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ZUG: Hinter jedem Bild steht ein Manifest

Skurril, bizarr, fantastisch ist die ungeheure Detailvielfalt in den «Wimmelbildern» von M. S. Bastian und Isabelle L. Ihre Leidenschaft für die Kunst bleibt ungehemmt, solange sie täglich in ihre Welt eintauchen können, sagen die beiden.
Andreas Faessler
Mit dem Betrachten ihrer bunten «Planeten» wird man nie fertig: Das Bieler Künstlerpaar M. S. Bastian und Isabelle L. zeigt in der Galerie Urs Reichlin in Zug zum ersten Mal auch dreidimensionale Werke. (Bild: Stefan Kaiser/ZZ)

Mit dem Betrachten ihrer bunten «Planeten» wird man nie fertig: Das Bieler Künstlerpaar M. S. Bastian und Isabelle L. zeigt in der Galerie Urs Reichlin in Zug zum ersten Mal auch dreidimensionale Werke. (Bild: Stefan Kaiser/ZZ)

Ihre grossformatigen Welten sind wie eine angenehm empfundene Reizüberflutung, ein Nonplus­ultra in Sachen Detailreichtum. Sie bezeichnen sich selbst als «Weltenbauer», und sie tun dies seit zwölf Jahren ausschliesslich gemeinsam: Das Bieler Künstlerpaar M. S. Bastian und Isabelle L. teilt sich Tisch, Bett und Pinsel – im eigentlichen Sinne des Wortes. Ihre Wimmelbilder – wie sie die Werke selbst manchmal liebevoll nennen – sind in Galerien und Museen im In- und Ausland vertreten und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Schubladisieren lassen sich die beiden nicht, ein Versuch wäre auch zu verwegen: «Wir kennen unseren Platz in der Kunstszene nicht», sagen sie selbst. Aktuell ist das Künstlerpaar in der Galerie Urs Reichlin in Zug mit zahlreichen Werken vertreten.

Faszinierende Unüberschaubarkeit

M. S. Bastian (*1963) und Isabelle L. (*1967) kreieren aus Comicelementen ihre Planeten, in denen es – poetisch umschrieben – sprichwörtlich krabbelt und wurlt. Ihnen dienen wohlbekannte Charaktere wie etwa Biene Maja, Barbapapa, die Mumins und etwelche Disney-Figuren, die sie zuhauf – authentisch oder stilisiert – ins vermeintlich unüberschaubare Szenario integrieren, das, je nach Serie und Schaffensperiode, eine üppige Naturlandschaft oder eine urbane Schaubühne zeigt. Und immer wieder fühlt man sich ein wenig an die skurrilen Welten von Hieronymus Bosch erinnert. Die Werke der beiden Berner sind vorwiegend ausgeführt mit Acryl auf Leinwand, doch auch mit Mischtechnik, darunter Collage, alles stets mit grosser Farbintensität. Und immer ist ein kleiner Hauptdarsteller irgendwo im Bild mindestens einmal zu sehen: «Pulp» ist ein kleines androgynes Figürchen mit grossen staunenden Augen und rundem Kopf. Er ist so etwas wie der rote Faden in den Bildern. Die beiden zitieren auch wiederholt bekannte Meister der Kunstgeschichte, entlehnen Motive von Picasso, Haring, Dickerhof und anderen und integrieren sie in die faszinierende Unüberschaubarkeit, wo sie dann häufig im kleinen Detail Präsenz zeigen, ohne je unterzugehen. Und hierin liegt auch einer der Hauptreize an den Bildern der beiden. Der Detailreichtum garantiert geradezu die Langlebigkeit der Werke: Noch nach Wochen, Monaten findet der Betrachter Neues, das ihm bislang verborgen geblieben ist.

or einigen Jahren ist in ihrem Atelier die «Bastokalypse» entstanden, eine Art Persiflage auf die berühmte Apokalypse: Auf 51 mal 1 Meter sind in Schwarz-weiss-Malerei figurativ die Schrecken der Welt dargestellt. Anspielungen auf schlimme Ereignisse der jüngeren und älteren Geschichte schlagen sich in diesem Monumentalwerk in bizarrer Form nieder, aber mit einem gewissen Augenzwinkern. Dennoch wirkte die Arbeit an diesem Fries zuweilen drückend auf die Stimmung der beiden Künstler. So sind, faktisch zum Ausgleich des Gemüts, im selben Zeitraum mehrere Paradiesbilder entstanden, darunter die riesenhaften vier Jahreszeiten. Jüngst haben sie zudem mehrere dreidimensionale Objekte geschaffen, ursprünglich aus der einfachen Gestaltung einer Schuhschachtel hervorgegangen. In der Galerie Urs Reichlin werden diese erstmals ausgestellt.

Arbeit und Meditation zugleich

Die Ansprüche der beiden an sich selbst sind gross: Erst wenn beide mit einem Werk nach einer Testhängung im Atelier unumstösslich einverstanden sind, gilt es als vollendet. Und bis es so weit ist, kann es zuweilen dauern. Nicht selten wird ein scheinbar fertiges Bild übermalt. Ihre Leidenschaft für das künstlerische Schaffen ist sichtbar. «Jedes unserer Bilder ist an sich ein Manifest. Und das soll der Betrachter auch spüren», sagt M. S. Bastien. Für die beiden ist das Malen an einem Bild Arbeit und Meditation zugleich.

«Wir machen und leben Kunst zu 100 Prozent», sagen sie unisono. «Für uns ist es die pure Erfüllung, wenn wir von morgens früh bis abends spät in unsere Welt eintauchen können.» Dass dies gelegentlich auch auf Kosten ihres sozialen Umfelds gehen kann, nehmen sie dabei in Kauf. Ab und zu legen die beiden den Pinsel dann aber trotzdem zur Seite, brechen für ein paar Wochen völlig aus und gehen auf Wanderschaft oder raus in die Natur. Hier finden sie ihre Inspiration fürs weitere Schaffen.

Andreas Faessler
andreas.faessler@zugerzeitung.ch

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