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ZUG: 3111: Picassos Reinkarnation auf Russisch

Mit dem Kunsthaus verbindet den russischen Gegenwartskünstler Pavel Pepperstein ein mehrjähriger Austausch. Nun erweckt er hier erstmals eine Kunstikone zum Leben. 45 Gemälde sind nach einer intensiven Begegnung mit Pablo Picasso entstanden.
Andreas Faessler
Durch die Bilder Pavel Peppersteins lebt Pablo Picasso neu auf. Die Räume des Kunsthauses Zug sind jeweils einer der sechs Farbperioden gewidmet. (Bild: Stefan Kaiser/ZZ,Zug, 23. Februar 2017)

Durch die Bilder Pavel Peppersteins lebt Pablo Picasso neu auf. Die Räume des Kunsthauses Zug sind jeweils einer der sechs Farbperioden gewidmet. (Bild: Stefan Kaiser/ZZ,Zug, 23. Februar 2017)

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Tote soll man ruhen lassen. Aber die Art, wie Pablo Picasso wieder zum Leben erweckt worden ist, gibt keinen Anlass für moralische Bedenken. Der Spanier ist im Kunsthaus Zug präsent – durch neue Werke des russischen Künstlers Pavel Pepperstein (*1966). Dieser war bereits früh getrieben von der Auseinandersetzung mit Künstlern der jüngeren Vergangenheit – sein Vorname ist eine Reverenz an Picasso und Klee.

Jetzt hat Pepperstein diese Auseinandersetzung mit Verblichenen auf eine neue fiktionale Ebene gebracht, indem er mit Picasso in einen intensiven (geistigen) Dialog mit grossem persönlichem Tiefgang getreten ist. In der Figur Peppersteins lebt und arbeitet Picasso wieder: 45 neue, in Moskau entstandene Werke sind aus diesem fiktionalen Künstlerdiskurs hervorgegangen. Auch wenn Pepperstein diese Reinkarnation Picassos auf das Jahr 3111 ansetzt, so ist sie dennoch gegenwärtiger denn je.

Begegnung auf Augenhöhe

Pepperstein hat Picasso in seinem Kopf dazu gebracht, das «neue» Werk wie damals in die sechs Farbperioden einzuteilen – die graue, violette, rote, schwarze, grüne und die weisse mit all ihren Charakteristika. Und doch lässt Pepperstein den Picasso keinen Monolog führen durch die Gemälde, sondern der Russe tritt als individuelle Künstlerperson mit ins Licht und begegnet Picasso in den Bildern grundsätzlich auf Augenhöhe. So haucht Pepperstein Picassos violetter Periode mit Formen des russischen Konstruktivismus einen deutlich depressiveren Charakter ein als der Spanier seinerzeit. In einem grossformatigen Werk der grünen Periode liefern sich die beiden P. P. – dasselbe Monogramm verbindet die beiden zusätzlich – gar eine Art Duell, ein Gegenübertreten.

Pepperstein lässt Picassos unverkennbare Motive in allen Formen neu aufleben, geschmeidig, entfremdet, skurril, bizarr: Harle­kine, mythologische Gestalten, Geschlechtsorgane in allen Varianten, praktizierte Sexualität von sinnlich bis explizit sind sich wiederholende Sujets. Politische Anspielungen sind einmal sofort ablesbar, ein andermal nur subtil vermittelt. In der weissen Pe­riode scheint Pepperstein gar wieder ganz sich selbst – mit grossfor­matigen embryonal-nirvanesken Gesichtern. Auch seine eigene Tendenz zur abstrakten rus­sischen Avantgarde schimmert immer wieder durch.

Die Ausstellung im Kunsthaus Zug ist systematisch aufgebaut – nach Raum und Farbperiode. Ergänzend werden Videosequenzen abgespielt, in denen sich fiktive Wissenschaftler auf Englisch, Deutsch und Russisch über den auferstandenen Picasso und «seine» neue Arbeit äussern. Die Ausstellung wird symbolhaft zu einer Art offener Gesprächsrunde über alle zeitlichen Rahmen hinaus. Pepperstein, der seines Zeichens auch als Schriftsteller auftritt, hat seine Auseinandersetzung mit dem «wiederauferstandenen Genie» Picasso in ausgiebigen Essays festgehalten, durch die der Betrachter detailliert an die Ar­beiten herangeführt wird – sofern er dieses Bedürfnis hat.

Pepperstein und Zug

Pavel Pepperstein gilt als einer der einflussreichsten Gegenwartskünstler Russlands. Seine enge Verbindung zum Kanton Zug und insbesondere zum Kunsthaus geht aufs Jahr 1998 zurück, als das Kunsthaus anfing, sich mit der zeitgenössischen Kunst Russlands auseinanderzusetzen. Fünfmal füllte Pepper­stein die Räume mit seiner eigenwilligen Kunst. Er schuf Wandbilder in der Strafanstalt am Aabach und im Schulhaus Ochsenmatt in Menzingen – seine Spuren in Zug sind sichtbar, auch 15 Jahre nach seiner letzten Ausstellung hier.

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