ZUG: Regisseur Michael Steiner: «Mein Lohn ist der Applaus»

Regisseur Michael Steiner wurde an der gestrigen Eröffnung des Genuss-Film-Festivals der «Genuss-Award» überreicht. Er verrät, welchen Film er drehen würde, wenn er 20 Millionen Franken hätte.

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Michael Steiner hat gestern in Zug den Genuss-Award überreicht bekommen. (Bild: Stefan Kaiser (4. Mai 2017))

Michael Steiner hat gestern in Zug den Genuss-Award überreicht bekommen. (Bild: Stefan Kaiser (4. Mai 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Gestern Nachmittag ist das dritte Zuger Genuss-Film-Festival eröffnet worden. Die brennendste Frage vor der Filmvorführung des Deutsch/schweizerischen Streifens «Der Koch» im Kino Seehof war: Wer gewinnt den diesjährigen Genuss-Award?

Nach Schauspieler Antoine Monot 2016 fällt die Ehre heuer dem Filmemacher Michael Steiner zu. Der Zürcher, der in Rapperswil aufgewachsen ist, hat trotz seines Alters von nur 47 Jahren mit seinen drei Filmen «Mein Name ist Eugen» (2005), «Grounding» (2007) und «Sennentuntschi» (2010) bereits eine gewisse Unsterblichkeit erlangt.

Michael Steiner, wann waren Sie das erste Mal im Kino?

Als Kind. Der Disney-Klassiker «Das Dschungelbuch» war meine erste Leinwanderfahrung.

Welchen Film haben Sie sich am meisten angeschaut?

Da gibt es einige: «Once Upon A Time In the West», «Once Upon A Time In America» und fast alles von Sergio Leone. Dann Filme wie «Trainspotting», «Terminator 2» oder «Doktor Schiwago» und so weiter.

Würden Sie diese Filme wieder anschauen?

Aber ja, ich schau mir den einen oder anderen dieser Filme ab und zu wieder an.

Was für einen Bezug haben Sie zu Zug?

Mein Freund Michel Pernet von der Zürcher Blofeld Entertainment GmbH stammt aus Zug. Er hat mich einige Male nach Zug an Ausstellungen eingeladen, die er organisiert hat. Ich war auch im Open-Air-Kino in Zug. Zum Beispiel bei der Aufführung von «Mein Name ist Eugen».

Wie gefällt Ihnen Zug?

Gut. Ich bin in Rapperswil aufgewachsen, das ebenfalls eine schöne historische Altstadt hat und an einem See liegt. Mit dem neuen Teil in Zug habe ich mehr Mühe. Da hätte man architektonisch vieles innovativer bauen können.

Beim Festival geht es auch um den leiblichen Genuss. Wie wichtig ist Ihnen ein gutes Essen und ein guter Tropfen Wein?

Sehr wichtig. Man schätzt es, wenn man es hat. Als Künstler bin ich nicht so begütert, dass ich wahllos schlemmen kann. Zum Glück bin ich mit dem Gastrokritiker Alexander Kühn befreundet. Er nimmt mich ab und zu zu einem guten Testschmaus mit.

Kochen Sie selber auch?

Oft. Einige Gerichte kriege ich ganz ordentlich hin, aber im Vergleich zu guten Köchen reichen meine Fertigkeiten maximal zu guter Hausmannskost.

Was essen Sie am liebsten?

Ich esse eigentlich fast alles. Besonders aber mag ich Wild in allen Variationen.

Der Genuss-Award bringt bekanntlich nicht nur Würde, sondern auch Bürde. Sie müssen nämlich einen jungen Filmemacher ein Jahr lang als Mentor begleiten. Was kann er von Ihnen erwarten?

Ich werde ihr oder ihm Tipps in Sachen Dramaturgie geben. Das erspart Leerläufe. Junge Regisseure haben die Tendenz, zu viele Szenen zu schreiben, um ihre Geschichten zu erzählen. Die Balance zu finden zwischen notwendigen und erklärenden Szenen ist eine Sache der Erfahrung. Obwohl die Jungen das eigentlich durch die Drehbuchschulung wissen, sind sie trotzdem oft zu ausufernd.

Erkennen Sie das sofort?

Ja, das ist der Vorteil des Alters. Man sieht einem Drehbuch an, wo es was taugt und wo nicht.

Was macht Ihren Erfolg aus, was können Sie besonders gut?

Der Erfolg hängt davon ab, wie sehr das Publikum auf die Geschichte anspricht. Die Wahl der Geschichte und die filmische Umsetzung in Einklang zu bringen, ist meine Aufgabe als Regisseur. Manchmal krieg ich das ganz ordentlich hin.

Wie ordnen Sie den Genuss-Award ein, der Ihnen gestern überreicht worden ist?

Es ist immer berührend, geehrt zu werden. Mein Lohn ist der Applaus des Publikums und die Anerkennung meines Schaffens. Ein Preis ist darum immer eine Ehre.

Wie gefällt Ihnen das Genuss-Film-Festival?

Sehr gut. Auch darum, weil ein karitativer Zweck dahintersteht. Ich habe einige Jahre in der dritten Welt gelebt und kenne die Bedürfnisse dort. Ich habe Menschen immer bewundert, die fernab der Heimat Bedürftigen helfen. Das braucht einen starken Willen und den Glauben an das Gute im Menschen.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen gutem und grossem Kino?

Kino ist nur gross, wenn der Film auf allen Ebenen gut ist.

Was macht gut aus?

Der visuelle Stil und die Geschichte. Letztere muss den Zuschauer berühren. Und die Umsetzung sollte eigen und elegant sein.

Wie wichtig sind die Schauspieler?

Sie sind das Herz jedes Filmes. Sind sie schlecht, ist auch der Film schlecht.

Was für einen Film würden Sie realisieren, wenn Sie frei wählen könnten?

Einen Mehrteiler über die Reisläufer – von Winkelried bis zur Schweizergarde in Rom. Dieses Thema birgt einen grossen Reichtum an historischem Stoff. Ich frage mich seit 20 Jahren, warum das noch niemand angepackt hat.

Wann starten Sie das Projekt?

Wenn ich von einem Zuger Sponsor 20 Millionen bekomme, lege ich sofort los und drehe damit die ersten acht Folgen (lacht).

Auf welchen Ihrer Filme sind Sie besonders stolz?

All meine Filme sind mir lieb. Am besten gelungen sind «Sennentuntschi» und «Mein Name ist Eugen». «Sennentuntschi» ist ein Erwachsenenfilm, «Eugen» Family Entertainment. Beiden ist gemein, dass sie eine gute Haltbarkeit haben.

Sie sprechen Ihre Unsterblichkeit an, die Sie mit diesen beiden Filmen zweifelsohne erreicht haben?

Unsterblich ist ein grosses Wort. Ich bin dankbar, wenn ein, zwei Generationen meine Werke noch sehen werden. Es ist das schönste Kompliment für meine Arbeit, wenn ein Film nach Jahren noch geschaut und geliebt wird.