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Im Stück von Aeternam tanzt ein Elch mit einem Vulkan und einer Wikingerin

Am Mittwoch hatte die wirre Beziehungskomödie «Perplex» im Kleintheater Premiere. Die Inszenierung der freien Theatergruppe Aeternam erdrückt das Publikum mit zu viel Theater im Theater.
Céline Graf
Konfliktzone Sofa: Das Theater Aeternam bringt Chaos in den Biedermeieralltag. (Bild: Ingo Höhn/PD)

Konfliktzone Sofa: Das Theater Aeternam bringt Chaos in den Biedermeieralltag. (Bild: Ingo Höhn/PD)

Verwirrung stiften. Wenn das dieser Theaterabend zum Ziel hat, was zumindest der Titel «Perplex» verheisst, ist das Ziel erreicht. Das neue Stück der freien Gruppe Aeternam mit notorischem Hang zu Metaebenen feiert den Brechtschen Verfremdungseffekt in Endlosschlaufe. Kombiniert mit einem Humor, der versucht, absurd zu sein.

Nur ein Beispiel – Konzentration bitte: Es tanzen ein Elch, ein Skifahrer mit Nazi-Armbinde, ein isländischer Vulkan (ohne Erklärung nicht erkennbar) und eine Wikingerin (gut erkennbar). Mit der Plastikkeule von Letzterer simuliert der Elchmann beim Flirten scherzhaft sein Geschlechtsteil, wobei die Wikingerfrau eigentlich mit dem Nazi zusammen ist. Beleidigt nähern sich Vulkan und Nazi auf dem Sofa an, als die beiden anderen mit frischen Cocktails hereinplatzen.

«Ich habe es nicht verstanden» am Ausgang

Aus «Cocktails» haben sie nach dem Keulenunglück zum Glück kein Wortspiel gemacht. Jedenfalls, der Elch möchte plötzlich lieber mit dem Nazi schlafen, was Letzterem auch gefällt und ihn vom Durchbrennen nach Lappland träumen lässt. Aber eigentlich sind ja der Mann, der als Nazi verkleidet ist, und die Vulkanfrau ein Paar, genauso wie Wikingerin und Elch.

«Ich habe es nicht verstanden», war am Ausgang zu hören. Andere fanden es offenbar lustig. Oder sie kennen die Leute der Luzerner Theatergruppe, die ihr 25. Jubiläum feiert (siehe Ausgabe vom 12. März) mittlerweile zu gut und lachen aus Prinzip. Dem Publikum was zuzumuten, wäre nicht falsch. Doch hier haben Regisseur Jürg Schneckenburger und das Ensemble mit Franziska Bachmann Pfister, Christoph Fellmann, Marco Sieber und Irene Wespi zu viele Einfälle in zu wenig Struktur geworfen. Diese Selbstgefälligkeit erinnert an Studententheater.

Treffen sich zwei befreundete Paare in einer Wohnung

Dabei hätte der Stückanfang Potenzial. Eine Standardsituation, die dem Publikum vertraut ist von Dramatikerinnen wie Yasmina Reza («Der Gott des Gemetzels») oder dem eigenen Leben, nimmt einen unerwarteten Verlauf. Treffen sich nämlich zwei befreundete Paare in einer Wohnung. Anstatt dass nun jeder in seiner Rolle bleibt und schwelende Konflikte entflammen, nehmen alle vier Darsteller wechselnd andere Rollen ein. So weit, so gut. Kaum aber hat man sich an eine Konstellation gewöhnt, kommt schon die nächste. Wir verlieren gewollt den Faden. Das mag zuerst amüsieren, wird aber mit der Zeit mühsam.

Die Wechsel passieren hastig, selten baut sich eine Szene länger auf. Schade, weil nur dann der bissige Text des deutschen Dramatikers Marius von Meyenburg mit Einsprengseln aus Biologie, Psychologie oder Philosophie genügend seine Zähne zeigt. An die kürzliche Fasnacht anknüpfen lässt sich etwa ein ans Publikum gewandter Kommentar während der Kostümpartyszene. Der Alkohol sei ein Betäubungsmittel für «das überstimulierte Über-Ich», um aus dem «bürgerlichen Ehekorsett» auszubrechen. Wobei sich das auch nicht wie echte Freiheit anfühle.

Loriot hat es schon in den Siebzigern vorgemacht

Im Grunde ist es die alte Biedermeierkomödie. Wenn wir über die Paare und Familien auf der Bühne lachen, die vom Nonsense heimgesucht werden, lachen wir über uns selbst. Das hat Loriot in den Siebzigern schon direkter und witziger vorgemacht, als er ein schiefhängendes Bild richten wollte und stattdessen ein Wartezimmer verwüstete.

Bei Aeternam schaut man 90 Minuten auf eine öde statische Wohnung. So sehr die Spielenden das humoristische Handwerk beherrschen, so anspruchsvoll ihre Leistung sein mag, diese Inszenierung erdrückt das Publikum. Der dankbarste Moment des Abends bleibt darum eine lauthals gesungene Zeile von Pink Floyd. Sie unterbricht das Chaos kurz.

Weitere Vorstellungen im Kleintheater Luzern: Freitag, 15.3., und Samstag, 16.3., 20 Uhr.

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