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ZERMATT: Liebe auf höchstgelegener Bühne Europas

«Romeo und Julia am Gornergrat» ist eine gelungene Adaptation von Kellers «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Ausgerechnet die Berge verhelfen zum Happy End.
Jakob und Maria küssen sich mit dem Matterhorn im Hintergrund. (Bild: Keystone (6. Juli 2017))

Jakob und Maria küssen sich mit dem Matterhorn im Hintergrund. (Bild: Keystone (6. Juli 2017))

Matterhorn statt Balkon, Zermatt statt Seldwyla, Jakob und Maria statt Romeo und Julia und ein Ausweg statt einer ausweglosen Situation: Autorin und Regisseurin Livia Anne Richard hat sich von Shakespeare und Keller inspirieren lassen, doch übernommen hat sie nur den Kern der Geschichte um Liebe und Hass.

Inszeniert hat Richard ihr Stück auf der höchstgelegenen Freilichtbühne Europas, auf dem Riffelberg, fast 2600 Meter über Meer, im Schatten der mächtigen Walliser Berge. Sie bilden aber nicht nur eine eindrückliche Kulisse. Das Matterhorn, der Gornergletscher und der Theodulpass sind Teil des Stückes.

Aus Freundschaft wird abgrundtiefer Hass

Daneben braucht es nicht viel. Eine Holzbühne, auf der ein grauer Streifen das Brachland darstellt, und ein paar Steine. Wenn die beiden Familien Zmutt und Brenni aneinandergeraten, schieben sich Wolken vor die untergehende Sonne, wie wenn es der Lichttechniker so bestellt hätte.

Wer glaubt, Berge seien bedrohlich und einengend, und entsprechend seien die Bergler engstirnig, dem widerspricht Richard mit ihrer Liebesgeschichte. In der Welt der Berge gehe einem der Geist auf, sagte sie im Vorfeld der Inszenierung. Tatsächlich finden die beiden Liebenden just in den Bergen einen Übergang und damit einen Ausweg aus der in Shakespeares Stadt und Kellers Dorf ausweglosen Situation.

Ansonsten lehnt sich die Geschichte stark an Keller an. Zwei befreundete Bauern geraten ob eines Streits über ein Stück Land so aneinander, dass aus Freundschaft abgrundtiefer Hass wird. Dieser überträgt sich auf die ganze Familie. Die stolzen Väter, von denen jeder dank des kleinen Stücks Brachland der grösste Bauer von Zermatt werden wollte, ruinieren sich und ihre Familien.

Die sich liebenden Kinder dürfen sich nur noch im Verborgenen sehen. Ihre Liebe erlaubt es den heranwachsenden Jakob und Maria, zu überleben. Zwar sehen sie einen Augenblick lang wie bei Shakespeare und Keller auch nur im Tod eine Chance, für immer zusammenzubleiben. Aber eine Gruppe Heimatloser zeigt ihnen den Ausweg. Jakob und Maria lassen die Berge zurück und wandern über den Theodulpass in Richtung Meer einer zwar ungewissen, aber gemeinsamen Zukunft entgegen.

Walliser Dialekt und Freude am Spiel

Die Inszenierung ist gelungen, und es wurde vom Premierenpublikum am Donnerstag begeistert applaudiert. Die Spannung hält, der Walliser Dialekt und viel Lokalkolorit machen das Spiel authentisch. Romaine Müller und David Taugwalder überzeugen als Maria und Jakob, bei denen die innere Zerrissenheit spürbar wird. Doch auch das übrige Ensemble, grösstenteils aus Laien bestehend, trägt zum Erfolg bei.

Untermalt wird die Aufführung mit stimmiger Musik, die der Schweizer Gitarrist Hank Shizzoe geschrieben hat. Er nennt sie die «Riffelbergsymphonie», und diese ergänzt Stück und Spiel in optimaler Weise.

Bernard Maissen (SDA)

kultur@luzernerzeitung.ch

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