ZUG: Collegium Musicum Zug sorgt für Begeisterung

Beim Konzert in der reformierten Kirche Zug begeisterte das Collegium Musicum Zug. Vor allem ein Musiker hat die Zuhörer begeistert. Am Schuss gibt es für die Darbietung frenetischen Applaus.

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Das Collegium Musicum wusste am Sonntag in Zug auf der ganzen Linie zu überzeugen. (Bild: Maria Schmid (11. Juni 2017))

Das Collegium Musicum wusste am Sonntag in Zug auf der ganzen Linie zu überzeugen. (Bild: Maria Schmid (11. Juni 2017))

Haymo Empl

redaktion@zugerzeitung.ch

Während am Sonntag Menschenmassen bei hochsommerlichen Temperaturen am See flanierten oder in demselben badeten, fand sich trotz der Hitze eine Schar Klassikbegeisterte in der reformierten Kirche Zug ein. Hoch- und Spätbarock sind ein Publikumsmagnet, und so war die kleine Kirche dann auch gut besetzt – zudem passt die Barockmusik auch und vor allem zu einem schönen Sommertag; leicht, verziert und virtuos. So lässt sich auch das Spiel des Collegium Musicum Zug beschreiben, welches am Samstag in Grenchen gastierte und gestern in Zug.

Den Auftakt bildete das Konzert in d-Moll für Violine, Streicher und Bass von Giuseppe Tartini (1692–1770). Bereits beim Allegro haben die Konzertbesucher realisiert, dass «die da draussen» am See etwas verpassen würden, das Collegium brauchte nur wenige Takte, um sich «zu finden», und spielte unter der Leitung von Albor Rosenfeld gewohnt solide.

Ein temperamentvolles Solo wird geboten

Spannend wurde es beim ersten kurzen Solo des Leiters, da wirkte nichts gekünstelt, das war Musik pur und leidenschaftlich. Der Komponist selbst war zu seinen Lebzeiten berühmt für seine Bogenführung – an Rosenfeld hätte Tartini seine helle Freude gehabt. Gefallen hätte Tartini – der sich auch als Musiktheoretiker einen Namen gemacht hatte und sich intensiv mit der Akustik beschäftigte – sicherlich auch der Klang des Konzertes in der Kirche. Leidenschaftlich ging es dann weiter mit Georg Philipp Telemann (1681–1767) und seinem Konzert in G-Dur für Viola, Streicher und Bass. Vor der Pause dann – bei jedem Konzert in dieser Epoche schon beinahe Standard – Johann Sebastian Bach (1685–1750). Alle Komponisten hinterliessen unglaublich viele Kompositionen, allein bei Tartini geht man von über 130 Geigenkonzerten aus. Alle diese Klassiker haben in einer Zeit gelebt, die musikalisch einem nahezu einheitlichen Stil zuzuordnen ist. Entsprechend klingen die Werke auch mehrheitsfähig, glatt und manchmal etwas (zu) gerade – gäbe es da nicht Musiker, die den aalglatten Kompositionen der grossen Meister etwas Besonderes verleihen.

Ein Musiker mit grenzenloser Spielfreude

Im gestrigen Fall war das unter anderem der 31-jährige Alessando D’Amico mit seiner Viola. Die Spielfreude schien bei ihm beinahe grenzenlos zu sein: Da wurde gehüpft, gelächelt und gesummt – sein Instrument haben die Zuhörer schnell gar nicht mehr als solches wahrgenommen, der gebürtige Venezolaner schien damit am gestrigen Vormittag eins geworden zu sein.

Damit ein Solo funktioniert, braucht es aber entsprechend auch die anderen Musiker, die den Künstler tragen – die wissen, wann sie sich selbst zurücknehmen sollen und wie viel Zurückhaltung angebracht ist. Dieser Aspekt geht oft bei kleineren Konzerten unter, funktionierte aber gestern bestens. Da war nichts zu viel, (beinahe) jeder Ton sass, und selbst wenn Raum für das Spiel des Künstlers gelassen wurde, erhielt der Violinist stumme Unterstützung der anderen.

Die Musiker freuen sich über gelungene Darbietungen

Überhaupt war es faszinierend, sich beim gestrigen Konzert nicht nur auf die Musik zu konzentrieren (diese war wie gewohnt tadellos), sondern die nonverbale Interaktion unter den Musikern zu beobachten: Diese zeigten in ihren Gesichtern Freude, wenn einem Kollegen ein schwierigerer Part gelungen war, und da und dort war vor einer solchen auch eine gewisse Anspannung zu sehen. Temperament also bei D’Amico – viel davon!

Am Schluss gibt es frenetischen Applaus

So viel Feuer könnte im eher steifen Umfeld des Genres (und der Kirche) schnell übersättigend wirken, am gestrigen Konzert aber passte es, und das Publikum bedankte sich für die Darbietung (in diesem Fall war es schon eher fast eine Performance) mit frenetischem Applaus.