Kunstschaffende mit insgesamt rund 40000 Franken schnell und unbürokratisch unterstützt werden konnten. Bei allen Gesuchen habe es sich um zeitlich unmittelbare Not gehandelt: Sei es ein zu bezahlender Zahnarztbesuch oder die monatliche Miete, für die das Geld fehlte. Denn eine traurige Tatsache ist: Seit dem Lockdown ist nicht nur der Verkauf von Kunstwerken eingebrochen und es mussten Ausstellungen abgesagt werden, nein, bei vielen Kunstschaffenden fiel zusätzlich auch noch ganz unerwartet das lebensnotwendige Einkommen aus dem «Brotjob» weg. Und im Gegensatz zu Ausgleichskasse und Bund, ist es der Stiftung möglich, schnell und unbürokratisch zu helfen.

«Es handelt sich bei unserer Hilfe um kurzfristige Unterstützung», erklärt Hans Stricker. «Manche Kunstschaffende leben von der Hand in den Mund.» Gerade während des Lockdowns seien oft unvermittelt manch kleine, vertraglich nicht abgesicherte Pensen weggefallen. Im Gastgewerbe etwa oder im kulturellen Bereich. Hier greife die Stiftung direkt und unkompliziert unter die Arme. «Eine Feuerwehrübung für uns», so Hans Stricker. «Wir helfen innert weniger Tage.»

Ein Rosa, wie das der Unterwäsche der Grossmutter

Und weil die Stiftung weiter mit Gesuchen rechnet, macht die im März lancierte Solidaritätsaktion, die nun in eine Auktion mündet, umso mehr Sinn. De facto eine Aktion von Künstlern für Künstler. Andreas Weber erzählt, dass bereits für mehr als die Hälfte der Werke ein Online-Angebot abgegeben wurde. Geboten wird ab 100 Franken.

Ein Blick auf die eingangs erwähnte Website offenbart: Die Werke auf rosa Wachspapier haben viel Charme. Sie sind kreativ, oft bunt, und häufig fröhlich in der Anmutung. Den Kunstschaffenden hat die Aktion unübersehbar Spass gemacht. Grosse Zentralschweizer Namen sind dabei: Anna-Margrit Annen, Otto Lehmann, Johanna Näf, Claude Sandoz, Henri Spaeti, Olga Zimmelova. Es gibt Einzelwerke und Kollaborationen, etwa von Andreas Weber und Monika Rosa Rossi. Das Wachspapier brachte die eine auf die Idee, es für zwei Monate zu vergraben, die anderen dazu, mit seiner Faltung oder Transparenz zu spielen. Otto Lehmann schreibt zu seinem Bild: «Das zur Verfügung gestellte Papier war für mich eine echte Herausforderung. Besonders der Farbton hat es in sich, hat mich an die Unterwäsche meiner Grossmutter erinnert, vergessene Bilder sind vor meinen Augen aufgetaucht. Ein schöner Nebeneffekt der Aktion.»

Hinweis: Gemeinsame Auktion der Visarte Zentralschweiz und der Stiftung zur Unterstützung von bildenden Künstlerinnen und Künstlern der Zentralschweiz am Samstag, 19. 9., Kornschütte Luzern. Verkauf aller Werke aus der Solidaritätsaktion «Skizzen aus dem Lockdown». Besichtigung: 10.30-12.30. Türöffnung Auktion: 13.30 (Maskenpflicht). Versteigerung: 14-17 Uhr. Es kann bereits online geboten werden: skizzen.visarte-zentralschweiz.ch