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ZUG: Eine Kammerbesetzung spielt gross auf

Es war ein heisser, aber stimmungsvoller Auftakt der diesjährigen Sommerklänge. Spätromantisches wurde ganz besonders umgesetzt.
Dieses Konzert präsentierte zeitlose Musik in spezieller Umgebung. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Dieses Konzert präsentierte zeitlose Musik in spezieller Umgebung. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Zum 15. Mal Sommerklänge und noch nie war es so heiss bei der Eröffnung. Doch der Gang in das voll besetzte Böschhof-Kultursilo in Hünenberg lohnte sich. Mit kurzen humorvollen Worten stellte Benno Furrer, Leiter der Schweizerischen Bauernhausforschung (!), den Ort vor. Von 1974 bis 2013 wurde hier tatsächlich siliert. Der Referent zitierte aus der Pionierzeit der Graskonservierung (1883) und verglich diese auch mit dem Komponieren und Mithören gehaltvoller Musik.

Gute Akustik und Augenkontakt

Man sah dem Raum den ursprünglichen Verwendungszweck noch immer an. Dennoch stimmten die Rahmenbedingungen für ein Konzerterlebnis: gute Akustik, von sämtlichen Plätzen aus Augenkontakt mit den Ausführenden, kein Aussenlärm, und am Sonntag besonders wichtig – wenigstens während der ersten Konzerthälfte war es deutlich kühler als in der Umgebung.

Sieben Mitwirkende teilten sich die drei spätromantischen Werke. Die Musiker vermischten Elemente aus Kammermusik und Orchesterbesetzung. Neben der Kernbesetzung des Ensembles Chamäleon Tobias Steymans, Violine, Luzius Gartmann, Violoncello, sowie Madeleine Nussbaumer, Klavier und Hauptorganisation – waren dies Nadezhda Korshakova, Violine, Mirjam Töws, Viola, Paolo Beltramini, Klarinette, und Tomas Gallart, Horn. Offensichtlich hat sich die Qualität der Sommerklänge-Aufführungen in Berufsmusikkreisen herumgesprochen. Zuzüger wissen sich immer dem hohen Gesamtniveau anzupassen.

Zwei Schwergewichte des Abends bildeten ein Quintett und ein Sextett des Ungarn Ernst von Dohnanyi (18771960). Der für Musikliebhaber etwas im Schatten seiner Landesgenossen Béla Bartók und Zoltan Kodaly stehende Komponist, Klaviervirtuose und Organisator beeindruckte schon als 18-Jähriger mit dem Quintett in c-Moll, Opus1, den auf der Höhe seines Ruhmes stehenden Johannes Brahms. Tatsächlich hat er von diesem besonders im ersten Satz Eigenheiten übernommen: die dynamische Steigerung auf einen Höhepunkt, welcher durch überraschenden Tonartwechsel wieder aufgelöst wird. Dank ebenbürtig hohem Können von allen Mitwirkenden kamen die weiteren Eigenheiten des Werkes voll zur Geltung: ein häufig homofon geführter Streichquartett-Klang in gehaltenen orchestralen Harmonien, lebhafte Läufe des Klaviers, alles in klanglichem Gleichgewicht. Überraschung im Schlusssatz, als das Cello allein eine barock anmutende Fuge anstimmte.

Das 40 Jahre später entstandene Sextett für Violine, Viola, Violoncello, Klarinette, Horn und Klavier näherte sich durch die Ausgestaltung der Hornstimme noch stärker einem gedachten Orchesterklang. Neben dem opulenten Klavierpart brachte die Komposition auch viel von dem, was Streicher gerne spielen. Sinfonieartig wurden die Abschlüsse auskomponiert, und es war fast erstaunlich, dass nach dem ersten Satz kein versehentlicher Zwischenapplaus erfolgte.

Ein Auftakt mit Max Bruch

Als Auftakt erklangen Triosätze von Max Bruch (18381920) in der Fassung für Klarinette, Cello und Klavier. Aus dem suitenartigen Opus 83 wurden jene drei Sätze ausgewählt, welche sich stilistisch dem Charakter des nachfolgenden Programms am meisten annäherten. Auch hier beeindruckte die technische und musikalische Souveränität der Wiedergabe – mit der kleinen Einschränkung, dass durch den voll geöffneten Klavierdeckel das oft allein stehende Cello manchmal übertönt wurde.

Jürg Röthlisberger

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