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ZUG: Gedenken an den «grössten Gefährten der Menschheit»

Ein Konzert zum Todestag von J. S. Bach. Das Programm: eher schwere Kost. Aber gerade das scheint in Zug besser anzukommen als andernorts.
Der Meister des Barocks fasziniert mehr denn je. Bach-Denkmal in Leipzig. (Bild: Andreas Faessler)

Der Meister des Barocks fasziniert mehr denn je. Bach-Denkmal in Leipzig. (Bild: Andreas Faessler)

Genau 265 Jahre und wenige Minuten nachdem Johann Sebastian Bach für immer seine Augen schloss, setzte sich Hans-Jürgen Studer an die Goll-Orgel in der reformierten Kirche in Zug und hob mit dem Präludium in h-Moll an zum musikalischen Gedenken an den «grössten Gefährten der Menschheit». So nämlich bezeichnete kein Geringerer als Dmitri Schostakowitsch den Eisenacher Komponisten, dessen Werk und Wirken von vielen Exponenten der nachfolgenden Musikgeschichte in hohen Tönen gewürdigt wurde. Johann Sebastian Bach sei etwa das Ende und der Anfang aller Musik, sagte einst der bedeutende Leipziger Musiker Günther Ramin. Für den italienischen Belcanto-Meister Gioachino Rossini war Bach gar ein «Gotteswunder». Und der französische Pianist Walter Gieseking bezeichnete Bach immerhin als «Weltwunder, auf das die Menschheit stolz zu sein hat».

Auch Organist Studer weiss bestens um die Bedeutung Bachs. «Er ist das Mass aller Dinge», sagt er. «Keiner, der ein klassisches Instrument lernen will, kommt um Bach herum. Er ist sozusagen der ‹Prüfstein› für jedes Instrument.» Der Bach-Musik wohne eine «versteckte Virtuosität» inne, so Studer weiter. Will heissen: «Hört man jemanden Bach spielen, so spürt man oft nicht, wie anspruchsvoll die Musik für den Interpreten in Wahrheit ist.»

Die Kunst der Fuge

Einen Konzertschwerpunkt setzte Hans-Jürgen Studer neben dem erwähnten h-Moll-Präludium, der Trisonate Nr. 3 in d-Moll und zwei Choralpräludien vor allem auf BWV 1080, den bedeutenden und in der Musikgeschichte viel diskutierten Zyklus «Die Kunst der Fuge», bestehend aus 14 Fugen und 4 Kanonen, an denen Bach fast zehn Jahre lang gearbeitet hatte. Mit dem Werk wollte Bach offenbar darlegen, wie ein Fugenthema in allerlei Variationen umgesetzt werden kann. Die 18 Variationen nannte Bach selbst «Contrapuncte». Sechs dieser Contrapuncte spielte Studer vor und gewährte dem Publikum mit dieser Auswahl einen aufschlussreichen Einblick in die Varietät von BWV 1080. Studer schloss den Fugen-Schwerpunkt mit Contrapunctus XVIII ab, dem letzten und unvollendeten, der wie es die Umschreibung verrät – mittendrin abbricht. Symbolhaft hat das Abendprogramm an diesem Punkt den Moment des Todes Johann Sebastian Bachs markiert – auch wenn mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht Bachs Ableben Grund für das Nicht-Vollenden war.

«BWV 1080 kann für den Interpreten sehr unangenehm sein», sagt Studer. Viele scheuten sich davor, den technisch anspruchsvollen Zyklus in Angriff zu nehmen, geschweige denn aufzuführen. Doch Hans-Jürgen Studer bereiten die Contrapuncte Freude. Mehr noch: «Es ist mein Traum, alle Teile zu beherrschen und sie im Rahmen eines Konzerts in ihrer Gesamtheit aufzuführen.»

Auch Bachs Trisonaten würden von vielen Musikern gemieden. «Sie werden nicht gern gespielt, da sie für viele einen Spiessrutenlauf darstellen. Selbst wenn man sie beherrscht, kann eine Aufführung schiefgehen, wenn man nicht in bester Tagesform ist.» Studer selbst liebt Bachs Trisonaten, und am Konzert schien er in bester Form zu sein: BVW 527 interpretierte er souverän und makellos wie auch alles andere an diesem Abend.

«Hier funktioniert das gut»

Wie jedes Jahr hat das heurige Gedenkkonzert zur Todesstunde Bachs Pfarrerin Irene Schwyn trug zwischen den Werkgruppen Texte vor – eine ansehnli­che Zuschauerschar angezogen. «Dabei ist das Programm jeweils recht schwere Kost», sagt Studer und fügt an: «Es ist interessant festzustellen, dass es explizit in Zug ein Publikum gibt, dass von dieser eher schweren Orgelmusik anscheinend so fasziniert ist.» Anderswo habe er das noch kaum erlebt. «Aber hier funktioniert das wirklich gut.»

Andreas Faessler

Hinweis

Am Sonntag, 2. August, um 11 Uhr findet in der reformierten Kirche Zug die 5. Orgelmatinee statt.

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