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ZUG: «Harfenbüchlein»: Die Uraufführung als Familienprojekt

Familienkonzert im Burgbachkeller: Uraufführung des Werkes «Harfenbüchlein» von Carl Rütti durch Praxedis Hug-Rütti und Praxedis Genevieve Hug.
Das Duo Praxedis im Burgbachkeller. Praxedis Geneviève Hug (links) und an der Harfe Praxedis Hug-Rütti. (Bild: Roger Zbinden)

Das Duo Praxedis im Burgbachkeller. Praxedis Geneviève Hug (links) und an der Harfe Praxedis Hug-Rütti. (Bild: Roger Zbinden)

Um gleich zu Beginn Klarheit zu schaffen: Der Komponist Carl Rütti hat für seine Schwester, die Harfenistin Praxedis Hug-Rütti komponiert und bearbeitet. Ihre Tochter Praxedis Genevieve Hug – also die Nichte des Komponisten – rezitierte in der ersten Konzerthälfte die Texte und beteiligte sich im zweiten Teil als Pianistin am schon seit längerer Zeit bestehenden Duo Praxedis.

Bewusste Provokation

Mit der Bezeichnung «Harfenbüchlein» provozierte Carl Rütti wohl ganz bewusst die Gedankenverbindung zu dem allen Kirchenorganisten bekannten «Orgelbüchlein» von Johann Sebastian Bach. Gleich wie der grosse Barock-Komponist griff auch Rütti auf Bekanntes zurück, besonders häufig auf ursprünglich für Chor geschriebene Werkausschnitte. Eine weitere Parallele: Die Abfolge der Sätze orientierte sich grossräumig am Kirchenjahr, zu Beginn die Weihnacht, später die Passion und am Schluss die Vollendung des Gottesreiches. Die Texte stammten überwiegend von Silja Walter. Ihre lebensfrohe Grundstimmung wurde auch durch die äussere Aufmachung der beiden Interpretinnen unterstrichen.

Die Uraufführung im Zuger Burgbachkeller liess als ersten Höreindruck sowohl den langjährigen Organisten wie den profunden Kenner der technischen Spielmöglichkeiten auf der Harfe erkennen. Durch die unterschiedlich langen Sätze entstand nicht nur gedanklich, sondern auch musikalisch eine abgerundete Gesamtform. Wer bei einzelnen Teilen an die Originalgestalt erinnert wurde, erkannte wiederum die harmonischen Vorlieben des Komponisten, beispielsweise die Passagen in verschiedenen Tonarten gleichzeitig oder die engen Wechsel zwischen betonten und gleich wieder aufgelösten Leittönen. Der Komponist hat schon mit vielen Werken bewiesen, dass er den Schwierigkeitsgrad dem Können der angepeilten Interpreten anzupassen wusste. Für Praxedis Hug-Rütti als seit Jahrzehnten hoch geschätzte Interpretin bedeutete dies einen dichten und anspruchsvollen Notensatz, der manchmal kaum Zeit zum Blättern liess.

Die zweite Hälfte gehörte dem Duo Praxedis, wie es einigen Leuten im Publikum von früheren Auftritten her bekannt war. Schon die Titel der drei Originalkompositionen stimmten auf die kommende Winters- und Weihnachtszeit ein: «Winterlandschaft», «Ave Maria» und «Pastorale».

Gesamtklang schaffen

Hier stellte sich dem Komponisten die heikle Aufgabe, die in Tonfarbe und Spielmöglichkeiten doch recht ähnlichen Instrumente zu einem Gesamtklang zu vereinigen. Beide haben sich bekanntlich aus leichteren Zupfinstrumenten mit Cembalo-ähnlichem Klang zum heutigen viel volleren Ton entwickelt. Dies bedingte aber – nochmals eine Parallele – ein viel höheres Gesamtgewicht, und so lässt sich auch eine moderne Konzertharfe kaum mehr von der Interpretin allein transportieren. Rütti verstand die Harfe gegenüber dem Klavier überwiegend als Melodie-Instrument, sodass sie in der Partitur oben notiert wurde. Seine Kompositionen setzten die beiden Instrumente überwiegend nebeneinander ein; nur selten erklangen rhythmische Strukturen gemeinsam.

Imponierend und ausgewogen

Genevieve Hug spielte auf einem Pianino; der grosse moderne Konzertflügel wäre ohne ständige bewusste Zurückhaltung gegenüber der Harfe zu stark gewesen. Schon im ersten Stück imponierte die hohe Stellung der Handgelenke für die meist sehr weiten Intervalle innerhalb der einzelnen Hände. Man verstand so die Vorliebe der Pianistin für die Kompositionen von Franz Liszt, die demnächst das Programm eines Klavierabends füllen sollen. Ausgewogen in sich wirkte auch die Gestaltung des Harfenparts: Neben den beliebten Glissandi – vom Komponisten mit Bedacht und einer gewissen Zurückhaltung eingesetzt – gab es verschiedene markante Einsätze in höheren Lagen, wie sie erst nach langer Spielpraxis und entsprechender Anpassung der Fingerkuppen technisch möglich sind.

Jürg Röthlisberger

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