ZUG: Stuhl und Mikrofon – das reicht ihm

Elsener legt wieder los. Mit «Mediengeil» steht der Comedian in den Startlöchern und verspricht: «Es wird noch temporeicher als bisher.»

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E wie Elsener – in drei Wochen startet der Zuger mit seinem neuen Programm «Mediengeil». (Bild Stefan Kaiser)

E wie Elsener – in drei Wochen startet der Zuger mit seinem neuen Programm «Mediengeil». (Bild Stefan Kaiser)

Andreas Faessler

Ruhig und zurückgezogen – das will irgendwie so gar nicht zum quirligen Lockenkopf passen, dessen Mundwerk kaum Erschöpfung kennt. Michael Elseners Bühnenauftritte strotzen vor Wortwitz, seine Stimmimitationen sind mittlerweile legendär. Und doch war es ziemlich still um den 29-jährigen Zuger Kabarettisten, seit im vergangenen Dezember seine Show «Stimmbruch» zum letzten Mal über die Bühne gegangen war. Elsener war weg. Auf Reisen. In Südamerika, und da war fertig lustig. «Ich musste einfach mal weg, musste all die Comedy eine Zeit lang vergessen», sagt er. Nein, selbstverständlich ist Elsener nicht nach Lateinamerika gefahren, um in Frieden Trübsal zu blasen, sondern um als Backpacker neue Lebenserfahrungen zu sammeln und vom Comedy-Alltag etwas Abstand zu gewinnen. «Auch wenn ich meine Passion zur Berufung gemacht habe, brauche ich selbst davon gelegentlich eine Pause», sagt Elsener.

Und eine Auszeit schafft bekanntlich Platz für neue Inspiration, neue Inputs, neue Ideen. Obschon der Zuger es immerhin bis zur Halbzeit seines Urlaubs geschafft hat, seinem Vorsatz, nicht über Lustiges nachzudenken, treu zu bleiben, fing er alsbald an, neue Figuren für seine nächsten Bühnenshows zu kreieren. Viele interessante Menschen sind ihm auf seiner Reise begegnet, deren Charakterzüge und persönliche Geschichten er irgendwie in sein Wirken auf der Bühne einfliessen lassen kann. «Ich bin da wie ein Schwamm, sauge alles in mich auf, um es dann wieder ‹auszuwinden› – auf der Bühne.»

Geil auf Medien – und umgekehrt

Und wie nicht anders zu erwarten, hat Elsener trotz seines temporären Rückzugs vom Comedyleben genug «aufgesaugt», um in Kürze mit einem brandneuen Programm auf der Bühne zu stehen. Allein der Titel ist verheissungsvoll: «Mediengeil» – das verspricht einen Bezug zur Realität und hat vor allem Aktualität. «Wir sind heute regelrecht geil auf Medien», sagt Michael Elsener und betont allein mit dem «wir», dass er sich selbst nicht abgrenzen will vom mediengeilen Volk. «Kaum surrts in der Hose – die Glückshormone sind da: Ah, jemand denkt an mich. Die ersten Streicheleinheiten am Morgen, die letzten am Abend: Sie gehören unserem Smartphone. Die Medien sind im Gegenzug ja auch geil auf uns Konsu­menten. Erleichtern sie uns das Leben? Oder üben sie doch eher Einfluss auf unsere Gedanken und unser Verhalten aus? Ich meine, warum buche ich dieses Hotel? Weil ichs selber will oder weils mir Google grad im richtigen Moment vor die Augen setzt?» Elsener wird in diesem Kontext auch auf die Medienkonzerne zu sprechen kommen, die sich zunehmend zu monopolisieren scheinen. Dabei vermeidet er allerdings tunlichst, mit dem Finger auf sie oder die Leute zu zeigen. «Die Pointen sollen auf alle gerichtet sein – inklusive mich – und so den Blickwinkel auf die Thematik verändern.» Und dabei kommen natürlich wie immer zahlreiche parodierte Figuren ins Spiel, altbekannte und auch neue. «Ich überlege mir jeweils, welche zwei meiner Parodie-Figuren hätten am meisten Zoff miteinander, wenn ich sie zusammen in einen Raum stecken würde. Und genau die zwei werden zusammen eingesperrt – daraus gibts dann zum Beispiel eine Nummer über unsere ‹grossen› Schweizer Probleme», erklärt der Zuger. Das sorgt für Zunder.

Alles neu und doch vertraut

«Mediengeil» ist so gut wie parat. Bereits zum Sommeranfang war Elsener fertig mit dem Text, jetzt wird noch etwas geschliffen und an den Licht­effekten gearbeitet. Viel braucht der Comedian nicht auf der Bühne. Ein Stuhl, ein Mikrofon – der Rest lebt bis auf ein, zwei Utensilien hauptsächlich von Elseners Gestik und seinen typischen rasanten Rollenwechseln. Bereits bekannte Figuren wie Röbi oder Bostic hat er weiterentwickelt und sie in eine höhere Sphäre gehoben. «Von A bis Z ist in ‹Mediengeil› alles neu», sagt der Zuger und fügt sogleich lachend an: «Aber alles in reiner Elsener-Manier. Mit etwas mehr Musik als bisher und noch temporeicher.» Und auch anspruchsvoller, wie er erwähnt haben will. Besonders viel Zeit habe er sich diesmal für die Erarbeitung der Nummern genommen. «Die Figuren und Geschichten sind generell runder geworden, und die Lieder grooven.»

Kurzum: Michael Elsener ist nach einer meditativ-kreativen Auszeit in Südamerika zurück – mit einer neuen, turbulenten Bühnenshow, deren Premiere in seiner Heimat über die Bühne geht. Wo sonst?!

Hinweis: «Mediengeil», Premiere am Dienstag, 22. Sep­tember, 20 Uhr im Theater Casino Zug. Weitere Vorstellungen ebenda an den vier Folgetagen. Details und Informationen zu weiteren Terminen unter www.michaelelsener.ch