ZUG: Den «Faust» aufs Wesentliche reduziert

Goethes «Faust» ist SchulPflichtstoff. Patrick Hediger und Rafael Iten vereinfachen den Zugang zur schweren Materie mit viel Witz – der zuweilen an die Grenzen geht.

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Bringen Goethes «Faust» leicht verständlich «an den Mann»: Rafael Iten (links) und Patrick Hediger. (Bild: Werner Schelbert)

Bringen Goethes «Faust» leicht verständlich «an den Mann»: Rafael Iten (links) und Patrick Hediger. (Bild: Werner Schelbert)

Andreas Faessler

Der innerlich zerrissene Dr. Faust, seine Bekanntschaft mit dem Teufel, das bedauernswerte Gretchen – Johann Wolfgang Goethe hat mit seiner «Faust»-Tragödie ein Paradewerk der europäischen Literatur geschaffen. Und spätestens an den Mittelschulen haben sich die Schüler mindestens einmal mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Und einfach ist er nicht – sowohl im Lesen als auch im Verstehen. Die blumige Poesie im Deutsch des 18. Jahrhunderts stellt so manchen vor eine Herausforderung. Dabei liesse sich die Kernbotschaft der «Faust»-Tragödie eigentlich auf ganz einfache Weise erzählen respektive vermitteln.

Haupt- und Nebenfiguren

Das dachten sich auch Rafael Iten und Patrick Hediger. Gemeinsam mit dem Regisseur Thomy Truttmann haben sie den «Faust»-Stoff «entstaubt», wie sie es mit Schalk nennen. Auf Schweizerdeutsch und mit viel Humor bringen sie die Geschichte auf die Bühne und machen sie selbst literaturresistenten Kulturmuffeln auf schmackhafte Art zugänglich. «Der ‹Faust› ist ein Klassiker, aber viele schrecken davor zurück», meint Patrick Hediger. «Auf komödiantische Weise führen wir die Leute an die Geschichte heran. Ohne diese inhaltlich zu verändern.» Hediger, Theaterschaffender aus Küssnacht, und Iten, Zuger Regisseur und Theaterpädagoge, haben das Stück auf die Haupt- und einige Nebenfiguren reduziert, die sie wohlbemerkt alle selbst spielen. Ob Faust, Schöpfer, Teufel, Student, Gretchen, frivole Hexen oder Gespenster – das Stück besteht aus regem Rollen- und Kostümwechsel. Hierin liegt auch der Löwenanteil aller Komik in diesem Stück. Iten als bärtiger Gottvater, Hediger als Mephisto mit neckischen Hörnchen auf dem Kopf. Dann der eine als biederer Studienanwärter, der andere indes als Hexe in der Walpurgisnacht – mehr Trümmertranse als böse, alte Vettel. Gretchen kommt als blondbezopftes Mägdelein mit Kleidchen vom Secondhand-Grabbeltisch daher und stellt Faust ganz keck und mal so nebenbei die berühmte Frage nach der Religion. Auch derbere Einlagen lassen die beiden nicht missen: Das wüste Treiben der finsteren Geschöpfe soll explizit als solches daherkommen, weshalb es punktuell alles andere als jugendfrei wird.

An Bühnenrequisiten bedarf es abgesehen von den Kostümen herzlich wenig. Ein Stuhl, ein paar Bücher, eine schwarz verhängte Kammer zum Umkleiden. Das Spektakel lebt von den beiden Schauspielern.

Den Sinn dieser Welt selber finden

«In ‹Faust› kommt die männliche Sicht des Älterwerdens zum Tragen», sagt Patrick Hediger. Ohnehin sei der Verlust der Jugend ein grosses Thema des Lebens. «Aber ebenso wichtig ist die Glaubensfrage», fügt Rafael Iten an, der übrigens nach zwölf Jahren zum ersten Mal wieder selber auf der Bühne steht. «Zumindest für mich persönlich ist das auch ein wichtiger Punkt im Leben.» Regisseur Thomy Truttmann fasst zusammen: «Wir müssen den Sinn in dieser Welt eben selber finden. Es ist eine schwierige Welt.» Und auf diese Sinnsuche macht sich auch Faust, der gemeinsam mit Mephisto die Banalitäten des Lebens und auch die Schicksals­fügungen, die es bereithält, erfährt.

Mit ihrer Bearbeitung wollen Rafael Iten und Patrick Hediger künftig auch an Schulen auftreten, zumal dieses Stück – wie erwähnt – die Absicht hat, den Schülern den Stoff zu erleichtern. Für die ersten Aufführungen im Burgbachkeller – Premiere ist am nächsten Mittwoch – haben sich denn auch bereits mindestens drei Schulklassen angemeldet.

Hinweis

«Faust» im Burgbachkeller, Premiere am Mittwoch, 2. September, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen am folgenden Donnerstag und Samstag, ebenfalls um 20 Uhr.