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ZUG: Gills Rückzug erwies sich als Glücksfall

James F. Gill (82) ist der letzte Vertreter der grossen amerikanischen Pop-Art-Kultur der Ära Warhol und Co. Eine Auszeit brachte ihm Energie für sein ungeplantes Comeback.
Andreas Faessler
Gefeierte Ikone der amerikanischen Pop-Art und trotzdem immer auf dem Boden geblieben: James F. Gill in der Galerie Urs Reichlin in Zug. Bild: Patrick Hürlimann (22. 9. 2016)

Gefeierte Ikone der amerikanischen Pop-Art und trotzdem immer auf dem Boden geblieben: James F. Gill in der Galerie Urs Reichlin in Zug. Bild: Patrick Hürlimann (22. 9. 2016)

Was bewegt einen gefeierten Künstler, sich auf dem Zenit seiner Karriere aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und nur noch im Stillen zu wirken? Es war 1970, als James Francis Gill sich von der Kunstszene verabschiedete, um losgelöst von deren Zwängen seine persönliche Ausdrucksweise weiterzuentwickeln. Gerade dies mag der Grund gewesen sein, warum Gill seine illustren Pop-Art-Mitstreiter der ersten Stunde überlebte. Der Texaner gilt als der letzte noch aktive Vertreter dieser Sparte, deren bedeutendste Exponenten etwa Warhol, Lichtenstein oder Haring hiessen.

Kurz nach dem Tod von Marilyn Monroe 1962, deren Aura bis heute eine unbändige Faszination auf Gill ausübt, zog der Künstler nach Los Angeles. Noch im selben Jahr nahm das Museum of Modern Art in New York sein Monroe-Triptychon in die Sammlung auf, was in der Kunstszene grosses Aufsehen erregte. Seinen Durchbruch erlebte Gill 1967, als er seine Kunst an der «Sao Paulo 9» zusammen mit Andy Warhol, Edward Hopper und anderen werdenden Topligisten der Pop-Art ausstellte. Bald fanden sich Gills Werke in den Sammlungen einflussreicher Museen rund um den Erdball.

Freundschaften mit Megastars

In Hollywood war der Texaner mittendrin. Seine Freundschaften mit damaligen Megastars schlugen sich in seinem Schaffen nieder. Morrison, Newman, Wayne, Joplin, Brando, Luther King ... – ihre Konterfeis finden sich in Gills Unikaten gleichwohl wie in Serien auf vielfache Weise. Und auch wenn er die Monroe nicht mehr persönlich getroffen hatte, so bestand die Verbindung mit ihr über die Menschen, welche im Leben der Filmdiva tragende Rollen spielten.

Gill genoss in der Pop-Art-Szene hohes Ansehen, war bekannt für seine frische Bildgestaltung. Er definierte die Kunst der 1960er-Jahre faktisch neu. Als ihn seine rasend wachsende Berühmtheit und die ungebremste Nachfrage nach seinen Kunstwerken überrannte, kam der Rückzug. Gill selbst beschreibt rückblickend, wie die illustren Menschen, die er traf, allesamt reich und berühmt waren. «Aber eines waren sie nicht: glücklich», sagt Gill. Er wollte es anders, wollte in Einklang mit sich selbst sein, zu Gunsten seiner Zufriedenheit auf noch mehr Ruhm und Geld verzichten.

15 Jahre lebte der Zeitzeuge einer Hollywood-Generation fernab der hektischen Kunstszene, beschäftigte sich privat neben der Malerei auch mit Architektur.

Unerwartete Rückkehr

Als eines der renommiertesten US-Kunstmagazine den Künstler Mitte der 1980er-Jahre aufspürte und ein Interview mit ihm veröffentlichte, galt Gill als wiederentdeckt – es folgte sein ungeplantes Comeback, und er war vor allem in den USA schnell wieder ein sehr gefragter Mann. Er zog nun die Werkzeuge des Computerdesigns heran. Zahlreiche Werke aus dieser Zeit beinhalten politische Botschaften des Pazifisten Gill.

Im neuen Jahrtausend kehrte der Künstler wieder vermehrt zu den klassischen Motiven mit Pop-Art-Ikonen zurück. Allen voran die «grosse MM». Der heute 82-Jährige, der am liebsten texanische Kopfbedeckung trägt, ist schaffenskräftig wie eh und je – was wohl nicht zuletzt seinem «rechtzeitigen Absprung» von damals zu verdanken ist. Auf die Frage, wie oft er denn male, antwortet Gill: «All the time.»

Er lebt heute mit seiner Frau auf einer Ranch in seiner texanischen Heimat. James Gill, der offen auf die Menschen zugeht und für jedermann zugänglich ist, ist nun in Zug mit einer breiten Auswahl an Kunstwerken zu Gast. Man kann es guten Gewissens eine einmalige Gelegenheit in der Schweiz nennen: Die Galerie Urs Reichlin zeigt um die 40 Werke James Gills, darunter eine für Ausstellungen dieser Art ungewöhnlich grosse Anzahl Unikate und einzelne frühere Werke.

Malerei auf Leinwand, limitierte Serigrafien oder sogenannte Mixed-Media-Werke repräsentieren Gills jüngste Schaffensphase. Gill bedient sich des Porträts gleich wie des Abstrahismus und führt die beiden Formen in unterschiedlicher Ausprägung zusammen. Figuratives und Abstraktes verschmilzt zu einem komplexen neuen Ganzen. James Gills feiner Sinn für Farbkompositionen – losgelöst von jeglicher Regel –, sein Gespür für das Darstellen, Zeichnen, Bearbeiten, Verfremden, Neuinterpretieren geben der Pop-Art weiteren Schwung und machen sie lebendiger denn je. Er setzt die farblichen Akzente genau dort, wo man sie erwartet – sodass das Resultat nie zu aufdringlich, farblich nie zu überladen wirkt, der Fokus bleibt stets auf das Wesentliche gerichtet. Von Sinnlichkeit und subtiler Erotik geht selbst dann nichts verloren, wenn der abstrakte Anteil deutlich überwiegt. Gill ist unbestritten ein Meister seines Faches.

Andreas Faessler
andreas.faessler@zugerzeitung.ch

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