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ZUG: Auf Weltreise mit Stimmen aus zwölf Ländern

Die Sänger des Kammerchors der Zuger Kantorei stammen aus über einem Dutzend verschiedener Länder. Höchste Zeit also, das kulturelle und musikalische Potenzial entsprechend zu nutzen.
Redaktion@zugerzeitung.ch
Die öffentliche Generalprobe. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 12. März 2017))

Die öffentliche Generalprobe. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 12. März 2017))

Jules Vernes «Reise um die Welt in 80 Tagen» ist auch 144 Jahre nach der Ersterscheinung immer noch ein beliebtes Motiv im Kulturbetrieb. Die «schnelle Weltumrundung» hat der Kammerchor der Zuger Kantorei aufgenommen und musikalisch umgesetzt. «Around The World in 80 Minutes» heisst das Programm; es sind 20 Stimmen aus 12 Ländern, welche sich geistlicher und weltlicher Chormusik von den Anfängen bis zu Gegenwart widmen.

Das Potenzial dieser kulturellen und musikalischen Vielfalt im Chor wurde schon länger erkannt, jetzt setzt der Chor dieses auch musikalisch um – der Zuhörer wird mit einer musikalischen Weltreise verzaubert.

Spannende Musikauswahl

Am Sonntag fand die öffentliche Generalprobe des Konzertchors in der reformierten Kirche in Walchwil statt. Spätestens dort wurde klar, dass das Konzept dieser musikalischen Weltumrundung funktioniert; es sind deutlich mehr Zuhörer gekommen, als man offensichtlich erwartet hatte, die Sigristin war mit der Sitzplatzorganisation gefordert. Das Chor-Konzept funktioniert aber nicht nur wegen der interessanten Thematik, sondern auch wegen der originellen Umsetzung. Einerseits werden auf einer kleinen Leinwand zu den Ländern entsprechende Projektionen gezeigt, andererseits kündigt der Chor in kurzen Intermezzi an, wo man sich befindet, was man hören wird und in manchen Fällen auch weshalb. Herrlich war beispielsweise Italien. Da hätte man sich als Chor problemlos und einfach aus einem schier unerschöpflichen musikalischen Fundus bedienen können. Es soll aber nicht «problemlos und einfach» sein, sondern spannend und deshalb wurde Goffredo Petrassis «Nonsense: No. 5. C’era una vecchia di Polla» gewählt. Kein überladener italienischer Chorschmalz also, dafür, frei übersetzt: «Es war einmal eine alte Jungfer aus Polla, arg eingequetscht in einer Menschenmenge. Um sich zu befreien, tötete sie einige mit Fusstritten – andere verjagte sie mit Stockhieben, diese impulsive alte Jungfer aus Polla.» Musikalisch vom Chor frisch und mit grosser Leuchtkraft gesungen, ganz im Sinne des Komponisten. Solche Beispiele ziehen sich wie ein roter Faden durchs Konzert, und man merkt, dass sich der Chor unter der Leitung von Johannes Meister sehr viele Gedanken bei der Werkauswahl gemacht hat.

Der Komponist im Publikum

Direkt im Anschluss dann Österreich, hier wäre der Fundus an Kompositionen ebenfalls beinahe unerschöpflich, der Kammerchor der Zuger Kantorei hat sich aber entschieden für: den Zottelmarsch! Der klingt genauso, wie der Name es vermuten lässt, und wenn schon Marsch, dann auch unter Einsatz des ganzen Körpers. Das Programm des Chors bietet also weit mehr als Klassik im herkömmlichen Sinne – es ist eine gelungene Mischung aus E- und U-Musik, in stilvollem Rahmen, musikalisch auf weit höherem Niveau, als man bei den eben aufgezählten Stücken vielleicht vermuten würde. Um bei den Nachbarländern zu bleiben: Bei Deutschland setzte der Chor an der Generalprobe auf das «Vater unser». Allerdings in der Version von Martin Völlinger (Jahrgang 1977). Heisst: satztechnisch und musikalisch anspruchsvoll in einer schon beinahe jazzigen Version. Völlinger wird übrigens am Samstag am Konzert in der Kirche St. Johannes anwesend sein, was es für den Chor bestimmt nicht einfacher machen wird. Schliesslich ist es äusserst selten, dass ein Komponist bei der Aufführung seines Werkes im Publikum sitzt. Wobei: Der Chor agierte an der Generalprobe in Walchwil derart souverän und auf solch hohem Niveau, dass man weder kritisches Publikum noch anwesende Komponisten fürchten muss.

Haymo Empl
redaktion@zugerzeitung.ch

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