ZUG: Abheben in eine andere Welt

Einnehmend und charismatisch auch noch nach über 40 Jahren: Angelo Branduardi lebt seine Musik mit Spiritualität und Hingabe.

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Mystisch, charismatisch und wunderbar musikalisch: Angelo Branduardi im Theater Casino Zug am Freitag. (Bild: Werner Schelbert)

Mystisch, charismatisch und wunderbar musikalisch: Angelo Branduardi im Theater Casino Zug am Freitag. (Bild: Werner Schelbert)

Andreas Faessler

Da war er also, der Maestro, der grosse erfahrene italienische Liedermacher. Simple Lichteffekte und fünf Kristallluster waren die einzigen optischen Stimmungsmittel, die Angelo Branduardi für sein Konzert im Theater Casino am Freitag brauchte. Denn weniger ist mehr, das liess er im Verlauf des Auftrittes in charmantem «Gastarbeiterdeutsch» verlauten. Und so basierte denn auch sein Auftritt auf einer Art Reduktion – ein gutes Konzept, denn so rückte das Wichtigste erst recht in den Mittelpunkt: Branduardis leidenschaftliche Musikalität und seine aufrichtige Hingabe, mit der er das gerührte Publikum vom ersten Moment an regelrecht verzauberte. Man mochte sich zwar zuweilen nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass der 65-Jährige etwas angeschlagen wirkte in seinen Bewegungen und stellenweise auch stimmlich, doch tat dies dem Zauber seiner berührenden Musik absolut keinen Abbruch. Kam doch das einnehmende und ungemein sympathische Wesen des charismatischen Italieners mit wilder Mähne dazu, der stets den Kontakt zum Publikum suchte und dessen Gunst jeweils mit einem dankbaren, einnehmenden Lächeln quittierte.

Lediglich mit Espadrillos und einem anthrazitfarbenen Kimono bekleidet unterwarf sich auch der Sänger selbst dem «Weniger ist mehr»-Motto des Abends, der aus zwei Teilen bestand – dem «Zeitalter» des Rhythmus und dem «Zeitalter» der Unschuld. Während im ersten Teil das hinter einem Plexiglas­paravan positionierte Schlagzeug noch intensiver zum Einsatz kam, reduzierte Branduardi seine Liederwahl im zweiten Teil auf eine sphärische Ebene mit sanften Tönen und vielen Soli – er nannte es «abheben in eine andere Welt» – und zeigte mit meditativen Bewegungen die Spiritualität, mit der er seine Musik lebt. Höhepunkte aus seiner über 40-jährigen Karriere ernteten Begeisterungsstürme, «Domenica e Lunedi» etwa oder «Sotto il tiglio».

Eine Geigenkadenz

Stets hatte Branduardi seine Violine griffbereit neben sich, um sie abwechselnd zum Gesang anzusetzen und sich mit derselben Leidenschaft dem Spiel zu widmen. Mit einer Geigenkadenz, für die er live augmentierend mehrere Stimmen einspielte und sie zu einem klingenden Ganzen aufbaute, leitete er zur letzten offiziellen Nummer des Konzerts über: «Lord Franklin», einem rührend-melodiösen Lied, das auf eine Ballade aus dem 19. Jahrhundert zurückgeht.

Dass das hingerissene Publikum den Italiener und seine vier hervorragenden Musiker nicht einfach so ziehen liess, war absehbar. Nach stehenden Ovationen gabs – fast erwartungsgemäss – noch «La pulce d’acqua» in einer treibenden Instrumentalversion. Und die zweite geforderte Zugabe, «Tango», war ein heiteres Liebeslied, von denen Branduardi gemäss eigenen Angaben insgesamt lediglich fünf geschrieben hat. Der Charakter seiner Musik wird bekanntlich durch Märchen, Sagen und alte Legenden geprägt, was seinen Liedern diese unvergleichliche Mystik verleiht, mit der Angelo Branduardi seit vier Jahrzehnten sein Publikum in den Bann zieht. Auch in Zug ist ihm dies wunderbar gelungen.