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ZUG: Er holt die Rocker aus Sarajevo

Dino Sabanovic hat ein Konzert mit der bosnischen Band Zabranjeno Pusenje in Zug organisiert. Und er denkt bereits daran, daraus eine ganze Konzertreihe zu machen.
Dino Sabanovic freut sich auf das Konzert seiner Idole am Freitag. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Dino Sabanovic freut sich auf das Konzert seiner Idole am Freitag. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Natalia Widla

Wer kann sich nicht an sie erinnern, die musikalischen Idole der eigenen Kindheit? Meist waren wir zwar noch zu jung, um das Gehörte richtig einordnen zu können, doch haben sie uns irgendwie geprägt, die Musikerinnen und Musiker, die unsere Eltern und Verwandten damals hörten und deren Texte uns heute noch so vertraut sind.

«Die Musiker der bosnischen Band Zabranjeno Pusenje waren die Helden meiner Eltern», erzählt der Zuger Dino Sabanovic. «Neben der Musik hatten sie auch eine eigene Comedy-Sendung am Fernsehen, und so wurden sie auch zu meinen ganz persönlichen Helden», berichtet der Zuger weiter. In ihren ­Anfängen in den 1980er-Jahren galt Zabranjeno Pusenje (zu Deutsch «Rauchen verboten») als Punkband, mittlerweile lässt sich die Musik irgendwo zwischen Balkan-Rock und Classic-Rock verorten. Dino ist heute 22 Jahre alt, macht seit Jahren selber Musik und holt am kommenden Freitag die sechs Rocker aus Sarajevo in die Galvanik nach Zug. «Vor Jahren spielte die Band ein kleines Konzert in Bern.» Die Infrastruktur dort sei jedoch miserabel gewesen. «Publikum und Interesse gab es jedoch mehr als genug, und so dachte ich mir: Das kannst du besser», erzählt Dino Sabanovic.

Spontane Idee

Seit jeher spukte die Idee in seinem Kopf herum. Er hatte jedoch stets noch anderes zu tun: Projekte mit seiner eigenen Band Stuck in Traffic, die Schule, Arbeit. «Als ich schliesslich letzten August meine Maturaarbeit eingereicht hatte, war da plötzlich ein kleines Vakuum. Und weil ich es nicht ausstehen kann, nichts zu tun zu haben, setzte ich mich an den Computer und tippte spontan ein Mail an den Manager der Band», erzählt Dino, der bei der Organisation des Projekts von Anfang an auf die Unterstützung des Kulturzentrums Galvanik und der Stadt Zug zählen konnte. Er habe in dem Schreiben seine Motivation und seinen Bezug zur Band dargelegt und habe erzählt, dass er sich gar vorstellen könne, eine Konzertreihe zur Förderung des kulturellen Austauschs zwischen Bosnien und der Schweiz zu starten. Bieten könne er ihnen auf der anderen Seite gutes Equipment, eine entsprechende Infrastruktur und die ideale Lage zwischen Luzern und Zürich. Von da an ging alles schnell: «Der Manager rief mich 20 Minuten später an. Er war begeistert von der Idee, den Geist der alten Sarajevo-Rockschule mitten in der Schweiz wieder auferstehen zu lassen», erzählt Sabanovic. Auf Termin und Gage konnte man sich schnell einigen, und so hatte sich ein Wunschtraum innert kürzester Zeit in ein greifbares Projekt verwandelt.

Musik der Heimat

In den vergangenen Wochen hat der Organisator mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden und Bekannten die Werbetrommel gerührt, Flyer gedruckt, Plakate aufgehängt, die Neuigkeit auf sozialen Medien verbreitet. Bis nach St. Gallen soll das angekündigte Konzert mittlerweile schon die Runde gemacht haben, rund 200 Aussagen sind es bisher auf Facebook. Bis zu 300 Besucher könnten es laut Dino Sabanovic werden: «Ich kenne viele junge und ältere Ex-Jugoslaven der ersten oder zweiten Generation, wie ich einer bin. Und deren Wunsch ist es, wieder einmal die Musik ihrer Heimat zu hören.» Das Konzert soll aber kein Anlass exklusiv für Bosnier, Serben und Kroaten werden, sondern gerade eben auch für hiesige Menschen, erklärt der 22-Jährige: «Solche Anlässe sollten vermitteln und zum kulturellen wie interpersonellen Austausch anregen und zeigen ‹Schaut her! Auch auf dem Balkan hatten wir Garage-Punk›. Zu zeigen, dass wir im Grunde doch alle ähnliche Interessen haben und uns alle gleichermassen für Musik begeistern können, scheint mir extrem wichtig – gerade vor der erneut heiss aufflammenden Integrationsfrage.»

Zuger in Bosnien?

Angst davor, dass an dem lang ersehnten Konzertabend mit seinen Idolen etwas nicht hinhauen könnte, hat Dino keine, die Vorfreude hat überhandgenommen: «Ich wünsche mir, dass es ein toller Abend wird, mit guter Musik und vielen interessanten Gesprächen – vielleicht ja auch gerade mit Menschen, mit denen man im allwöchentlichen Ausgang sonst eher weniger ins Gespräch kommen würde.» Sollte der kommende Freitag ein Erfolg werden, kann sich Dino Sabanovic gut vorstellen, eine kontinuierliche Konzertreihe auf die Beine zu stellen: «Idealerweise würde das dann auf beide Seiten wirken, vielleicht könnten ja ein paar Zuger Bands bald in Bosnien auftreten», schlägt er vor.

Hinweis

Das Konzert von Zabranjeno Pusenje findet am Freitag, 6. November, im Kulturzentrum Galvanik in Zug statt. Türöffnung ist um 20.30 Uhr. Musikalische Unterstützung kriegen die bosnischen Altrocker von der Zuger Band Stuck in Traffic.

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