ZUG: Seine Selbstironie blitzt immer wieder durch

Nach langem Auslandsaufenthalt hat Heinz Ruhstaller die Heimat erkundet. Seine Zeichnungen bekannter Motive zeigen skurrile Details.

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Die Heimat Zug auf seinen Bildern: Heinz Ruhstaller stellt im Kolin 21 aus. (Bild: Roger Zbinden)

Die Heimat Zug auf seinen Bildern: Heinz Ruhstaller stellt im Kolin 21 aus. (Bild: Roger Zbinden)

Die Blautöne passen zu Zug. Sie fallen in der aktuellen Ausstellung im Kolin 21 sofort auf. Und scheinbar hat Heinz Ruhstaller auf den farbigen Zeichnungen eine kleine, heile Welt festgehalten, denn auf den Bildern ist das Wetter immer schön, es strahlt blau vom Himmel oder See. Obwohl die Arbeiten in den letzten fünf Jahren in der Stadt Zug entstanden sind, sieht man darauf keine Autos oder Personen. «Es ist für mich unmöglich, vor Ort zu malen. Wegen der vielen Störungen. Zudem brauche ich einen grossen Farbkasten, einen Schreibtisch und Ruhe beim Schaffen, um diese Präzision der Wiedergabe zu erreichen», erklärte Heinz Ruhstaller an der Vernissage am Freitag.

Orte der Jugend

So begibt sich der heute 61-jährige Künstler mit der Kamera auf Motivsuche in der alten Heimat, die er vor vielen Jahren verlassen hat und in die er, wie er sagt, vor fünf Jahren «aus gesundheitlichen Gründen zurückgekehrt ist». Anhand der Fotos wählt er diejenigen Sujets aus, die er mit Blei- und Farbstiften sowie Pastellkreiden umsetzen will: «Es sind oftmals Orte, an die ich Jugenderinnerungen habe oder deren Architektur mich fasziniert, wie die Riegelhäuser am Fischmarkt.»

So erkennen die Besucher sofort die realistisch dargestellten Gebäude, die sich meist in der Altstadt befinden, wie der Zytturm, die Häuser der unteren und oberen Gasse, der Landsgemeindeplatz oder das Casino. Für Heinz Ruhstaller ist die Altstadt heute wie ein Disneyland: «Alles ist schön renoviert. Ich vermisse die früheren Cafés Ritz oder Keiser. Rund herum gibt es vor allem Büros, Büros. Was dort einmal war, weiss man schon nicht mehr.»

Der heute in Steinhausen lebende Künstler ist früher durch grosse, skurrile Werke in Öl aufgefallen. Auch während des langjährigen Auslandsaufenthaltes hat er den Humor nicht verloren. Darum überraschen manche Exponate durch witzige Details oder Ausschnitte: Da schweben über dem Doku-Zentrum zwei Hände, die sich sanft berühren. «Ja, das habe ich bewusst integriert, es ist eine Erinnerung an Michelangelo. Vor zwei Jahren war ich das erste Mal in Rom und besuchte die Sixtinische Kapelle. Sie ist fantastisch», schwärmt Ruhstaller.

Die Besucher reagieren auch mit Heiterkeit auf das Bild von der Rigi, bei der wie aus einem Vulkan dicke Schwefelwolken in den Himmel steigen, oder dem auf Wolken schwebenden Zytturm. Plötzlich entdeckt einer die Zeichnung der David-Statue im Schaufenster, die einen knappen Slip mit Zuger Wappen trägt. «Das ist ganz der Heinz», sagte lachend der Zuger Künstlerkollege Thomas Egloff. Sie hätten zusammen die Kantonsschule besucht, damals in der Hofstrasse, und sie seien nicht gerade die Bravsten gewesen. Auch Peter Wyss aus Hünenberg erinnert sich gut an den Schulkollegen Heinz Ruhstaller: «Er fiel schon in der Jugend durch sein Talent auf. Der Deutschlehrer liess ihn oft einfach zeichnen.»

«Das kann nicht funktionieren»

Sogar Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller kennt den Künstler von der Schulzeit her, «er war in einer Parallelklasse». Wie Müller sagte, habe ihn der Titel der Ausstellung «Realistischer Superlokalpatriotismus» fasziniert: «Gemütlichkeit ist heute vermehrt gefragt, man sucht das Gefühl von Sicherheit, und die Welt soll draussen bleiben.» Es sei aber schwierig, wenn man sich von der Welt abkehre und Fremden misstraue. «Sich nur auf die Idylle zu konzentrieren, das kann nicht funktionieren», so Müller.

Heinz Ruhstaller, der früher immer schon als Maler, Kupferstecher, Radierer und Zeichner aktiv war, ist dankbar, dass er seine neuen Werke im Rahmen der Zwischennutzung am Kolinplatz 21 ausstellen kann. Auch dieses Projekt wird von der Kulturförderung der Stadt Zug organisiert.

Monika Wegmann

Hinweis

Die Ausstellung von Heinz Ruhstaller «Realistischer Superlokalpatriotismus» läuft bis 11. Dezember am Kolinplatz 21. Die Öffnungszeiten: samstags 11–16 Uhr oder auf Anfrage 041 728 20 35.