ZÜRICH: «Onkel Wanja» – Leere, Wodka und Klimawandel

Zum Lachen und Weinen: Das Schauspielhaus Zürich inszeniert das Drama «Onkel Wanja» nach Anton Tschechow.

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Siggi Schwientek in der Titelrolle des «Onkel Wanja». (Bild: Matthias Horn/PD)

Siggi Schwientek in der Titelrolle des «Onkel Wanja». (Bild: Matthias Horn/PD)

Es trieft von den Wänden. Die diffuse, unangenehme Feuchtigkeit, die aus allen Ritzen dringt, bildet den Hintergrund für Anton Tschechows bekanntes Stück «Onkel Wanja» auf der Pfauenbühne in Zürich. Auf dem Bühnenboden breitet sich die Pfütze aus, sodass das zentrale, niedrige Podest wie eine Insel im seichten Wasser schwimmt. Graue, düstere Leere herrscht. Und dazu gibt es viel Wodka, direkt und ausgiebig aus der Flasche getrunken. In dieser drögen Atmosphäre bewegen sich die Menschen wie Lemuren, die sich nur ganz selten zu einem Ausbruch, geschweige denn zu einer Tat aufraffen können.

Textliche Brüche verwirren

Regisseurin Karin Henkel lässt als Erstes Gutsverwalter Wanja auftreten. Mit Flasche und Pistole, die er sich an die Schläfe setzt und resigniert wieder sinken lässt. Was Wanja tatsächlich abgibt, sind zwei Schüsse auf den parasitären Pseudowissenschaftler Alexander Serebrjakow, den angeheirateten Gutsherrn, der das marode Landgut verkaufen will, um sich und seiner jungen zweiten Frau ein weniger ödes Leben zu finanzieren. Doch die Schüsse gehen fehl, wie alles in diesem verpfuschten Leben.

Alle Schauspieler, gekleidet in wunderbar geschmacklose Kostüme, sind grossartig. Und so fragt man sich etwas irritiert, wieso der Abend doch nicht restlos überzeugt. Wurde vielleicht dem Original zu wenig vertraut? Die textlichen Brüche, etwa mit Betrachtungen über Klimawandel, scheinen aus dem Kontext herauszufallen. Gelungener dagegen – und zur traurigen Komödie passend – sind die slapstickartigen Einlagen, die ein leicht hämisches Lachen provozieren.

sfd/mm