ZOOMZ- FILM- UND MEDIA-FESTIVAL: Das Klassenzimmer im Kino

Luzern hat wieder ein Schulfilm­festival. Es rückt die Neuen Medien stärker ins Zentrum und richtet sich an alle Interessierten.

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Am Zoomz kann man nicht nur Filme sehen, sondern auch in Game-Welten eintauchen oder mit einem Youtube-Blogger über seine Arbeit reden. Bild: «Sister». (Bild: PD)

Am Zoomz kann man nicht nur Filme sehen, sondern auch in Game-Welten eintauchen oder mit einem Youtube-Blogger über seine Arbeit reden. Bild: «Sister». (Bild: PD)

Sie bringen den Film in Randregionen, wo es kein Kino mehr gibt oder das nächste weit weg ist. Claudia Schmid und John Wäfler betreiben das mobile Kino Roadmovie, das am 14. September seine neue Tournee startet.

Vorher sind die beiden aber noch mit einem anderen Projekt am Start: mit Zoomz. Das Film- und Media-Festival für Schulen geht vom 25. bis 27. März im Stattkino Luzern zum ersten Mal über die Bühne. Ziemlich genau fünf Jahre ist es her, seit Lehrpersonen mit «Film On!» die Gelegenheit hatten, das Klassenzimmer für einen halben Tag ins Kino zu zügeln. Das Schulfilmfestival ist seither aus der Zentralschweizer Filmlandschaft verschwunden. Wieso braucht Luzern ein Schulfilmfestival? «Wieso braucht es Kultur?», entgegnet Claudia Schmid. Die Luzernerin hat nach ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin die Fachklasse Video an der Hochschule Luzern – Kunst & Design besucht und arbeitet nun schon mehrere Jahre im Bereich der Filmvermittlung.

Auch ohne Lehrperson

Was bietet das Kino, wo der Unterricht im Klassenzimmer unzureichend ist? Das Kino ermögliche es, auf einfache Weise mit verschiedenen Kulturen in Berührung zu kommen. «Anders sehen», nennt Schmid das. Und der Kinosaal habe die schöne Qualität des gemeinsamen Erlebnisses. Denn Film ist längst nicht mehr nur im Kino präsent. Audiovisuelle Medien werden täglich am Computer oder auf dem Handy konsumiert, auch wenn es nur Youtube-Filmchen oder Musikvideos sind. Diesem Umstand trägt Zoomz Rechnung mit den Veranstaltungen Swiss Games und Video-Blog (siehe Box). Mit der Öffnung des Films als eigenständige Kunstform hin zu Neuen Medien im weiteren Sinn richtet sich das Festival auch an die Jugendlichen selbst. Die Veranstaltungen müssen nicht im Klassenverband, sondern sollen auch ausdrücklich von Einzelpersonen besucht werden.

Diskussion per Skype

Klar ist, dass sich die Festivalneulinge bei der Filmauswahl nicht an marktwirtschaftlichen Kriterien orientierten. Die Co-Organisatorin ist stolz, dass sie am ersten Zoomz mit «Die geheime Mission» (Thema kulturelle Unterschiede) und «Reue!» (Thema Mobbing) zwei Schweizer Filmpremieren präsentieren darf. Beide sind ausverkauft, ebenso wie der tschechische Kinderfilm «Der blaue Tiger»; Platz gibts noch für «Kleiner Vogel, grosses Glück» aus Holland, Restkarten für die animierten Kurzfilme in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Design & Kunst mit Workshop.

Die Hauptdarsteller der ausländischen Produktionen werden im Anschluss an die Visionierung per ­Skype zugeschaltet. Dank Neuer Medien haben sich die Kommunikationsformen erweitert. Unterrichtsmaterial zur Vor- und Nachbesprechung ist auf zoomz.ch zu finden.

Audiovisuelle Medien werden von Kindern und Jugendlichen breit und intensiv genutzt. Würde das nicht eine möglichst frühe Förderung der Medienkompetenz an den Schulen voraussetzen? Oder anders gefragt: Wieso ist Film nicht längst Unterrichtsfach? Man müsse der Realität ins Auge sehen, meint Claudia Schmid. Film sei ein vergleichsweise junges Medium, das in den Augen vieler immer noch mit leichter Zerstreuung gleichgesetzt werde.

Die Filmbildung in der Schweiz ist sehr heterogen. Mit cineducation.ch gibt es einen Verein zur Förderung der Filmbildung, der die vielversprechenden Einzelinitiativen koordiniert – Roadmovie und die Pädagogische Hochschule Luzern wie auch die Zauberlaterne sind Mitglieder des Verbands.

Breit abgestützt

2010 wurde das Schulfilmfestival «Film On!» letztmals durchgeführt. Vor etwa drei Jahren trat Albin Bieri vom kantonalen Kulturportal Schule & Kultur an John Wäfler und Claudia Schmid heran, wieder ein Luzerner Schulfilmfestival auf die Beine zu stellen. Die Roadmovie-Macher nahmen die neue Herausforderung an und machten den Schritt vom Land in die Stadt.

Wird Zoomz über die nächsten Jahre Bestand haben? Das Pilotfestival soll über drei Jahre durchgeführt werden. Vorerst sind sie glücklich, dass es mit der Finanzierung geklappt hat und sich das Festival auf eine breite Zusammenarbeit abstützen kann. Haben sie doch erst vor einem Jahr so richtig losgelegt. Und mit dem Stattkino, das künstlerisch anspruchsvolle Autorenfilme zeigt, haben Claudia Schmid und John Wäfler die geeigneten Räumlichkeiten gefunden.

Regina Grüter/mm

Event-Daten

MI, 25., bis FR, 27. März
Zoomz – Film- und Media-Festival für Schulen, Stattkino, Luzern
www.zoomz.ch

Programmtipps

Swiss Games (MI 15.30–17.30, Verlosung S. 17 im Apero v. 23.03.2015) mit Robin Bornschein, («Tower Offense»), Philomena Schwab, («Elarooh») und Gemma Joon-Yeong Kim («Drei»).


Video-Blog mit Manniac aus Deutschland am Donnerstag (13.00–15.00) mit anschliessendem Workshop (15.30–17.30).


«Sister»(DO 15.30) von Ursula Meier und «Left Foot Right Foot» (FR 15.30) von Germinal Roaux. Die zwei inhaltlich wie formal herausragenden jüngeren Schweizer Filme richten sich an Sekundar-, Berufs- und Kantonsschüler und eignen sich hervorragend zur Diskussion in der Klasse.

reg

«Left Foot Right Foot» (Bild: PD)

«Left Foot Right Foot» (Bild: PD)

Blogger Manniac (Bild: PD)

Blogger Manniac (Bild: PD)

Ausschnitt aus einem «Tower Offence»-Game (Bild: PD)

Ausschnitt aus einem «Tower Offence»-Game (Bild: PD)