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ZÜRICH: «So oft sah ich meinen Vater noch nie»

Heute erhält Hollywoodstar Kiefer Sutherland am Film Festival den Golden Eye Award. Im Interview berichtet er auch, wie es war, mit seinem Vater zu drehen.
Donald Sutherland (80) und Kiefer Sutherland (48) vor wenigen Tagen in Toronto. (Bild: Key)

Donald Sutherland (80) und Kiefer Sutherland (48) vor wenigen Tagen in Toronto. (Bild: Key)

Interview Lory Roebuck

Kiefer Sutherland, allein Ihre markante, bedrohliche Stimme zu hören, ist ein Ereignis. Ich erinnere mich, wie Sie Colin Farrell im Film «Nicht auflegen!» nur übers Telefon das Leben zur Hölle machten. Werde ich jetzt gleich Angst kriegen?

Kiefer Sutherland: (lacht) Keine Sorge. Ich werde sachte sein.

Ihnen wird heute am Zurich Film Festival ein Golden Eye Award verliehen. Er wird prima neben Ihrem Golden Globe ins Regal passen, den Sie als Jack Bauer in der Serie «24» holten.

Sutherland: Der Preis ist eine Ehre. Ich bin ganz aufgeregt, denn ich wollte schon seit Jahren in die Schweiz reisen. Das blieb mir bisher vergönnt.

Sie stellen hier auch Ihren neuen Kinofilm «Forsaken» vor. Sie spielen darin einen Bürgerkriegsveteranen. Waren Ihre Kindheitsträume oft im Wilden Westen angesiedelt, mit Ihnen als Revolverheld?

Sutherland: Als Kind waren Cowboys meine Helden. Ich wollte auf einem Pferd galoppieren und mich mit Hut, Halfter und Pistole verkleiden. TV-Serien wie «The Lone Ranger» und «Bonanza» übten einen grossen Einfluss auf mich aus.

In «Forsaken» stehen Sie zum ersten Mal gemeinsamen mit Ihrem Vater Donald Sutherland vor der Kamera. Er spielt den Vater Ihrer Figur. Ist es schwierig, in seiner Rolle zu bleiben, wenn das Gegenüber so vertraut ist?

Sutherland: Nein. Mein Vater ist seit 50 Jahren im Filmgeschäft, ich seit 30. Wir haben beide eine genaue Vorstellung davon, was wir vom anderen erwarten. Das Schönste beim gemeinsamen Dreh war das Zusammensein abseits der Kamera. Ich bin mit meiner Mutter in Kanada aufgewachsen. Ich sah meinen Vater oft – aber noch nie zuvor 15 Stunden am Tag für neun Wochen am Stück. Das machte mich anfangs nervös. Ich wollte ihn ja nicht enttäuschen. Doch wir haben uns auf dem Set über vieles unterhalten, über unsere Filmszenen, aber auch über anderes. Das war fantastisch.

Griffen Sie beim Ausüben Ihrer Rolle auf Dinge aus Ihrer echten Beziehung zueinander zurück?

Sutherland: Das war unvermeidbar. Ich drehte mich zu seiner Filmfigur um und blickte in die Augen meines Vaters. Das machte meine Arbeit intuitiver. Es gab eine Sache weniger, die ich schauspielen musste.

Im Film will der Sohn mit Hilfe des Vaters seiner dunklen Vergangenheit abschwören. Auch in Ihrer eigenen Vergangenheit gibt es dunkle Kapitel, etwa die Verurteilungen wegen Trunkenheit am Steuer. Welche Rolle spielte Ihr Vater in jenen Momenten?

Sutherland: Beide Eltern waren sehr wichtig. Als ich damals Fehler beging, waren sie die Ersten, die ich um Rat bat. Sie spendeten mir Kraft. Ich rechne ihnen aber auch hoch an, dass sie mich stets meinen eigenen Weg gehen liessen.

Dieser Weg führte Sie zu Ihrer heute berühmtesten Rolle: Jack Bauer. Den knallharten Agenten spielten Sie in der Serie «24» neun Jahre lang. Färbten Bauers Charaktereigenschaften nach so langer Zeit auf Sie ab?

Sutherland: Meine Güte, nein. Ich bin kein Method Actor. Ich finde, als Schauspieler solltest du nicht mit deiner Figur verschmelzen. Meine Art ist es, einen Plan für meine Figur zu entwickeln. Das Drehbuch spricht mich auf eine gewisse Art an, und das versuche ich gegenüber den Zuschauern zu artikulieren. Jack Bauer hat sich im Verlauf der neun Staffeln von «24» stark verändert. Diese Evolution hautnah mitzuerleben, war eine der aufregendsten Zeiten meines Lebens.

Fans von «24» wissen: Jack Bauer überwindet immer seine Angst. Wovor fürchtet sich Kiefer Sutherland?

Sutherland: Die Liste meiner Ängste ist so lange, ich könnte mit ihr den Grand Canyon füllen. Ich sorge mich wegen der Politik, wegen der Wirtschaft, darum, ob es meinen Kindern gut geht. Und ich will nicht von neun Kerlen in einer Gasse umzingelt werden. Ich teile die typischen Ängste und Sorgen eines Durchschnittsmenschen.

«24» startete 2001 und griff die Ängste nach dem 9/11-Terror auf. Ist die Welt seither sicherer geworden?

Sutherland: Die Produktion von «24» begann schon vor dem 11. September 2001. Die Realität holte uns ein. Es war nie unser Ziel, die Ängste der Bevölkerung anzuzapfen. Ich denke, die Welt ist heute nicht sicherer als damals. Zwischen reichen und armen, gebildeten und vernachlässigten Menschen haben sich riesige Gräben aufgetan. Es bringt nichts, die Sicherheit an Flughäfen zu verschärfen oder Mauern an den Grenzen zu errichten. Um die Welt sicherer zu machen, müssen wir uns gegenseitig umeinander kümmern.

Könnten Sie sich eine Rückkehr zu «24» vorstellen?

Sutherland: Ich werde Jack Bauer immer in meinem Herzen tragen. Aber eine weitere Staffel von «24» mache ich nicht mit. Aus meiner Sicht haben wir mit der Figur abgeschlossen.

Viele haben mit «24» das Binge-Watching für sich entdeckt, das sucht­artige Schauen vieler Episoden nacheinander. Gibt es Serien, die Sie süchtig machen?

Sutherland: «Game of Thrones»! Ich begann es zu schauen, weil ich mit Kit Harrington einen der Hauptdarsteller kenne. Dann zog ich mir während jeder freien Minute die DVDs rein.

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