ZUG: Philipp Gadient – Ein Quereinsteiger mit Leidenschaft

Er wagt den grössten Tapetenwechsel des Lebens und macht seine Passion zum Beruf. Mit der Eröffnung einer Galerie verwirklicht Philipp Gadient seinen Traum. Mit dem ersten Künstler, den er präsentiert, habe er einen Glückstreffer gelandet, wie er sagt.

Andreas Faessler
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Mit Skulpturen und Fotoarbeiten von Uwe Karlsen eröffnet Philipp Gadient heute Abend seine Galerie in Zug. (Bild: Maria Schmid (28. Februar 2017))

Mit Skulpturen und Fotoarbeiten von Uwe Karlsen eröffnet Philipp Gadient heute Abend seine Galerie in Zug. (Bild: Maria Schmid (28. Februar 2017))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Es ist im Leben nie zu spät, etwas ganz Neues zu beginnen. Manchmal braucht es Mut, manchmal Spontaneität. Und manchmal ergibt sich einfach eine einmalige Gelegenheit. Bei Philipp Gadient war es alles zugleich. Beruflich war er lange Zeit im Finanz- und Rechnungswesen tätig, wobei sein ausserberufliches Interesse schon immer hauptsächlich der Kunst galt.

Der heute 60-Jährige verfolgte das Geschehen auf dem Kunstmarkt stets aufmerksam, beobachtete die Trends und entwickelte – so sagt er – ein Auge für gute, hochwertige zeitgenössische Kunst.

Den Traum von einer eigenen Galerie hatte er seit vielen Jahren. Aber dass er sich so unerwartet plötzlich erfüllen würde, damit hatte Gadient wahrlich nicht gerechnet. Hier sind wir nun beim Punkt mit der einmaligen Gelegenheit und der Spontaneität: Als der seit 40 Jahren in Zug lebende gebürtige Bündner unlängst beim vormaligen Showroom von Silvan Faessler Fine Art an der Vorstadt vorbeikam und feststellte, dass dieser seinen Standort verlassen will, sah Gadient seine Stunde gekommen. Schon wenig später war er der Nachmieter in den kleinen, aber feinen Räumen mit Blick auf den Zugersee.

Fokus zeitgenössische Skulpturen und Objektkunst

Es war ein herzhafter Sprung ins kalte Wasser. Aber wo so viel Leidenschaft brennt, so viel Herzblut fliesst, wird dieses kalte Wasser schnell temperiert. Das Glück war Gadient abermals hold: Für seine erste Ausstellung – Eröffnung heute (siehe Kasten rechts) – konnte er mit Uwe Karlsen aus Meggen einen gefragten Künstler für sich gewinnen. Dessen plastisches Werk entspricht prinzipiell genau dem, was Gadient künftig in seiner Galerie haben möchte. «Mit hochwertigen zeitgenössischen Skulpturen, Objekten und Design will ich in Zug eine Nische besetzen», beschreibt Gadient sein Galeriekonzept. Dass das plastische Schaffen zwar ­explizit im Vordergrund steht, nicht aber andere Kunstrichtungen ausschliesst, zeigt die Uwe-Karlsen-Ausstellung: Die Skulpturen werden mit Fotoarbeiten ergänzt respektive erweitert.

Der Künstler war für Gadient, der als Neuling noch über kein Künstlerportfolio verfügt, ein Glücksfall und dürfte die Anfänge seines Start-ups erleichtern. «Ich bin überzeugt, dass die Werke von Uwe Karlsen ein breites Publikum ansprechen werden», so der Neogalerist.

Eine Frage der Geduld

Jetzt heisst es für Philipp Gadient Kontakte knüpfen, ein Portfolio aufbauen – und selbstverständlich weiterhin und mehr denn je am Puls des Kunstmarktes bleiben. Und seine jahrelange Berufserfahrung im Finanzwesen wird ihm auch fürderhin dienlich sein in den entsprechenden Geschäftsbereichen.

«Das Ganze ist selbstverständlich eine Frage der Geduld», weiss Gadient. Gut Ding will eben Weile haben. Und da stehen die Vorzeichen am besten, wenn man sich selbst und seinen Plänen aufrichtig treu bleibt. Gadient: «Am wichtigsten ist mir, dass ich selber vollumfänglich hinter der Kunst stehen kann, die ich in meiner Galerie ausstelle.»

www.gallery-gadient.com

 

Konstruktive Transformation

Bildhauer Uwe Karlsen (*1954) setzt sich seit zwei Jahrzehnten intensiv mit Materialien ganz unterschiedlicher Art auseinander. Seine Skulpturen –ob Keramik, Porzellan, Bronze, Stahl oder Beton – entstehen im Rahmen eines Prozesses, der weitgehend unberechenbar ist. Ausgehend von einer klaren, rationalen Grundform verändert sich die im Entstehen begriffene Skulptur unter Einwirkung von Kräften der Natur. Textur und Struktur nehmen hierbei stets neue, unvorhergesehene Formen an. Formen – wenn man sie überhaupt so nennen mag –, die nicht der Ästhetik verpflichtet sein wollen. Es ist im Grunde einzig das Einwirken dieser natürlichen, durchaus auch zerstörerischen Kräfte, was dem jeweiligen Objekt Schritt für Schritt seine Einzigartigkeit verleiht. Schönheit und Eleganz bestehen in ihrer groben und zuweilen bedrohlichen Archaik, wobei doch oft ein wenig von der ursprünglichen Geschmeidigkeit Teil des Resultats bleibt. Hochglänzende, polierte Oberflächen etwa gehen in starke Korrosion über, oder feine Porzellantextur wird durch tiefe Risse durchbrochen – viele von Karlsens Skulpturen tragen gewissermassen eine Vanitassymbolik in sich.

Seit drei Jahren entwickelt Uwe Karlsen zudem ein wachsendes fotografisches Werk, welches er an seiner Ausstellung in der Gallery Gadient in Zug erstmals gemeinsam mit seinen Plastiken zeigt. Ausgewählt sind mittel- bis grossformatige Fotoarbeiten, die je eines der dreidimensionalen Exponate zitieren, in mehreren Schritten durch Bewegung, Spiegelung oder Überlappung  mittels eigens entwickelter Verfahrensweise so weit abstrahiert, dass von der Skulptur ein surreales Abbild mit ausserordentlicher Tiefe entsteht, das die zu Grunde liegenden Formen oft nur mehr erahnen lässt.

Der gebürtige deutsche Künstler, der in Meggen LU lebt und arbeitet, blickt auf mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz zurück. Seine Werke sind in öffentlichem und privatem Besitz. Mit einer Dauerleihgabe ist er unter anderem im Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg vertreten.

(fae)

Hinweis

«Blick in die Tiefe», Skulptur und Fotografie von Uwe Karlsen in der Gallery Gadient, Vorstadt 18, Zug. Vernissage heute 18 Uhr. Ausstellung bis 30. April. Offen Mo–Fr
13–18.30 Uhr; Sa 10–14 Uhr.