Musik
Rockstars aufgepasst! Die neue Generation des Schweizer Rock steht bereit

Jung, wild, langhaarig und multinational: Die Band Basement Saints um Frontmann Anton Delen hat das Format, um in die Fussstapfen der alten Schlachtrösser zu treten.

Stefan Künzli
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Basement Saints mit Levent Basharan, Simon «Molly» Moll und Anton Delen (v. l.).

Basement Saints mit Levent Basharan, Simon «Molly» Moll und Anton Delen (v. l.).

Bild: zvg

Krokus und Gotthard haben jahrzehntelang den Rock in der Schweiz geprägt und dominiert. Jüngere Rockbands hatten es schwer, in diese Phalanx der alten Schlachtrösser einzubrechen. Doch jetzt, wo bei Krokus ein Ende absehbar ist und auch Gotthard langsam in die Jahre kommt, zeichnet sich ein Generationswechsel ab. Die Band Basement Saints mit dem 30-jährigen Sänger und Gitarristen Anton Delen hat das Format, um in dieses Vakuum zu stossen.

Gegründet wurde Basement Saints von Anton Delen schon 2012 in Grenchen. In wenigen Jahren erspielte sich die Band eine beachtliche Fangemeinde. Nach einer Pause hat der Sänger und Rhythmusgitarrist die Band umformiert. Mit dem Schlagzeuger Simon «Molly» Moll und dem Gitarristen Levent Basharan und neuem Songmaterial hat die Band nochmals an Statur gewonnen und einen vielversprechenden Neustart hingelegt.

Die acht neuen Songs wurden beim Innerschweizer Roots-Spezialisten Reto Burrell aufgenommen und ­coronabedingt gestaffelt veröffentlicht. Das heisst: Jeden Monat wird ein Song mit Video serviert. «Weil wir ­keine Konzerte geben konnten, wollten wir die Aufmerksamkeit über das ­ganze Jahr verteilen und möglichst hoch ­halten», sagt Delen, der den Grossteil der Stücke komponiert hat. Ende Jahr soll das Ganze in eine CD gepackt und dann an einem Anlass getauft ­werden.

Anton Delen: Eine Stimme wie ein Donnergrollen

Fünf Songs sind inzwischen veröffentlicht. Fünf Songs, die nach Whiskey, Rauch und Schweiss riechen. Die fünf Songs präsentieren die stilistische Bandbreite der Langhaarigen und verortet sie in der Blütezeit des Rock.

«Fine By Me» von Basement Saints

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«Fine By Me», «Love To Ride» und «Stimulation» sind kompromisslose Riff-Kracher zwischen Hard- und Blues-Rock. «Beholden» hat Pop-Appeal, und das folkige «Ghost» zeigt die Band von ihrer ruhigen und besinnlichen Seite. «Drunken Fun» heisst die sechste Single mit Banjo, Fiedel und Countryflair, die am 23. Juli veröffentlicht wird.

Basement Saints bedienen Retro-Gefühle und deuten an, dass noch viel mehr kommen kann. Da ist hierzulande seltene Leidenschaft, Wucht und Feuer. Markenzeichen der Band ist die aussergewöhnliche Stimme von Anton Delen. Eine Stimme wie Donnergrollen. Delen ist burischer Herkunft. Seine Familie ist 2006 in die Schweiz eingewandert, weil sie in ihrer Heimat Südafrika keine Zukunft mehr sah.

Vater Delen war als Pilot im Angolakrieg im Einsatz und fand bei den Flugzeugwerken Pilatus in Stans eine Anstellung. Eine schwierige Situation für Sohn Anton, der damals 16 war und nur Afrikaans und Englisch sprach. Weil er sich nicht verständigen konnte und keine Freunde hatte, lernte er Gitarre. Die Lehre als Konstrukteur machte er bei Pilatus und ist heute als Sicherheitsingenieur beim Schweizerischen Büro für integrale Sicherheit angestellt.

Anton Delen spricht längst fliessend Schweizerdeutsch, Basement Saints ist aber eine multinationale Band und ein Abbild der offenen, multikulturellen Schweiz. Der 31-jährige Solothurner Simon «Molly» Moll, der als Schlagzeuglehrer arbeitet, ist der ruhende Pol, das Fundament der Band.

Weit abenteuerlicher liest sich die Biografie von Levent Basharan: Im türkischen Teil von Zypern geboren und aufgewachsen, lebt er heute in London, hat den britischen Pass, macht aber regelmässig Abstecher in die Schweiz. Auf einem dieser Abstecher hat er im letzten Jahr Delen und Moll kennen gelernt. Das passte. Basharan, 27, ist das wilde Element, ein Paradiesvogel mit Freiheitsdrang, ein vagabundierender Wandermusiker mit Hippiegeist – vor allem aber ein fantastischer, hochvirtuoser Lead-Gitarrist.

Ob Basharan sich in der Schweiz niederlassen wird, hängt von der Entwicklung der Band ab. Der Bandleader hat in diesem Jahr eigentlich noch nicht mit der Rückkehr auf die Bühne gerechnet. Umso willkommener ist es, dass sich nach den Öffnungsschritten eine Reihe von Clubs und Open Airs um die hoffnungsvolle Band bemüht. In einem begeisternden Konzert in der Mühle in Rubigen hat sie ihre Visitenkarte abgegeben. Die Agenda füllt sich. Das Trio, das sich als ausgesprochene Liveband versteht, kann durchstarten.

Live: 6.8. Attisholz Arena Riedholz;
14.8. Festival Into the Corn Mézières;
20.8. Mittsommernächte Simmenfall, Lenk i. S.;
28. 8. Rampe Openair Hausen a. A.;
2.10. Braustation Sursee;
30.10. Z7 Pratteln;
5.11. Treppenhaus Rorschach.