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ZUG: Katharina Hacker: «Mit der Gefährdung wächst die Liebe»

Die Literarische Gesellschaft Zug hat heute Abend Katharina Hacker zu Gast. Die deutsche Autorin liest aus ihrem neuen Roman, in dem sie grosse Fragen stellt.
Zu Gast in Zug: Katharina Hacker. (Bild: Renate von Mangoldt, S. Fischer Verlag)

Zu Gast in Zug: Katharina Hacker. (Bild: Renate von Mangoldt, S. Fischer Verlag)

Armin Oswald, Vorstandsmitglied der Literarischen Gesellschaft Zug, freut sich sehr, Katharina Hacker erneut am Lesepult zu haben – bereits 2013 machte die deutsche Autorin bei «Literatur kompakt» auf sich aufmerksam. Geboren 1967 in Frankfurt am Main, studierte Katharina Hacker zunächst in Freiburg Philosophie, Geschichte und Judaistik – ab 1990 setzte sie ihr Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem fort. Seit 1996 lebt sie als freie Autorin in Berlin. 2006 erhielt Katharina Hacker den Deutschen Buchpreis für ihren Roman «Die Habenichtse».

Wenn die Autorin heute Abend ab 20 Uhr im Theater im Burgbachkeller aus ihrem neuesten Roman «Skip» vorliest, dann taucht man ein in das Tel Aviv der Neunzigerjahre, in das Leben von Juden und Palästinensern. Aber auch in das Leben des zur Hälfte jüdischen Architekten Skip, den eine innere Stimme in der Mitte seines Lebens plötzlich an Orte ruft, an denen Katastrophales passiert – und Skip erwartet jeweils eine spezielle Aufgabe.

Katharina Hacker, Sie haben mehrere Jahre in Jerusalem studiert. In Ihren Büchern geht es oft sowohl um Philosophisches als auch um die leidvolle Geschichte der Juden. Was verbindet Sie mit dem Judentum?

Katharina Hacker: Ich habe in Jerusalem studiert, weil die meisten Autoren, philosophische zumal, die ich bewundert habe, Juden waren. Ich wollte verstehen lernen, wo sie herkommen. Die Jahre in Israel waren glücklich, voller wunderbarer Begegnungen, voller Warmherzigkeit, auch voller Ängste, die wir jetzt in Europa verstehen lernen müssen ... Jüdisch bin ich nicht, das hat für mich in Israel allerdings nie eine grosse Rolle gespielt: Ich habe dort gelebt, zum Guten und zum Schlechten, auch während des ersten Golfkrieges. Ich habe die Sprache gelernt, die Leute vertrauten mir.

Im Klappentext zu «Skip» steht das schöne Zitat: «Das Leben besteht aus winzigen Gelegenheiten, von denen man die meisten verstreichen lässt, weil man nicht daran glaubt, nicht an das Glück, nicht daran, dass man ein guter Mensch sein könnte.» Muss man gut sein, um glücklich zu sein? Oder muss man glücklich sein, um gut zu sein?

Hacker: Ich frage mich gerade dieser Tage, ob es möglich ist, glücklich zu sein, wenn man die Bedingungen dieses Glücks nicht mit anderen teilt. Mich macht – kann ich das noch sagen nach den Anschlägen in Paris am vergangenen Freitag? – glücklich, tatsächlich jeden Tag glücklich, dass ich meine Kinder einigermassen sicher wissen darf. Sie gehen durch die Stadt, ich darf zuversichtlich sein, dass ihnen nichts zustösst. Ich kann ihnen warme Schuhe kaufen und Bücher schenken. Wir sind ohne Sorge und Not, die uns den Atem und das wache Empfinden abschnüren würden – was ist das für ein ungeheuerliches Glück! Und wie viele andere haben es eben nicht.

Sie zitieren zu Beginn des Buchs Ludwig Wittgenstein. Was meint Wittgenstein: Soll man nun sein Leben ändern, so man unglücklich ist? Oder soll man das Unglück akzeptieren, um so – selbstlos – trotzdem glücklich zu sein?

Hacker: Bei Wittgenstein gibt es beides: Bist du unglücklich, so musst du dein Leben ändern. Das heisst oft: dich selber ändern. Und es gibt Dinge, Grundgegebenheiten unseres Menschseins, die wir mitempfinden müssen als den dunklen, aber vielleicht doch auch lichten Hintergrund. Warum der dann plötzlich licht sein soll? Vielleicht, weil wir den Mut haben, hinzusehen? Und weil ja doch manchmal mit der Gefährdung das Bewusstsein der Liebe wächst ...

Wie sind Sie auf die mystische Idee gekommen, Ihren Protagonisten Skip zum Begleiter ihm völlig fremder Seelen in den Tod zu machen?

Hacker: Ob die Idee mystisch ist, jemandem «Gesellschaft» zu leisten, der jäh und brutal aus dem Leben gerissen wird durch eine Katastrophe? Ich finde es nicht mystisch, eher selbstverständlich, dass man die Idee für notwendig hält!

Ihre Bücher lesen sich so dicht, dass man sich unweigerlich fragt, ob alles nur erfunden sei.

Hacker: Ich erfinde, weil mich sonst das Mitempfinden mit dem, was ich um mich sehe, fast zerreissen würde.

interview Susanne Holz

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