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ZUG: Die Sehnsucht – das unnennbare, tiefe Gefühl

Mit der Sopranistin Regula Mühlemann und dem Casal-Quartett teilten sich zwei prominente Namen der Schweizer Musikszene die Bühne in der Shedhalle. Das Programm: klingende Romantik in Reinform.
Dorotea Bitterli
Musikalische Sehnsuchtsperlen der Romantik: Sopranistin Regula Mühlemann mit dem Casal-Quartett. (Bild: Werner Schelbert (26. Februar 2016))

Musikalische Sehnsuchtsperlen der Romantik: Sopranistin Regula Mühlemann mit dem Casal-Quartett. (Bild: Werner Schelbert (26. Februar 2016))

Ein Zuhörer bringt es vor dem Konzert auf den Punkt: «Endlich lerne ich sie kennen!» Sie – die Sopranistin Regula Mühlemann aus dem luzernischen Adligenswil, deren grossartige Stimme und unaufdringlich bezaubernde Ausstrahlung eine bereits international erfolgreiche Karriere begründen. Sie war und blieb die Hauptattraktion des Abends, und viele der vorwiegend älteren Konzertbesucher waren ihret­wegen gekommen.

Umringt ist sie auf der Bühne von den vier Musikern des ebenso renommierten Casal-Quartetts – Felix Froschhammer und Rachel Späth an der Violine und das Zwillingspaar Markus und Andreas Fleck an Viola und Cello.

Der Abend hält, was er versprach: Die romantische Sehnsucht, «die uns manchmal fast das Herz zerreisst», dieses unnennbare und oft unbegreiflich tiefe Gefühl, von den Tondichtern Franz Schubert und Felix Mendelssohn-Bartholdy in Musik umgewandelt, wird über zwei Jahrhunderte hinweg wieder­belebt und sehr modern zum Klingen gebracht. Die Brücke schuf der deutsche, 1936 in Berlin geborene Komponist Aribert Reimann, der die Mignon-Lieder des einen und die Heine-Vertonungen des anderen transkribiert hat.

Resonanzen entstehen in Kopf und Körper

Mühlemann steht bescheiden, fast schüchtern vor ihrem Notenpult, die Augen gesenkt, und die Streicher beginnen. «Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen, allein das Schicksal will es nicht», singt sie als Schuberts Mignon und ist augenblicklich mitten im seelischen Geschehen, hebt den Blick, und jedes Wort, jeder Ton ist gefühlt, reiner Ausdruck und bedarf keiner überflüssigen Gestik, keines Pathos. Es fällt auf, dass sie den Mund nie aufreissen muss, dass die Resonanzen anders entstehen, im Kopf, im Körper. Das ermöglicht ihr eine feine Diktion, eine subtil beherrschte Artikulation. In jedem Schlusskonsonanten ist noch Gefühl und Subtext. Man lauscht ihnen nach.

Im zweiten und dritten Teil des Konzertes ist die Sehnsucht instrumental. Robert Schumanns Streichquartett in A-Dur, op. 41, Nr. 3 ist ein Wechselspiel zwischen Vorwärtstreiben und ­Ruhen, melodischen Schwärme­reien und temperamentvollen Dialogen, und es ist, als habe der Komponist darin sein ganzes kammermusikalisch-kompositorisches Können auf einmal de­mons­trieren wollen.

Das Casal-Quartett folgt ihm mühelos in alle technischen Herausforderungen und emotionalen Winkel, ihre zwanzigjährige Eingespieltheit ist wahrnehmbar als «atmender Körper», in dem alle vier, obwohl Einzelne, vereint sind – auch sie ohne Pathetik, aber tief empfindend. Schuberts dramatischer Quartettsatz c-Moll D 703 verstärkt nach der Pause diesen Eindruck noch: Virtuos und lustvoll ist ihr Zusammenspiel, und wenn sie im gemeinsamen Schlussstrich alle gleichzeitig ihre Bögen in die Luft schleudern, bleibt dieses Hörbild im Kopf der Konzertbesucher stehen.

Die Musik bleibt in der Luft stehen

Für «... oder soll es Tod bedeuten?» hat Reimann Mendelssohn-Lieder nach Gedichten von Heine bearbeitet und verbunden durch sechs instrumentale Intermezzi. Diese, dissonant und metallen, oft sehr hoch, jammernd und quietschend, produzieren ein bedrohliches Spukgespinst, das dem Titel Ehre macht und den Streichvirtuosen höchste Leistungen abverlangt. Mühelos gleiten sie aber immer wieder zurück in die vor Traum, Gemüt, Tränen, Mondenschein, Rosen, Nebeltanz und Liebe schmelzende Romantik, in der sich Mühlemanns Sopran engelgleich über Abgründe erhebt.

Am Ende bleibt – sehr gewagt, aber unglaublich wirkungsvoll – die Musik in der Luft stehen: «Warum singt denn mit so kläglichem Laut die Lerche in der Luft? Warum steigt denn aus dem Balsamkraut hervor ein Leichen ...?» Auch das ist Romantik pur.

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

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