Romy Schneider, ein zerbrechlicher Weltstar

Am 23. September wäre Romy Schneider 80 Jahre alt geworden. Das St.Galler Kinok zeigt mit einer Filmreihe die Schauspielerin, die mehr als «Sissi» war. Im Zentrum: Filme ihres Lieblingsregisseur Claude Sautet.

Walter Gasperi
Drucken
Teilen
Romy Schneider drehte in den 1970ern viele Filme und stieg zur ­«Grande Dame» auf. (Bild: AP (Arles, 17.7.1971))

Romy Schneider drehte in den 1970ern viele Filme und stieg zur ­«Grande Dame» auf. (Bild: AP (Arles, 17.7.1971))

Die Rolle der österreichischen Kaisern Elisabeth in «Sissi», mit der Romy Schneider Mitte der 1950er-Jahre bekannt wurde, wurde ihr zum Fluch. Immer wieder reduzierte man die 1938 in Wien geborene Schauspielerin auf das «süsse Mädel» und die heile Welt dieser Filme, mit denen das deutsch-österreichische Publikum in eine Traumwelt floh und die Erinnerung an die dunkle NS-Zeit verdrängte.

Der Teenager, dem mit dem Schauspielerehepaar Wolf Albach-Retty und Magda Schneider als Eltern das Talent und die Leidenschaft für diesen Beruf in die Wiege gelegt worden waren, wollte nicht auf diese Rolle festgelegt werden. Sie wollte als Charakterdarstellerin anerkannt werden. Nie verzieh ihr die deutsche Presse, dass sie deswegen Ende der 1950er-Jahre als 20-Jährige nach Frankreich floh.

Aber nicht nur aus beruflichen Gründen wagte Schneider, die nie eine professionelle Schauspielausbildung absolviert hatte, diesen Schritt. Sondern auch aus Liebe zu Alain Delon, ihrem Filmpartner in der Schnitzler-Verfilmung «Christine» (1958). Beruflich ging es für sie seit der Hauptrolle in Luchino Viscontis Theaterinszenierung von «Schade, dass sie eine Dirne ist» steil aufwärts. Sie arbeitete in Hollywood mit Orson Welles oder Otto Preminger. Doch die Trennung von Delon 1963 stürzte sie in eine schwere Krise. Ein Selbstmordversuch folgte. Die Medikamenten- und Alkoholsucht, mit der sie bis zu ihrem Tod zu kämpfen hatte, nahm in dieser Zeit vermutlich ihren Anfang.

Karrierehöhepunkt mit Claude Sautet

Drehte Romy Schneider in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre nur wenige Filme, so sind die 1970er-Jahre durch grosse Produktivität und ihren Aufstieg zur «Grande Dame» gekennzeichnet. Entscheidend dafür war Regisseur Claude Sautet, mit dem Schneider in diesem Jahrzehnt fünfmal zusammenarbeitete. Zwar erzählt Sautet in seinen feinfühligen und unaufgeregten Melodramen meist aus der Perspektive von Männern über Widersprüche und Krisen der bürgerlichen Existenz. Dennoch gelang es Schneider, den Frauen in diesen Filmen grosses Profil zu verleihen. Sie, die 1981 im berühmten «Stern»-Interview über sich sagte «Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heisse Romy Schneider», konnte sich mit diesen Charakteren identifizieren, die zwischen zwei Männern zerrissen sind, unsicher am verheirateten Geliebten hängen und sich immer verzweifelt und oft erfolglos nach Glück sehnen.

Sautet schrieb für Schneider aber auf ihren ausdrücklichen Wunsch mit «Une histoire ­simple» (1978) – ihrem letzten gemeinsamen Film – auch eine Frauengeschichte. Für ihre Verkörperung der etwa 40-jährigen Marie, die sich von ihrem Lebenspartner trennt und wieder Kontakt mit ihrem Ex-Mann aufnimmt, erhielt sie 1979 ihren zweiten César.

Unglückliche Frau

Begleitet wurde der künstlerische Ruhm aber immer von privaten Krisen. Ihre Ehe mit dem 14 Jahre älteren Regisseur und Schauspieler Harry Meyen zerbrach ebenso wie die mit ihrem elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini. Den grössten Schicksalsschlag erlitt sie aber 1981 mit dem Unfalltod ihres 14-jährigen Sohns David. Wirklich verkraftet hat sie diesen Verlust wohl nie. Sie starb am 29. Mai 1982 im Alter von 44 Jahren laut Totenschein an Herzversagen oder auch «an gebrochenem Herzen».