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ZUG: Gothic – skurrile Maskerade oder Lebensphilosophie?

Mit «Gothic» zeigt der Fliz-Filmclub die bildstarke Doku über eine häufig falsch verstandene Subkultur. Wer und wie sind die Menschen hinter den finsteren Fassaden?
Schaurig-schöne Gestalten: Die Gothic-Szene ist eine oft falsch eingeschätzte Subkultur. (Bild: PD)

Schaurig-schöne Gestalten: Die Gothic-Szene ist eine oft falsch eingeschätzte Subkultur. (Bild: PD)

Sie sind schrill, schräg, bizarr, schaurig-schön, einfach anders. Und sie liefern mit ihren Erscheinungsbildern geradewegs die Steilvorlage für ihre eigene Ausgrenzung. Die Menschen in der Gothic-Szene haben genauso mit Vorurteilen zu kämpfen wie andere Randgruppen und Minderheiten der Gesellschaft. Gewiss, mit der Fülle an Piercings an allen erdenklichen Körperstellen, düsteren Tattoos, bleichen Gesichtern, pechschwarzer Kleidung und Haaren erregen die «Grufties» Aufmerksamkeit bei den «normalen» Menschen. Man nimmt es als Provokation wahr – oder einfach nur als Maskerade und Spinnerei. Aber sind diese Vorurteile wirklich berechtigt?

Mit «Gothic» ist der Zürcher Filmemacherin und Schriftstellerin Mitra Devi ein faszinierendes Szeneporträt gelungen, das am kommenden Montag im Rahmen der Fliz-Filmreihe im Kino Gotthard in Zug gezeigt wird. Die bildstarke Doku hilft, Voreingenommenheit zu überwinden, und sie zeigt eindrücklich und tiefgreifend, welche Menschen hinter den so fantasievollen wie finsteren Fassaden stecken. Hierfür lässt die Regisseurin, die als versierte Krimi­autorin selbst einen Hang zum Morbiden hegt, mehrere Charaktere der Gothic-Subkultur frei erzählen, warum und wie sie ihre Leidenschaft leben.

Eines wird schnell klar: Es geht nicht nur um die Erscheinung, sondern für «ernste» Goth-Menschen ist es eine Lebenseinstellung. Manche sind getrieben von der Faszination Traurigkeit, andere zelebrieren eine Todessehnsucht – ohne lebensmüde zu sein, im Gegenteil –, wieder andere lieben schlicht das Spiel mit dem Unheimlichen oder eine Annäherung an die mystische Schattenwelt. Eines aber verbindet sie alle: gegenseitiger Respekt und bedingungslose Akzeptanz für die individuelle Entfaltung jedes Einzelnen. In kaum einer Szene gehe es friedlicher zu als in dieser, betonen die Protagonisten wiederholt. Der Grundsatz des Lebens und Lebenlassens ist ihr grösster Wert.

Mitra Devi begleitet die Goth-Leute im geregelten Alltag gleich wie in ihrer finsteren Welt – die schliesslich gar nicht so finster bleibt, lernt man die sympathischen Menschen dahinter kennen, welche sich wie jeder andere dieselben Grundgedanken über das Leben machen und einem geregelten Beruf nachgehen.

Die Regisseurin setzt Kameraeinstellungen gezielt ein. Etwa, indem sie einen Filter wählt, der Gesichter härter erscheinen lässt als sie sind, intensivierend untermalt mit typischem Gothic Rock («The Beauty of Gemina»). Als symbolisch lässt sich interpretieren, dass die Menschen, welche im Film ihre Meinung zur Goth-Szene abgeben – ob befürwortend, neutral oder despektierlich –, im Film demonstrativ schwarz-weiss und mit einem noch stärkeren Filter eingeblendet sind.

Mitra Devis 90-minütiger Dokumentarfilm gewährt mit kräftigen Bildern, Effekten sowie temporeich aneinandergereihten Sequenzen erstaunliche Einblicke in eine vornehmlich verkannte und falsch verstandene Kultur. Eine Kultur, in der man dem Anschein nach überdurchschnittlich viele Menschen findet, von deren Einstellung bezüglich Akzeptanz und Respekt dem Mitmenschen gegenüber sich die «normale» Gesellschaft eine gehörige Scheibe abschneiden sollte.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

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